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Sammelfrage zur Impfkampagne der DG


Es gilt das gesprochene Wort!

17.03.2021

583&584&585& Interpellationen Frage und Antwort zu den Impfungen

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,

werte Abgeordnete,

es gehört schon fast zur Tradition, dass anlässlich einer Regierungskontrolle zahlreiche Fragen zu der Impfkampagne gestellt werden. Das dürfte nicht verwundern. Das Corona-Virus beherrscht seit nun mehr einem Jahr unser Leben.

Zu gerne würde man den Corona-Krallen entfliehen, um zum gewohnten Lebensalltag zurück kehren zu können.

Dass das noch dauern wird, macht das Ganze nicht einfacher.

Wer heute von mir ein Datum für das Ende der Pandemie hören möchte, der kann mich auch direkt die Zahlen der nächsten Lotto-Ziehung fragen.

Die Entwicklung der Pandemie in der DG ist aktuell positiv. Ja, wir sind eine grüne Zone. Ja, in den beiden Krankenhäusern werden aktuell nur 5 Menschen behandelt.

Doch schauen wir um uns herum.

Wie lange werden wir die Insel der Glückseligkeit sein, wenn im In- und Ausland die Zahlen wieder raufgehen? Damit möchte ich nicht mal auf die Zahl der positiv getesteten Menschen hinweisen.

Am meisten beunruhigt mich die Entwicklung der Krankenhausaufnahmen und die Belegung der Intensivbetten im Inland.

Hoffentlich entpuppt sich der aktuelle Zustand nicht als Vorbote einer dritten Welle.

Wir dürfen nicht in Panik verfallen, aber wir müssen vorsichtig sein und uns nicht als unverwundbar betrachten.

Doch zurück zu den Daten.

Diejenigen unter Ihnen, die Fragen nach Daten stellen, die werde ich verständlicherweise enttäuschen müssen.

Zu ungenau sind noch die Impfstofflieferungen.

Zu vage sind noch die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Entwicklung neuer Virusvarianten und ihre Reaktion auf den Impfstoff.

Darüber hinaus bereiten die Meldungen über den AstraZeneca-Impfstoff Sorgen.

Selbst wenn die Europäische Arzneimittelbehörde – die EMA – die Zulassung von AstraZeneca nicht zurücknehmen sollte – wovon ich zum jetzigen Zeitpunkt ausgehe, so hat dieser gute Impfstoff eine irreparable Rufschädigung erlitten.

Verantwortlich hierfür sind die wiederholten Alleingänge und Schnellschüsse europäischer Staaten.

Aber dazu später mehr.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen wäre es im höchsten Maße unseriös, konkrete Daten zu nennen.

Die offizielle Impfstrategie sah vor, dass man im Sommer mit der Phase 2 starten würde.

Ich habe bereits im Januar angesichts der volatilen Impfstofflieferungen mitgeteilt, dass Belgien und somit auch Ostbelgien mindestens bis September brauchen könnte, um jedem Bürger ein Impfstoffangebot machen zu können und es nicht auszuschließen ist, dass dies bis zum Jahresende dauern könnte. Diese Aussage habe ich bereits zum Start der Impfkampagne am 5. Januar gemacht.

Sollte allerdings Planungssicherheit ohne Unterbrechung der Lieferketten herrschen und sollten die versprochenen Dosen geliefert werden und nicht weniger als das, dann wäre der Spätsommer durchaus denkbar.

Ich betone aber diesbezüglich, dass das nicht bedeutet, dass 70% der Menschen bis dahin geimpft sein werden. Schließlich kann man mit dem Impfstoffangebot eben „nur“ ein Angebot machen.

Ohne die Annahme des Angebots von 70% der Bevölkerung werden wir eben keine 70% Durchimpfungsrate haben.

Aus diesem Grund dürfte also verständlich sein, dass ich auf einige Fragen keine verlässliche Antwort geben kann.

Auf andere Fragen wiederum habe ich bereits mindestens einmal eine Antwort gegeben.

So habe ich auf die Fragen 1, 2, 9 und 10 des Kollegen Mertes zum Teil bereits in der Antwort auf die mündlichen Fragen Nr. 436 bis 438 geantwortet. Die 7. Frage aus der gleichen Interpellation findet sich in der schriftlichen Frage Nr. 129.

In der Frage Nr. 15 fragen Sie nach meinem Standpunkt zu den Impfungen bei schwangeren Frauen. Den Standpunkt können Sie in der Antwort auf die schriftliche Frage Nr. 145 nachlesen, die Ihre Kollegin Diana Stiel mir vor Kurzem gestellt hat. Die Antwort wird Freitag vorliegen.

Wenn Sie die Fragen der anderen Fraktionen und die Antworten der Regierung nicht verfolgen, ist das das Eine, aber ich hoffe, dass es möglich ist, wenigstens innerhalb der VIVANT-Fraktion die eigenen Fragen und Antworten zu besprechen.

Wenn nach Studien gefragt wird, dann weise ich Herrn Mertes auf die Forschungsstudien hin, die durch die EMA zur Zulassung der Impfstoffe geprüft wurden.

Darüber hinaus gibt es eine interessante Sammlung von Untersuchungen, die man auf der Website der EMA und der Website von Sciensano finden kann.

Ich werde diese nicht hier auflisten, aber in der Fußnote dieser Antwort werden Sie die Links finden[1].

Links zu der Zusammenstellung des Hohen Rates für Gesundheit werde ich Ihnen nicht raussuchen. Die Zusammenstellung und Arbeitsweise finden Sie auf dem Portal des Gesundheitsministeriums, der Corona-Website und selbst auf der französischsprachigen Version von Wikipedia.

Herr Mertes, reden wir Klartext: Sie und Ihre Fraktion sprechen sich gegen Impfungen aus. Sie sagen, Sie wären kritisch. Das klingt vornehmer, aber in Wirklichkeit sind Sie dagegen. Sie schüren mit Ihren Aussagen Ängste und das ist nicht das erste Mal. Das hat nichts damit zu tun, wie schnell diese Impfstoffe produziert wurden. Bereits in der Vergangenheit haben Sie alle möglichen Impfstoffe kritisiert.

Natürlich haben Impfungen Nebenwirkungen. Genauso wie jedes andere Medikament. Schauen Sie sich mal die Beipackzettel von rezeptfreien Medikamenten wie Aspirin oder Ibuprofen an. Medikamente, die jeder in seiner Schublade hat und leider oft genug überdosiert, ohne nur einen Gedanken an Nebenwirkungen zu verschwenden, einnimmt. Schauen Sie sich die Nebenwirkungen der Antibabypille an.

Wieso sollte es bei Impfungen anders sein? Mit dieser Illusion lebe ich persönlich nicht.

Aber die mutmaßliche Gefahr, die von der Impfung ausgeht, steht in keinem Verhältnis zu der Gefahr, die vom Virus an erster Stelle für die Gesundheit, aber auch für das Gesundheitswesen, die Gesellschaft und die Wirtschaft insgesamt ausgeht.

Die Impfung war und ist freiwillig. Es obliegt jedem Menschen zu entscheiden, ob er das Angebot annimmt oder nicht. Wichtig ist, dass er korrekt über die Nebenwirkungen aufgeklärt wird.

Im Übrigen heißen Langzeitfolgen nicht Langzeitfolgen, weil sie lange Zeit nach der Impfung auftreten können, sondern weil die Folgen noch lange nach der Impfung anhalten können. Der absolute Großteil aller Nebenwirkungen tritt wenige Tage und Wochen nach der Impfung auf.

Wenn eine Nebenwirkung während der Studie nicht entdeckt wurde, dann lag es nicht daran, dass die Dauer der Studie zu kurz war, sondern, dass die Nebenwirkung so selten auftritt, dass sie bei der begrenzten Anzahl Studienteilnehmer nicht aufgetreten ist.

Begrenzt ist an der Stelle relativ. An der Pfizer-Studie haben immerhin rund 43.000 Menschen teilgenommen. Bei Moderna waren es 30.000 Personen.

Nach zwei Tagen wird der Impfstoff komplett abgebaut. Da bleibt nichts übrig, was Jahre später noch Schäden verursachen könnte.

Die erste Person, die bei auftretenden Nebenwirkungen zu kontaktieren ist, ist der Hausarzt. Dieser kann die Nebenwirkungen auf der Website der AFMPS einspeisen. Dies kann eine Privatperson auch selbst tätigen. Ich habe bereits um Übersetzung der Website gebeten. Die Daten werden von den föderalen Behörden und der EMA ausgewertet. Am Beispiel des Impfstoffes AstraZeneca haben Sie den Beweis, dass das System funktioniert.

Dann fragen Sie, ob ich für einen Impfausweis bin oder nicht. Es gibt seit Jahren einen Impfausweis und das hat Sie auch nicht interessiert. Die Frage ist, ob eine nicht angenommene Impfung die Teilnahme am öffentlichen Leben einschränken soll oder nicht. Ich habe mehrfach mitgeteilt, dass ich dieses Konzept nicht teile. Wer keine Impfung hat, kann jetzt schon einen negativen Test vorweisen, um reisen zu dürfen.

Diese Diskussion führt also ebenfalls ins Nichts. Wir haben alle Themen, die Sie ansprechen bereits vielfach geführt.

Ich akzeptiere, dass Sie eine andere Meinung haben. Ob sie faktenbasiert ist oder nicht, ist eine andere Sache.

Das Schlimme daran ist, dass Sie keine Alternativen zu Impfungen nennen können. Ich habe bereits benannt, welche Alternativen es gibt – Sie nicht.

Sie wollen, dass man alle Maßnahmen aufhebt und gezielt die Menschen schützt.

Damit besetzt Vivant aber nur Allgemeinplätze. Denn selbst in den Wohn- und Pflegezentren, wo man gezielt die Senioren geschützt hat, hat Ihre Fraktion sogar das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes kritisiert.

Wenn nichts mehr geht, dann wird kritisiert, dass nicht ausreichend an Medikamenten gearbeitet wird. Wieso soll man zulassen, dass Menschen schwer erkranken und medikamentös behandelt werden müssen, wenn wir gleichzeitig mit einer Impfung die Erkrankung vermeiden können?

Abgesehen davon, dass auch an Medikamenten geforscht wurde und Zulassungen erfolgt bzw. noch erfolgen sollen.

Sie haben eine bequeme Situation. Sie brauchen keine Entscheidungen zu treffen. Und angesichts einiger Ansichten Ihrer Fraktion ist das auch gut so.

Im Gegensatz zu Ihnen habe ich diese bequeme Situation nicht. Aber auch das ist gut so. Ich bin nämlich dafür da, um Entscheidungen zu treffen. Ich bin gewählt worden, um Verantwortung zu übernehmen und ich glaube, dass ich vielfach bewiesen habe, dass ich auch unangenehme Entscheidungen treffen kann, wenn ich diese für richtig halte.

Dies als Antwort auf die soeben genannten Fragen.

Auch auf die dritte Frage von Frau Houben nach den Prioritäten der Impfkampagne habe ich bereits in der Presse und auch hier im Parlament mehrfach geantwortet. Im Parlament war das konkret in der Antwort auf die Frage Nr. 539 bis 542.

Da allerdings geringfügige Anpassungen im Verlauf der Kampagne erfolgen, werde ich kurz wiederholen, was bei der Pressekonferenz anlässlich des „Dry Runs“ in St. Vith letzten Samstag kommuniziert wurde.

Erlauben Sie mir zunächst ein paar Angaben zum Stand der Impfkampagne in Ostbelgien zu machen.

Wenn ich die Impfzahlen des gestrigen und heutigen Impftages berücksichtige, dann haben wir rund 5.000 Menschen mindestens einmal geimpft.

Von den 5.000 Menschen tauchen über 700 Personen nicht in der offiziellen Statistik der DG auf. Diese Menschen wohnen nicht in der DG, aber sie arbeiten in unseren Krankenhäusern oder den Einrichtungen für Senioren bzw. für Menschen mit Beeinträchtigung. Das liegt daran, dass die offiziellen Statistiken lediglich den Wohnort berücksichtigen.

Für die Phase 1b schicken wir, ausgehend von den verfügbaren Impfdosen, Einladungen raus. Es werden nicht alle Menschen über 65 Jahre auf einmal eingeladen. Die Einladungen werden mindestens per Post geschickt. Liegen Angaben zu der Handynummer oder der E-Mail-Adresse vor, erfolgt ebenfalls eine Einladung über diesen Weg.

Das scheint noch immer schwer verständlich zu sein, aber eine uneingeschränkte Einladung all dieser Menschen ist nicht möglich. Würden wir sie einladen, dann würden sie Termine buchen und am Tag der Impfung keine Impfung erhalten.

Für ganz Belgien wurde festgehalten, dass zunächst die Ü70 eingeladen werden. Dabei wird absteigend vom Ältesten zum Jüngsten eingeladen.

Wieso die Kollegen in anderen Teilstaaten unterschiedlich kommunizieren, möchte ich nicht kommentieren.

Ich weise daraufhin, dass das Einladungssystem in Belgien nach diesem Prinzip tröpfchenweise, gemäß des Alters, das Publikum 70+ in abnehmender Altersreihenfolge einlädt.

Für Ostbelgien kann ich Ihnen das noch genauer erklären:

Es wurden noch 1400 Gesundheitsdienstleister eingeladen, die im System als noch nicht eingeladen vermerkt waren. Das liegt daran, dass wir viel schneller in der Phase 1a die Gesundheitsdienstleister zur Impfung eingeladen hatten. Damals gab es noch nicht das einheitliche System. Eingeladen hatten wir deshalb schriftlich, falls uns die Adressen der Gesundheitsdienstleister bekannt waren oder mittels eines Aufrufs in den Print- und Onlinemedien. Um als Gesundheitsdienstleister geimpft zu werden, reicht es, in Ostbelgien zu arbeiten und diesen Titel zu tragen oder aber früher einmal in diesem Bereich gearbeitet zu haben. Auch verrentete Gesundheitsdienstleister oder welche, die zum Beispiel im Unterrichtswesen arbeiten oder selbst am Schreibtisch eines Unternehmens konnten sich impfen lassen.

Die Mitarbeiter der Verwaltung haben in dieser Phase die Listen der Geimpften, welche die beiden Krankenhäuser übermittelten in das System Vaccinet eingetragen. Weil dieser Vorgang manuell erfolgte und somit sehr aufwendig war, gab es eine Reihe Gesundheitsdienstleister, die deshalb ein zweites Mal eingeladen wurden. Dafür musste eine Liste zu spät ans Ministerium übermittelt werden und schon war es passiert. Herr Velz hatte die Frage gestellt, wobei ich darauf hinweisen möchte, dass die Person aus dem Unterrichtswesen nur geimpft wurde, weil sie eine Gesundheitsdienstleisterin war.

Stichwort manuelle Phase! Frau Houben fragt, wieso man in der DG einen Nachweis für das Beratungsgespräch mit dem Arzt nötig hatte.

Da der Hausarzt zum damaligen Zeitpunkt der Kampagne die Impfung nicht selbst durchführte bzw. nicht bei der Impfung anwesend war, belegte der Papierbogen, dass die Person über ihre Rechte, ihre Gesundheitsverfassung und die Nebenwirkungen informiert wurde. Dies geschah auf Wunsch der Koordinationsärzte der Wohn- und Pflegezentren und der Krankenhausverantwortlichen. Ich halte dies für richtig, da die Pflicht es verlangt, ausreichend zu informieren und aufzuklären.

Dieser Vorgang hat sich jetzt, mit den Impfzentren geändert. Vor Ort sind Ärzte, vor der Impfung für Fragen zur Verfügung stehen.

Von den 1400 Gesundheitsdienstleistern, die noch im System waren, haben, Stand heute, 500 einen Termin gebucht.

Darüber hinaus haben wir ungefähr bereits über 4000 Senioren eine Einladung geschickt. Diese Einladung – in deutscher und französischer Sprache – ist bereits eingetroffen oder wird mit der Post eintreffen. 1600 haben bereits ihren Termin gebucht. Ich bitte noch mal darum, dass die Termine zügig gebucht werden.

Im Norden der DG bearbeiten wir aktuell die Tranche der 84 bis 80-jährigen.

Im Süden sind wir schon bei der Tranche 79 bis 75 Jahre angekommen. Das bedeutet, dass wir in der Eifel aktuell beim Versand der Einladungen weiter sind als im Norden.

Ich erinnere nochmal daran, dass wir, ausgehend von den verfügbaren Impfdosen, die Menschen in abnehmender Altersreihenfolge einladen.

Ist dieser Abschnitt der Phase 1b beendet, werden die 69- bis 65-jährigen eingeladen. Im April folgen die Menschen mit chronischer Erkrankung – wahrscheinlich ebenfalls in abnehmender Altersreihenfolge.

Das Alter ist das wichtigste Kriterium für die Risikobewertung.

Danach folgt das Alter in Kombination mit den vom Hohen Rat für Gesundheit festgelegten Krankheiten.

Was die essenziellen Berufe angeht, so hat sich die Interministerielle Konferenz Gesundheit vorerst auf die Polizei und das Militär einigen können. Ich hatte mich noch für die Feuerwehr ausgesprochen. Allerdings war man aufgrund der begrenzt verfügbaren Impfdosen bereit nur die Berufsfeuerwehr zu impfen. Die freiwillige Feuerwehr wäre rausgefallen. Das habe ich nicht unterstützen können, weil es in meinen Augen keine Rolle spielt, ob man freiwillig oder hauptberuflich bei der Feuerwehr beschäftigt ist. Die Gefahr bleibt identisch. Aus diesem Grund wurde die Feuerwehr leider nicht mehr berücksichtigt.

Die Polizei in Ostbelgien wird diese Woche geimpft. Im Norden fand gestern ein erster Termin statt, wo 55 Mitarbeiter der Polizei geimpft wurden. Weitere folgen.

Wie sieht es aus mit anderen essenziellen Funktionen oder Berufe?

Das ist eine sehr gute Frage.

Mit der Bezeichnung allein habe ich ein Problem. Wer ist im Stande zu definieren, was essenziell ist und was nicht?

Bei der Polizei, dem Rettungsdienst und den anderen Gesundheitsdienstleistern oder der Feuerwehr ist es meines Erachtens noch einfach. Es geht darum, die öffentliche Ordnung und Sicherheit der Menschen aufrechtzuerhalten.

Aber darüber hinaus?

Welche Berufsgruppe ist nicht essenziell für das Funktionieren einer Gesellschaft?

Eine sehr schwierige Frage.

Einfacher wäre es zu sagen, wer geimpft werden sollte, weil er eine größere Gefahr für Risikogruppen stellt.

Aus diesem Grund ist zu rechtfertigen, dass das Personal in den Wohn- und Pflegezentren und den Behinderteneinrichtungen schon geimpft wurde.

Aus diesem Grund wäre es auch zu rechtfertigen, wenn Sozialarbeiter und andere Berufsgruppen, darunter auch Ehrenamtliche, die mit Senioren und Menschen mit Beeinträchtigung nicht nur arbeiten, sondern engen, physischen Kontakt haben, früher geimpft werden sollten.

Die Ehrenamtlichen einiger Organisationen, darunter die des Josephine Koch Service, der Stundenblume und der Krebshilfe für den Süden haben wir bereits geimpft. Das ist eine überschaubare Zahl an Menschen.

Die Sozialarbeiter von einigen Einrichtungen und die Arzthelfer, die keine Gesundheitsdienstleister sind, werden wir nach und nach über eine Last-Minute-Liste für übrig gebliebene Dosen am Tag der Impfung impfen können, insofern sie flexibel sind. Ich kann aber bereits ankündigen, dass es künftig ein landesweites Pre-Booking-System geben wird. Daran wird aktuell gearbeitet.

Aber darüber hinaus wird es schwierig sein, dass die Gemeinschaft bestimmte Zielgruppen vorzieht, ohne dass darüber eine Einigung auf Ebene der Interministeriellen Konferenz Gesundheit stattfindet.

Und für diese Einigung braucht es zwei Dinge: Die Eingrenzung der Berufe und Funktionen sowie ausreichend Impfdosen.

Ich selbst habe mich in der Sitzung der Gesundheitsminister vom 3. Februar 2021 dafür ausgesprochen, dass die Tagesmütter, die Kinderbetreuer und die Lehrer geimpft werden könnten, wenn wir die Phase 1B abgeschlossen haben und insofern Impfstofflieferungen ankommen.

Das bedeutet, nachdem wir die ältere Bevölkerung und die chronisch erkrankten Menschen geimpft haben.

Ich habe aber gleichzeitig selbst davor gewarnt, dass man in dieser Diskussion die Büchse der Pandora öffnen würde.

Gerade aufgrund vieler Unsicherheiten und Unbekannten in dieser Angelegenheit gibt es bis heute keine Liste von Berufen oder Funktionen, die neben den bereits bekannten, geimpft werden könnten.

Selbst für die Gruppe der Lehrer, Kinderbetreuer und Tagesmütter gibt es viele Fragen, die zu klären wären.

Sollen nur Lehrer geimpft werden oder alle Berufstätige in den Schulen? Nur die Kinderbetreuer oder auch die Sozialarbeiter? Wie kann das zentrale Einladungssystem diese Zielgruppen identifizieren, um sie zu priorisieren? Sollen sie in den Impfzentren geimpft werden oder am Arbeitsplatz? Wer soll dies vornehmen? Eine Reihe von Fragen, die zum gegebenen Zeitpunkt von den Regierungen des Landes beantwortet werden müssten.

Wenn man mich fragt, wie die Diskussion im Hinblick auf die Priorisierung von Berufsgruppen in Ostbelgien aussieht, so kann ich antworten, dass es zwei Sorten von Diskussion gibt.

Es gibt Leute, die darüber diskutieren, dass sie nicht geimpft werden wollen – obschon die Impfung freiwillig ist.

Und es gibt eine andere Gruppe, und das ist die überwältigende Mehrheit, die es kaum abwarten kann, geimpft zu werden. Und wenn sie der Meinung sind, dass sie früher geimpft werden sollen, dann aus unterschiedlichen Gründen:

Sie nennen ihren Beruf, unabhängig davon, ob sie mit Senioren oder mit Kindern arbeiten, ob sie an der Kasse eines Supermarkts oder in einem Bekleidungsgeschäft tätig sind, ob sie bei der Steuerfahndung arbeiten oder ein öffentliches Verkehrsmittel steuern.

Andere wiederum nennen ihr Alter oder eine bestimmte Vorerkrankung, die sie oder jemand in ihrer Familie hat. Sie sind pflegende Angehörige oder Nachbarn. Sie werden in Kürze operiert oder treten eine wichtige Reise an.

Und sie allen haben recht! Wäre der Impfstoff aktuell nicht knapp, gäbe es diese Diskussion nicht.

Ich möchte kurz beim Thema der Impfstoffknappheit verbleiben. Frau Houben fragt, ob die DG weiterhin bei jeder Erstimpfung die zweite Dosis reserviert.

Anhand eines Beispiels möchte ich Ihnen erklären, wieso wir dies bei Pfizer/Biontech  noch tun.

Die letzte Lieferung kam in der Woche vom 22. Februar an. Die nächste Lieferung kommt in der Woche vom 22. März an. Genaue Daten sind selten frühzeitig bekannt. Die jeweilige Lieferung umfasst ein Tray. Um es nicht kompliziert zu machen, runde ich auf 1000 Dosen ab. Mit diesen können wir 500 Menschen impfen.

Da die Lieferung theoretisch auch am 28. März kommen könnte – vielleicht aber auch gar nicht – kann man festhalten, dass zwischen der ersten und der zweiten Lieferung mehr als 30 Tage liegen.

Die zweite Dosis müsste laut Hersteller innerhalb von 21 Tagen verabreicht werden.

Wenn ich die zweite Dosis nicht mit der ersten Dosis reserviere, dann werden wir keine zweite Dosis rechtzeitig verabreichen können.

Demnächst werden es 35 Tage sein, weil die EMA dies genehmigt hat. Aber auch dann steht das System auf wackligen Füßen! Deshalb reservieren wir bei diesem Impfstoff weiterhin die zweite Dosis.

Bei AstraZeneca sieht es anders aus. Zwischen der ersten und zweiten Dosis liegen drei Monate. Hier haben wir in Ostbelgien die Strategie angepasst. Das bedeutet, dass, sobald Dosen geliefert werden, diese zu 100% für Erstimpfungen freigegeben und bei späteren Lieferungen die zweite Dosis eingeplant wird.

Die Impfdosen werden anhand der Bevölkerungsgröße der vier Teilstaaten in Belgien aufgeteilt.

Das bedeutet, dass wir das bekommen, was uns zusteht.

Allerdings habe ich mehrfach Frank Vandenbroucke darauf aufmerksam gemacht, dass aufgrund unserer Bevölkerungsgröße negative Effekte entstehen. Einen dieser Effekte habe ich Ihnen mit den zwei Lieferterminen aufgezeigt.

Auch wenn die Aufteilung gerecht zugeht, wäre es von Interesse für die Impfkampagne, wenn Ostbelgien mehr Impfdosen erhalten würde.

Dies wurde erstmals in der vorletzten Sitzung der Gesundheitsminister, nach langwierigen Verhandlungen, festgehalten.

Damit haben wir den berühmten Gordischen Knoten gelöst – zumindest in der Theorie.

Denn aktuell wird geprüft, wie eine Aufstockung unserer Kapazitäten stattfinden könnte.

In der heute Sitzung der Gesundheitsminister habe ich darauf hingewiesen, dass die Untersuchung im Inland immer noch nicht abgeschlossen wurde, wodurch man uns noch nicht sagen kann, wann welche Lieferungen zusätzlich kommen sollen.

Dennoch ist es schon mal ein wichtiger Schritt, dass eine Einigung darüber erzielt wurde. Angesichts der überall knapp verfügbaren Vorräte ist das keine Selbstverständlichkeit.

Und gerade die jüngst geäußerten Bedenken zum AstraZeneca-Impfstoff vereinfachen die Diskussion nicht.

Damit komme ich langsam zum Schluss meiner Antwort auf die 35 Fragen, die mir heute gestellt wurden.

Ich möchte mit den jüngsten Ereignissen rund um AstraZeneca abschließen.

Wenn mich etwas an AstraZeneca ärgert, dann ist gewiss nicht die fehlende Wirksamkeit oder Sicherheit des Impfstoffs, sondern die fehlende Planungssicherheit.

Die Liefertermine werden angepasst, wenn sie denn überhaupt bekannt sind und die angemeldeten Mengen werden ebenfalls nicht geliefert.

Der Impfstoff selbst überzeugt mittlerweile mit einer Wirkung von bis zu 94%.

Eine Sache muss ich an dieser Stelle über alle Impfstoffe erneut richtigstellen.

Denn leider wird in der öffentlichen Debatte und Wahrnehmung der Begriff der Wirksamkeit falsch gedeutet.

Ich habe an dieser Stelle schon mal darauf hingewiesen, dass Impfstoffe früher schon mit einer Wirksamkeit von über 50% eine Zulassung erhalten haben und dass bereits mehr als 50% ein sehr guter Wert ist.

50% bedeutet aber nicht – wie vielfach falsch verstanden wird – dass nur die Hälfte der Geimpften geschützt sind und die andere Hälfte nicht.

Die 70%, 90% oder 94% Wirksamkeit bedeutet, dass in einer Gruppe von geimpften Personen bei 70% von ihnen zum Beispiel weniger symptomatische Erkrankungen aufgetreten sind als bei ungeimpften Personen.

Das Risiko symptomatisch zu erkranken sinkt also um 70%. Oder um 90% bzw. 94% abhängig von der festgestellten Wirksamkeit.

Was bedeutet aber symptomatisch erkrankt? Bereits milde Symptome wie Husten wurde in der Studie als symptomatische Erkrankung registriert.

Wenn wir also über die Wirksamkeit sprechen, dann sollte uns der Husten nicht beschäftigen, sondern die Frage, wie viele Menschen wegen der Symptome trotz Impfung ins Krankenhaus verlegt werden mussten oder verstarben.

Nicht eine geimpfte Person aus den Studien der bereits zugelassenen Impfstoffe, sprich Biontech/Pfizer, Moderna oder AstraZeneca musste ins Krankenhaus oder starb wegen einer COVID-19-Infektion.

Also selbst wenn sich jemand trotz der Impfung mit dem Virus infiziert, wird er vielleicht Symptome haben, aber nach aktuellen Erkenntnissen ist er geschützt.

Das gilt auch für die britische Variante. Was andere Varianten angeht, ist die Datenlage immer noch nicht ausreichend genug, um das mit Sicherheit sagen zu können.

Stichwort Varianten. Wenn die Menschen mit einem schwachen Immunsystem nicht geimpft sind und nicht durch andere Maßnahmen geschützt werden, dann geben wir dem Virus die Chance zu mutieren.

Die Stärkung des Immunsystems, die Impfung und der Schutz der immunschwachen Bevölkerung bleiben also wichtige Instrumente bei der Bekämpfung der Entstehung neuer Mutationen.

Der AstraZeneca-Impfstoff ist hinsichtlich der Wirksamkeit keineswegs ein Impfstoff zweiter Klasse.

Das Gleiche gilt für den jüngst zugelassenen Johnson&Johnson-Impfstoff.

Kommen wir aber jetzt zur Sicherheit von AstraZeneca.

Die Meldungen über Thrombose-Fällen überschatteten die Impfkampagne.

Ohne dass eine Verbindung zur Impfung nachgewiesen werden konnte, haben eine Reihe von Staaten die Impfung mit dem Wirkstoff vorläufig eingestellt.

Zunächst muss man festhalten, dass die Schutzmechanismen in Europa funktionieren.

Eine vermeintliche Auffälligkeit wurde gemeldet.

Die EMA überprüft aktuell die Daten.

Die EMA hat selbst am Dienstag kommuniziert, dass die Impfkampagne aufgrund der gering vorhandenen Fälle fortgesetzt werden kann.

Die Experten haben hinzugefügt, dass selbst im Fall einer Verbindung des Impfstoffs zu den Thrombosefällen, das Risiko des Auftretens einer Thrombose um ein Vielfaches geringer ist als das Risiko, das vom Virus, sprich einer Infektion, ausgeht.

Hinzu kommt, dass es erwiesen ist, dass bei einer Corona-Infektion das Risiko einer Thrombose um 10 bis 20% ansteige.

Auch der Belgische Hohe Rat für Gesundheit und selbst die internationale Gesellschaft für Thrombose und Hämostase, sprich die Thrombose-Fachspezialisten, haben dazu aufgerufen, die Impfkampagne fortzusetzen.

Ich erspare Ihnen an dieser Stelle die Vergleiche, die zu dem Risiko einer Thrombose bei der Einnahme der Anti-Babypille gezogen wurden.

Ich erspare Ihnen auch die jährliche Inzidenzrate an Thrombose-Fälle.

Ich glaube, dass selbst wenn die EMA am morgigen Donnerstag zum Schluss kommen sollte, dass eine Verbindung zwischen dem Auftreten der Fälle und dem Impfstoff besteht – und das schließe ich persönlich nicht aus – dann wird es eine Anpassung der Beipackzettel geben.

Ausgehend von den bestehenden Fakten, wird die EMA meiner Meinung nach nicht die Zulassung entziehen.

Nicht weil bei 0,0005% der AstraZeneca-Geimpften ein Thrombosefall auftreten kann.

Es stimmt, dass Belgien, das ist inzwischen bekannt, den AstraZeneca-Impfstoff weiterhin verimpft. Die Gründe habe ich an dieser Stelle angeführt.

Ich gehe nicht davon aus, dass sich das ändern könnte, wenn die EMA nichts Gegenteiliges beschließen sollte.

Wenn ich an der Reihe bin geimpft zu werden, werde ich mich mit AstraZeneca impfen lassen, sollte mir dieser Impfstoff zugewiesen werden.

Ich würde gleich welchen Impfstoff akzeptieren, der weiterhin die Zulassung der EMA trägt.

Das ist meine freie Entscheidung und persönlich sehe ich das als meine Pflicht gegenüber den Menschen, die ich damit schütze.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

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