Reden / Reden & Parlament

Neujahrsempfang der Klinik St. Josef


Es gilt das gesprochene Wort!

24.01.2020

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ein neues Jahr hat begonnen und wieder einmal stehe ich, anlässlich des Neujahrsempfangs dieses Krankenhauses, vor Ihnen.

2019 ist viel passiert und auch für das Jahr 2020 können wir ganz bestimmt mit einigen herausfordernden Ereignissen rechnen.

Ich hoffe, Sie alle haben über die Feiertage zur Ruhe kommen und neue Kräfte für das Jahr 2020 sammeln können! In jedem Fall möchte ich Ihnen ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr wünschen!

Viele unter uns starten meist mit neuen und guten Vorsätzen in ein Jahr, dabei besagt ein altes Sprichwort:

„beginne nicht mit einem großen Vorsatz, sondern mit einer kleinen Tat“

Unser ganzes Leben besteht aus kleinen Taten. Kleine Taten, die ein großes Ganzes bilden. Auch ein Krankenhaus, wie die Klinik St. Josef, funktioniert nur durch die Taten seiner Mitarbeiter. Es funktioniert nur, wenn jeder seinen eigenen Beitrag leistet, wenn jeder sich bei dem, was er tut, wohlfühlt und wenn jeder mit Herzblut bei der Sache ist. Von den Reinigungskräften bis hin zur Verwaltung und Direktion, jede Person und dessen Taten zählen und sollten mit Respekt behandelt und gewürdigt werden.

Verehrte Anwesende,

in den vergangenen Jahren habe ich auf viele Metaphern und Bilder zurückgegriffen, um die turbulente Situation des Krankenhaussektors zu beschreiben. Vor drei Jahren sprach ich beispielsweise davon, dass sich ein Sturm zusammenbraut, gegen den es sich zu wappnen gilt. Ich sprach davon, dass wir zusammen in einem Boot sitzen und gemeinsam einen Kurs bestimmen müssen.

Vor zwei Jahren habe ich das Bild eines Marathons verwendet, bei dem die beiden Krankenhäuser in Sankt Vith und Eupen ein gutes Rennen abliefern müssen und nur durch eine gemeinsame Kooperation ans Ziel kommen können.

Vergangenes Jahr habe ich exemplarisch die Metapher eines Gartens herangezogen, in dem die beiden ostbelgischen Krankenhäuser das Zentrum, die Verwaltungsräte und die Gemeinden Gärtner und jeder Mitarbeiter eine fleißige Biene ist, die den Garten am Leben erhalten.

Man könnte denken, dass der Sturm inzwischen abgeklungen sei, der Marathon geschafft oder der Gärten in voller Blüte stünde. Man könnte sagen, dass jetzt, wo die Beteiligung am Krankenhausnetzwerk mit dem Sankt Nikolaus Hospital und dem CHC und dessen Inbetriebnahme über die Bühne gegangen sind, man endlich wieder durchatmen und zur Ruhe kommen könnte.

Dass es dennoch weiterhin etwas zu tun gilt, dass wissen Sie, liebe Anwesende, genauso gut wie ich. Denn es gehört noch mehr dazu. Aus diesem Grund möchte ich dieses Jahr Klartext reden und nicht zu sehr auf Metaphern zurückgreifen.

Noch immer befindet sich die Krankenhauslandschaft in einem Umbruch, nicht nur in Ostbelgien, sondern über die innerbelgischen Landesgrenzen und weit darüber hinaus.

Die großen Veränderungen der letzten Jahre haben dazu geführt, dass der gesamte Krankenhaussektor so eng geschnürt wurde, dass es kaum noch Bewegungsspielraum gibt. Hiermit meine ich die Netzwerkbildung, die Veränderung der Finanzierung hin zu einem Pauschalsystem und die allein in Belgien realisierte 6. Staatsreform.

Die Lebenserwartungen und das Gesundheitsbewusstsein der Menschen steigen ständig. Durch den demografischen Wandel werden Menschen immer älter, chronische Erkrankungen wie Alzheimer und andere Mehrfacherkrankungen nehmen zu und auch die Pflegebedürftigkeit wächst.

Europaweit können wir eine besorgniserregende Tendenz beobachten: Kleinere Kliniken erliegen dem immer stärker werdenden finanziellen und politischen Druck. Dienste und ganze Krankenhäuser schließen. Das ist leider vor allem in ländlichen Regionen wie der unseren der Fall. Und doch, gerade in gesundheitlichen Notlagen, ist es für Patienten und deren Angehörigen wichtig, möglichst schnell und wohnortsnah behandelt und versorgt werden zu können.

Ich möchte nicht den Teufel an die Wand malen, aber dieses Schicksal könnte irgendwann auch den beiden ostbelgischen Kliniken drohen. Das wissen wir nicht erst seit letzter Woche, als die Presse und andere Medienkanäle des Landes die Studie des KCE aufgegriffen haben. Der Soir titelte beispielsweise: „Une maternité sur cinq va bientôt disparaître“ Das GrenzEcho widmete dem Thema auf Seite 2 einen großen Artikel: „Expertisezentrum empfiehlt Schließung von 17 kleinen Wochenstationen, darunter Eupen – Belgien hat zu viele Entbindungsstationen“. Solche Schlagzeilen machen natürlich bewusst, dass es um die Zukunft der klinischen Gesundheitsversorgung nicht rosig bestellt ist.

Auch wenn es dieses Mal um das Sankt Nikolaus Hospital in Eupen ging, so kann es sich beim nächsten Bericht vielleicht doch einmal auch um unsere Klinik hier in St.Vith handeln. Wir müssen alles dafür tun, dass der soziokulturellen Situation in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ebenfalls Rechnung getragen wird. Wir werden in dieser Angelegenheit beim Föderalstaat für den Respekt der deutschen Sprache in Belgien und die Interessen der werdenden Mütter kämpfen! Allerdings müssen auch unsere beiden deutschsprachigen Krankenhäuser aktiv werden und im Rahmen der eng gestrickten Möglichkeiten nach Lösungen suchen, die zum Erhalt der beiden Standorte führen!

Denn wenn wir nicht handeln, so werden sie der stürmischen See zum Opfer fallen. Das müssen wir mit aller Macht verhindern!

Beide Häuser sind für die ostbelgische Bevölkerung standortrelevant und überlebenswichtig.

Einzig und allein dieser Autonomie haben wir es zu verdanken, dass wir heute überhaupt noch zwei Krankenhäuser in unserer Region zählen können. Der Verlust eines dieser Standorte wäre ein Verlust an Autonomie aber auch ein Verlust an Sicherheit und sicherlich ein Verlust an Lebensqualität für unsere Bevölkerung.

Doch was muss getan werden? Und wie?

„Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen“.

Dieser Satz stammt nicht etwa von mir, sondern von Aristoteles. Doch er passt zur derzeitigen Situation wie die Faust aufs Auge. Er bietet eine Lösung, ein Vorankommen, wie die Kliniken sich wappnen und manifestieren können.

Die beiden Krankenhäuser müssen ihre Zusammenarbeit weiter intensivieren, sie müssen aufhören, einander als Konkurrenz zu betrachten und gemeinsam einen Kurs bestimmen! Nur gemeinsam und wenn sie sich zuvor absprechen, können sie es schaffen, sich als Zweimaster im CHC-Netzwerk zu behaupten, um die Verhandlungen zur Definition des Gesundheitsangebots in Sinne ihrer deutschsprachigen Patienten zu führen. Denn bei all dem darf eines nicht vergessen werden: Der Patient steht im Mittelpunkt und es geht um die Erhaltung des Gesundheitsangebots und der beiden Standorte im Süden und im Norden!

Ich kann die Situation auch anders beschreiben: Momentan stecken beiden Häuser mit zwei Köpfen in einem Hemd, das zu reißen droht, weil jeder Kopf in eine andere Richtung möchte. Zwangsläufig wird eines der beiden Krankenhäuser verlieren, wenn sich die Köpfe nicht darauf einigen können, in dieselbe Richtung zu gehen.

Doch wie? Wie soll das vonstattengehen?

Ein erster kleiner Schritt ist bereits getan. Unsere beiden Krankenhäuser haben mit Hilfe der Regierung einen guten und sicherlich zuverlässigen Netzwerk-Partner, dem CHC, gefunden.

Außerdem wurde die AG Klinik eingesetzt, mit dem Ziel die Strategie zur Aufrechterhaltung der beiden Standorte, der Angebote und der Arbeitsplätze zu erarbeiten. Als Basis dienen Analysen eines externen Studienbüros und einer spezialisierten Kanzlei. Binnen zwei Monaten soll die Arbeitsgruppe nun einen Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise ausarbeiten. Die Gesetzgebung weist mehrere mögliche Wege der Zusammenarbeit auf und wir dürfen gespannt sein, wie sie die Segel hissen und welchen Kurs sie einschlagen werden.

Das Ziel ist wichtig und der Weg dorthin kann vorbereitet werden. Keines der beiden Häuser kann die Reise alleine bestreiten. Die Klinik St. Josef muss sich darin wiederfinden können. Die DG Regierung ist bereit, diese Zusammenarbeit, die bis zur Fusion gehen kann, zu unterstützen. Eines muss jedoch klar sein:

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

jedwede Verhandlung, die wir als Regierung beeinflussen können, soll unter der Prämisse geführt werden, dass die beiden Krankenhausstandorte nicht in Konkurrenz zueinanderstehen werden. Weder die Eifler sollen zulasten des Nordens, noch der Norden zulasten der Eifel versorgt werden. Das Pflegepersonal muss natürlich nicht mobil werden und Pflegekräfte aus Sankt Vith werden auch nicht nach Eupen arbeiten gehen müssen. Für beide Kliniken muss es eine Standortgarantie geben. Das möchte ich mit aller Deutlichkeit sagen.

Schon Willy Brandt hat gewusst:

„nur wer verantwortungsbewusst zu verändern versteht, kann bewahren, was sich bewährt hat“.

Die Krankenhauslandschaft in der Deutschsprachigen Gemeinschaft hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten bewährt. Sie hat einen wertvollen Beitrag zur Gesundheitsversorgung der Bürger geleistet. Jedem von uns sollte daran gelegen sein, alles für deren Erhalt zu tun. Ein gemeinsames medizinisches Angebot und die entsprechende Verwaltungsstruktur ist die verantwortungsbewusste Veränderung, die bewahren kann, was sich bewährt hat. Dafür müssen wir es jedoch schaffen, die Segel in den Wind zu drehen. Das geht allerdings nur, wenn auf unserem Zweimaster die Segel in die dieselbe Richtung gehisst werden!

Die Klinik Sankt Josef ist für den Süden der DG nicht nur ein wichtiger Ort der Gesundheitsversorgung, sondern auch ein großer Arbeitgeber. Wenn es dem Sankt Vither Krankenhaus also gut geht, so wirkt sich das sowohl auf die wirtschaftliche als auch auf die gesundheitliche Lage für die Bevölkerung aus.

Deswegen hoffe ich, dass wir den noch langen Weg erfolgreich als Regierung mit Ihnen bestreiten dürfen. Außerdem möchte ich Ihnen für die bereits gemeinsam absolvierte Strecke danken. Die Krankenhäuser sind und bleiben ein wichtiges Standbein der Gesundheitsversorgung.

Zu guter Letzt möchte ich mich aber noch ganz direkt an alle Mitarbeiter des Krankenhauses wenden. An die, die heute Abend trotz der Festlichkeiten in diesem Haus arbeiten. Sei es am Schreibtisch, in der Küche oder beim Patienten!

Aber auch allen anderen Mitarbeitern, die jetzt hier mit mir feiern. Ihnen allen muss ich meinen Dank aussprechen. Ich weiß, dass es zurzeit nicht einfach ist, aber ohne Sie und ihr stetiges Engagement würde gar nichts funktionieren. Sie retten Leben, Tag für Tag. Bitte geben Sie die Hoffnung nie auf und verlieren Sie auch nicht den Mut, denn Sie werden gebraucht.

Vor kurzem sagte mir jemand, dass es nie zu spät sei, Gutes zu tun. Sie alle tun jeden Tag Gutes und Sie sollten niemals damit aufhören!

Ich danke für die Aufmerksamkeit!

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