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Die Besuchsmöglichkeiten in den Wohn- und Pflegezentren


Es gilt das gesprochene Wort!

07.10.2020

349 Frage und Antwort zu den Besuchsmöglichkeiten in den Wohn- und Pflegezentren

Die Art der Übertragung des Virus ist inzwischen bekannt. Die Übertragung erfolgt über die Aufnahme virushaltiger Partikel, die beim Atmen, Husten, Sprechen und Niesen entstehen[1][2]. Inzwischen weiß man, dass, neben der Tröpfcheninfektion, eine Übertragung über Aerosole ebenfalls möglich ist. Bei Letzterem fallen die Partikel nicht sofort auf den Boden. Sie können für längere Zeit in der Luft schweben und beim lauten Sprechen oder gar Singen² leichter im Raum verbreiten[3][4]. Eine Infektion durch kontaminierte Oberflächen ist nicht auszuschließen[5][6][7].

Ist man einmal infiziert, ist das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, für bestimmte Zielgruppen, sehr hoch. Dazu gehören Menschen im höheren Alter mit Pflegebedarf und chronischen Erkrankungen[8][9][10][11][12]. Das Risiko steigt mit dem Alter.

Folglich zielen die Maßnahmen in den Wohn- und Pflegezentren (WPZS) darauf ab, eine Übertragung des Virus auf Bewohner zu vermeiden. Ist das Virus erstmal im Haus, breitet es sich aus. Das haben die Erfahrungen mit früheren Viren und der Ausbruch des Corona-Virus in den WPZS in der ersten Phase gezeigt. Die wissenschaftlichen Belege hierfür finden Sie in den Fußnoten meiner Antwort.

Das rasche Handeln in der ersten Phase hat dazu beitragen, dass ein Flächenbrand in den ostbelgischen WPZS im Vergleich zum Rest des Landes vermieden werden konnte. Zur Erinnerung: Ein beträchtlicher Teil der Verstorbenen waren Bewohner der WPZS.

In den ostbelgischen WPZS haben die Maßnahmen – und dazu gehört auch die Einschränkung der Kontakte – sogar zu einer niedrigeren bzw. vergleichbaren Sterblichkeit geführt als in den vergangenen Jahren, wodurch nicht behauptet werden kann, dass die Bewohner zwar nicht an Corona, aber an andere Dinge gestorben wären, wie Einsamkeit. Das belegen die Zahlen, die dem Parlament vorliegen.

Da die Deutschsprachige Gemeinschaft den Ankauf und die Verteilung von Schutzmaterial selbst vorgenommen hat, verfügen die Einrichtungen inzwischen nicht nur über ausreichend Material für die Mitarbeiter, sondern auch für die Besucher. Aus diesem Grund sind, seit geraumer Zeit, wieder physische Kontakte erlaubt. Außerdem ist es für die Bewohner eines Wohn- und Pflegezentrums möglich das WPZS zu verlassen, um jemand außerhalb der Einrichtung zu treffen. Diese Form der Kontakte erhöhen das Risiko einer Infektion des Bewohners und somit auch das der anderen Bewohner, dennoch sind die WPZS darum bemüht, den Bewohnern so viel Normalität wie möglich zu ermöglichen.

Beschwerden von Bewohnern oder Angehörigen liegen dem Ministerium nicht vor. Es gab in der ersten Phase der Pandemie verständlicherweise vereinzelt Beschwerden über die fehlende Möglichkeit, die Angehörigen vor Ort zu besuchen oder, in Einzelfällen, Abschied zu nehmen. Darüber habe ich im Parlament berichtet.

Auf Nachfrage wurde seitens der WPZS mitgeteilt, dass es vereinzelte Rückfragen oder Beschwerden von Angehörigen oder Bewohnern gab, die in den meisten Fällen im Konsens gelöst wurden. Ich bin davon überzeugt, dass die WPZS sich bemühen, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Momentan ist die Regelung so wenig einschränkend, dass es keine Diskussionen mehr gibt.

Viele Angehörige haben Verständnis für die Regeln und wissen, dass man es nicht allen zu 100% recht machen kann.

[1] Haslbeck K, Schwarz K, Hohlfeld J, Seume J, Koch W. Submicron droplet formation in the human lung. Journal of aerosol science. 2010;41:429-38. [2] Ji Y, Qian H, Ye J, Zheng X. The impact of ambient humidity on the evaporation and dispersion of exhaled breathing droplets: A numerical investigation. Journal of aerosol science. 2018;115:164-72. [3] Anfinrud P, Stadnytskyi V, Bax CE, Bax A. Visualizing Speech-Generated Oral Fluid Droplets with Laser Light Scattering. The New England journal of medicine. 2020. [4] van Doremalen N, Bushmaker T, Morris DH, Holbrook MG, Gamble A, Williamson BN, et al. Aerosol and Surface Stability of SARS-CoV-2 as Compared with SARS-CoV-1. The New England journal of medicine. 2020. [5] European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Factsheet for health professionals on Coronaviruses European Centre for Disease Prevention and Control; 2020 [Available from: https://www.ecdc.europa.eu/en/factsheet-health-professionals-coronaviruses. [6] van Doremalen N, Bushmaker T, Morris DH, Holbrook MG, Gamble A, Williamson BN, et al. Aerosol and Surface Stability of SARS-CoV-2 as Compared with SARS-CoV-1. The New England journal of medicine. 2020. [7] Liu Y, Li T, Deng Y, Liu S, Zhang D, Li H, et al. Stability of SARS-CoV-2 on environmental surfaces and in human excreta. medRxiv. 2020. [8] Huang C, Wang Y, Li X, Ren L, Zhao J, Hu Y, et al. Clinical features of patients infected with 2019 novel coronavirus in Wuhan, China. Lancet (London, England). 2020. [9] Cummings MJ, Baldwin MR, Abrams D, Jacobson SD, Meyer BJ, Balough EM, et al. Epidemiology, clinical course, and outcomes of critically ill adults with COVID-19 in New York City: a prospective cohort study. Lancet (London, England). 2020. [10] Karagiannidis C, Mostert C, Hentschker C, Voshaar T, Malzahn J, Schillinger G, et al. Case characteristics, resource use, and outcomes of 10 021 patients with COVID-19 admitted to 920 German hospitals: an observational study. The Lancet Respiratory Medicine. 2020. [11] Williamson EJ, Walker AJ, Bhaskaran K, Bacon S, Bates C, Morton CE, et al. OpenSAFELY: factors associated with COVID-19 death in 17 million patients. Nature. 2020. [12] Nguyen LH, Drew DA, Graham MS, Joshi AD, Guo C-G, Ma W, et al. Risk of COVID-19 among front-line health-care workers and the general community: a prospective cohort study. The Lancet Public Health.

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