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Rede anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Frauenzentrum Prisma


Rede von  Antonios Antoniadis, Minister für Gesundheit, Familie und Soziales anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Frauenzentrum Prisma

Freitag, 21.11.2014

Meine sehr verehrten Damen,

ich möchte mich ganz herzlich für die Einladung zum 30-jährigen Jubiläum des Frauenzentrum Prisma bedanken. Man wird im Leben nur einmal 30. Heute ist also eigentlich ein guter Anlass, den Tag gebührend zu feiern!

Ich sage eigentlich und frage zugegebenermaßen etwas ketzerisch, ob wir wirklich feiern können, dass wir im 21. Jahrhundert immer noch Einrichtungen wie „Prisma“ brauchen, da häusliche Gewalt weiterhin verbreitet ist, und das nicht nur in unserem eigenen Land?

33 % der europäischen Frauen haben seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren.
Mehr als jede fünfte Frau ist Opfer körperlicher und/oder sexueller Gewalt in der eigenen Partnerschaft!

Gerade diese häusliche Gewalt gegen Frauen ist ein sehr unbequemes Thema, ein Tabuthema. Denn sie geschieht an dem Ort, der für die Menschen eigentlich das Symbol für Sicherheit und Geborgenheit ist – dem eigenen Zuhause. Umso problematischer ist es in solch kleinen Gesellschaften, wie hier in der DG, offen darüber zu sprechen.

Das macht die Sache natürlich sehr viel verschleierter und komplizierter. Denn in vielen Fällen erdulden Frauen die Gewaltsituationen deshalb über Wochen, Monate oder gar Jahre. Sie suchen nach Gründen und Erklärungen. Oftmals suchen sie die Schuld bei sich selbst. Sie haben Zweifel und Angst, alles ihnen Vertraute zurückzulassen.

Sehr viel Mut und Überwindung sind erforderlich, ehe eine Frau sich dazu entschließt, aus einer häuslichen Gewaltsituation auszusteigen. Das hinterlässt natürlich Spuren – physischer und psychischer Art.

Doch irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem jede Frau dem Druck und der Belastung nicht mehr standhalten kann. Nicht selten ist es dieser Moment, wenn das Wohlergehen der eigenen Kinder in Gefahr ist. In solchen Momenten ist ein guter Ratschlag, ist Hilfe, ist Begleitung wichtig. In solchen Momenten ist Prisma wichtig!

In den 30 Jahren seit seiner Gründung hat das Frauenzentrum sich kontinuierlich weiterentwickelt. Prisma ist mehr als nur ein Zufluchtsort für Frauen in Not. Davon konnte ich mich vor einigen Monaten bei meinem Antrittsbesuch persönlich überzeugen.

Prisma bietet ebenfalls juristische und psycho-soziale Beratungen sowie unterschiedliche Weiterbildungen an – und das nicht nur für Frauen, sondern auch für Paare.

Besonders die Weiterbildungen für Berufsgruppen, die eng mit Kindern in Verbindung stehen und in den Haushalten arbeiten, finde ich äußerst lobens- und erwähnenswert. Für ein Kind, das in einem von Gewalt geprägten Umfeld aufwächst, ist die Gefahr da, dass es nicht nur verletzt wird, sondern dass es selbst vielleicht zum Täter wird. Sensibilisierungen helfen beispielsweise Kindergärtnerinnen dabei, Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern aufzuspüren. Je früher man erkennt, dass die Kinder in einem von Gewalt geprägten Umfeld leben, umso wirksamer können auch die Hilfsangebote sein.

Prisma ist zudem eine unverzichtbare Stütze dank der Schwangerschaftskonfliktberatung. Wann immer eine Frau Bedenken und Zweifel hat, ihr Kind auszutragen, stehen ihr kompetente Fachleute vom Frauenzentrum beratend und begleitend zur Seite. Diese Beratung wird für alle schwangeren Frauen in der DG angeboten. Seit letztem Jahr findet für diese unverzichtbare Dienstleistung eine Vernetzung mit offiziellem Charakter mit den verschiedenen Partnern statt. Die DG-Regierung hat diese Vernetzung gerne unterstützt.

Und zu guter Letzt leistet das Frauenzentrum wichtige Sensibilisierungsarbeit. Ich habe eben diese traurigen Zahlen erwähnt. Sie belegen, dass Gewalt gegen Frauen keine Randerscheinung ist, sondern ein gravierendes Problem. Eine geschlagene Frau ist eine zu viel. Unsere Zukunftsaufgabe muss sein, dieses Problem an der Wurzel zu packen. Das ist natürlich eine Herkulesaufgabe, die Prisma nicht alleine bewältigen kann. Da müssen wir alle mit anpacken.

Wir: damit meine ich die Politik auf allen Ebenen, aber auch die Zivilgesellschaft, die nicht wegschauen darf. Die Regierung ist sich ihrer Verantwortung bewusst und wird Prisma auch weiterhin bei der täglichen Arbeit unterstützen.

Ich möchte mich an dieser Stelle im Namen der DG bei allen Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums und beim Verwaltungsrat bedanken. Ein ganz besonderer Dank gilt auch den ehrenamtlich wirkenden Frauen, die als wichtige Bezugsperson den Frauen in Not eine große Hilfe sind.

Meine sehr verehrten Damen,

ich stelle Ihnen nochmals die Frage, ob der heutige Tag wirklich ein Anlass zum Feiern ist? Ich finde ja! Denn 30 Jahre Prisma sind Synonym für 30 Jahre Schutz, Zuflucht und Beratung für Frauen und deren Familien.

Wenn ich das Wort Prisma höre, dann denke ich zum einen natürlich an den Körper aus der Geometrie. Doch ich denke dann genauso an das Element aus der Optik, das zur Lichtumleitung dient.

Ein Licht, das strahlt Wärme aus. Ein Licht bietet auch Orientierung. Mit einem Prisma kann man das Licht in eine andere Richtung lenken. Das Frauenhaus Prisma tut dies gleichermaßen. Es bietet den Frauen und ihren Kindern Wärme und Geborgenheit. Es zeigt ihnen aber auch Wege in eine bessere Zukunft auf; Wege, die man gemeinsam gehen kann.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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