Reden / Reden & Parlament

Neujahrsempfang des St. Nikolaus Hospital


Es gilt das gesprochene Wort!

17.01.2020

Rede zum Neujahrsempfang des St.Nikolaus Hospital Eupen

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„beginne nicht mit einem großen Vorsatz, sondern mit einer kleinen Tat“, sagt ein altes Sprichwort. Und deshalb beginnen wir heute auch nicht mit großen Projekten und Arbeit, sondern fangen das neue Jahr mit dieser Feier an.

Sinn und Zweck dieser Ansprachen, die mit einer solchen Feier einhergehen, ist es, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und einen Ausblick auf das kommende zu wagen. Und natürlich- nicht zu vergessen, allen Anwesenden und der Belegschaft die besten Wünsche für das neue Jahr auszurichten. Ich hoffe, Sie alle haben über die Feiertage zur Ruhe kommen können und neue Kräfte für das Jahr 2020 sammeln können! In jedem Fall möchte ich Ihnen ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr wünschen!

Verehrte Anwesende,

in den vergangenen Jahren habe ich auf viele Metaphern und Bilder zurückgegriffen, um die turbulente Situation des Krankenhaussektors zu beschreiben. Vor drei Jahren sprach ich beispielsweise davon, dass sich ein Sturm zusammenbraut, gegen den es sich zu wappnen gilt. Ich sprach davon, dass wir zusammen in einem Boot sitzen und gemeinsam einen Kurs bestimmen müssen.

Vor zwei Jahren habe ich das Bild eines Marathons verwendet, bei dem die beiden Krankenhäuser in Eupen und Sankt Vith ein gutes Rennen abliefern müssen und nur durch eine gemeinsame Kooperation ans Ziel kommen können.

Vergangenes Jahr habe ich exemplarisch die Metapher eines Gartens herangezogen, in dem die beiden ostbelgischen Krankenhäuser das Zentrum, die Verwaltungsräte und die Gemeinden Gärtner und jeder Mitarbeiter eine fleißige Biene ist, die den Garten am Leben erhalten.

Man könnte denken, dass der Sturm inzwischen abgeklungen sei, der Marathon geschafft oder der Garten in voller Blüte stünde. Man könnte sagen, dass jetzt, wo die Beteiligung am Krankenhausnetzwerk mit der Klinik Sankt Josef und dem CHC und dessen Inbetriebnahme über die Bühne gegangen sind, man endlich wieder durchatmen und zur Ruhe kommen könnte.

Das Sankt Nikolaus Hospital hat sogar erfolgreich Maßnahmen durchgeführt, um seine aktuelle Finanzlage zu verbessern. Das ist sehr begrüßenswert. An dieser Stelle möchte ich allen Beteiligten, auch den Ärzten herzlich danken. Denn das Sankt Nikolaus Hospital ist im Norden der DG nicht nur ein wichtiger Ort der Gesundheitsversorgung, sondern auch einer der größten Arbeitgeber. Wenn es dem Eupener Krankenhaus besser geht, so verbessert sich sowohl die wirtschaftliche als auch die gesundheitliche Lage für die Bevölkerung.

Außerdem steht auch das Gebäude Z, in dem unter anderem die Rehabilitation, die Geriatrie und hausärztliche Bereitschaftsdienst untergebracht werden sollen, kurz vor seiner Fertigstellung. Bald, im 2. Halbjahr 2020, ist es soweit.

Doch leider ist die See lange nicht so ruhig, wie es den Anschein erweckt.

Die beiden Marathonläufer, Sankt Nikolaus und Sankt Joseph, haben Sparta zwar erreicht, aber die Rückkehr nach Athen noch vor sich. Unsere beiden ostbelgischen Kliniken haben gemeinsam die richtigen Wurzeln geschlagen und sich breit vernetzt. Allerdings müssen wir alle, die wir den Garten pflegen, weiter darauf achten, dass der Boden des Gartens nicht austrocknet und dass es zu einer Symbiose der Flora und Fauna kommt.

Mit dem CHC, davon bin ich überzeugt, haben unsere beiden Krankenhäuser einen guten und zuverlässigen Netzwerk-Partner gefunden. Dennoch müssen sie sich nun wieder einer alten Kernaufgabe widmen: die beiden Standorte im Norden und in der Eifel zu abzusichern und obendrein eine bestmöglichste Gesundheitsversorgung in deutscher Sprache aufrechterhalten.

Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft weiß natürlich, dass das keine einfache Aufgabe ist. Und deswegen bekräftigt sie jedes Jahr aufs Neue, dass sie willens ist, die Krankenhäuser, im Rahmen ihrer Zuständigkeiten, bei dieser Mammutsaufgabe zu unterstützen!

Ich zähle Ihnen gerne ein paar Beispiele auf! Wir haben für die Errichtung der Gebäude Z und Q, Infrastrukturzuschüsse in Höhe von 13 Millionen gewährt. Wir haben den ICT-Masterplan finanziert und uns darum bemüht, ein MRT-Gerät nach Eupen zu holen und anzuerkennen.

Ein weiteres Beispiel ist die Einsetzung der AG Klinik. Diese Arbeitsgruppe haben wir eingesetzt, um Antares mit einer Studie zu beauftragen, welche die Wege der Zusammenarbeit zwischen den beiden Krankenhäusern mit dem Ziel der Aufrechterhaltung der beiden Standorte, der Angebote und der Arbeitsplätze aufzeigen soll.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

stellen Sie sich vor, Sie würden ein eng geschnürtes Korsett tragen. Jeden Tag aufs Neue wird es straffer geschnürt, um Ihre Haltung zu verbessern. Merken Sie zu Beginn vielleicht noch, dass es Ihnen hilft, so spüren Sie, je enger es wird, nur noch das Fischbein, das sich auf Ihren Brustkorb presst. Neben der damit verbundenen Bewegungseinschränkung erschwert der Druck auch das Atmen.

In einer solchen Situation befindet sich der gesamte belgische Krankenhaussektor.

Die großen Veränderungen der letzten Jahre haben dafür gesorgt, dass der gesamte Krankenhaussektor in ein solches Korsett gezwängt wurde, in dem es kaum noch Bewegungsspielraum gibt. Hiermit spiele ich natürlich auf die Netzwerkbildung, die Veränderung der Finanzierung hin zu einem Pauschalsystem und auf die allein in Belgien realisierte 6. Staatsreform an.

Europaweit können wir eine besorgniserregende Tendenz beobachten: Kleinere Kliniken erliegen dem immer stärker werdenden finanziellen und politischen Druck. Ihnen geht zwangsläufig die Luft aus. Dienste und ganze Krankenhäuser schließen. Das ist vor allem in ländlichen Regionen wie der unseren der Fall. Und doch, gerade in gesundheitlichen Notlagen, ist es für Patienten und deren Angehörigen wichtig, möglichst schnell und wohnortsnah behandelt und versorgt werden zu können.

Ich möchte nicht den Teufel an die Wand malen, aber dieses Schicksal könnte irgendwann auch den beiden ostbelgischen Kliniken drohen. Das wissen wir nicht erst seit gestern, als die Presse und andere Medienkanäle des Landes die Studie des KCE aufgegriffen haben. Der Soir titelte beispielsweise: „Une maternité sur cinq va bientôt disparaître“ Das GrenzEcho widmete dem Thema auf Seite 2 einen großen Artikel: „Expertisezentrum empfiehlt Schließung von 17 kleinen Wochenstationen, darunter Eupen –Belgien hat zu viele Entbindungsstationen“. Solche Schlagzeilen machen natürlich bewusst, dass es um die Zukunft der klinischen Gesundheitsversorgung nicht rosig bestellt ist.

Auch wenn der KCE neben der Kosteneffizienz auch die Erreichbarkeit ins Feld führt, müssen wir alles dafür tun, dass der soziokulturellen Situation in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ebenfalls Rechnung getragen wird. Wir werden in dieser Angelegenheit beim Föderalstaat für den Respekt der deutschen Sprache in Belgien und den Interessen der werdenden Mütter kämpfen! Allerdings müssen auch die beiden deutschsprachigen Krankenhäuser aktiv werden und sich im Rahmen der eng gestrickten Möglichkeiten nach Lösungen suchen, die zum Erhalt der beiden Standorte führen!

Das Korsett, das sowohl das SNE als auch die KSJ tragen, lässt nicht viel Spielraum zu. Beide Krankenhäuser sind nur eingeschränkt handlungsfähig, ihre Sauerstoffreserven sind begrenzt und ein starker Wind drückt sie erbarmungslos aufs offene Meer hinaus auf den aufkommenden Sturm zu.

Wenn wir nicht handeln, so werden sie der stürmischen See zum Opfer fallen. Das müssen wir mit aller Macht verhindern!

Doch was muss getan werden? Und wie?

„Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen“. Dieser Satz stammt nicht etwa von mir, sondern von Aristotles. Doch er passt zur derzeitigen Situation wie die Faust aufs Auge. Er bietet eine Lösung, ein Vorankommen, wie die Kliniken sich wappnen und auf stürmischer See behaupten können.

Die beiden Krankenhäuser müssen Ihre Zusammenarbeit weiter intensivieren, sie müssen aufhören, einander als Konkurrenz zu betrachten und gemeinsam einen Kurs bestimmen! Nur gemeinsam und wenn sie sich zuvor absprechen, können sie es schaffen, sich als Zweimaster im CHC-Netzwerk zu behaupten, um die Verhandlungen zur Definition des Gesundheitsangebots in Sinne ihrer deutschsprachigen Patienten zu führen. Denn bei all dem darf eines nicht vergessen werden: Es geht um die Erhaltung des Gesundheitsangebots und der beiden Standorte im Norden und im Süden!

Wenn Sie erlauben, kann ich die Situation auch anders beschreiben: Die beiden Häuser stecken mit zwei Köpfen in einem Hemd, das zu reißen droht, weil jeder Kopf in eine andere Richtung möchte. Zwangsläufig wird eines der beiden Krankenhäuser verlieren, wenn sich die Köpfe nicht darauf einigen können, in dieselbe Richtung zu gehen.

Doch wie? Wie soll das vonstattengehen?

Ich habe eingangs bereits die von mir eingesetzte AG Klinik und die Studie erwähnt, die wir bei Antares in Auftrag gegeben haben. Binnen zwei Monaten soll sie nun einen Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise ausarbeiten. Die Gesetzgebung weist mehrere mögliche Wege der Zusammenarbeit auf und wir dürfen gespannt sein, wie sie die Segel hissen und welchen Kurs sie einschlagen werden.

Das Ziel ist wichtig und der Weg dorthin kann vorbereitet werden, Dem Krankenhaus Eupen scheint das Ziel klar zu sein. Doch die Reise können sie nicht alleine bestreiten. Die Klinik St. Josef muss sich darin wiederfinden können. Die DG Regierung ist bereit, diese Zusammenarbeit, die bis zur Fusion gehen kann, zu unterstützen. Eines muss jedoch klar sein.

Jedwede Verhandlung, die wir als Regierung beeinflussen können, soll unter der Prämisse geführt werden, dass die beiden Krankenhausstandorte nicht in Konkurrenz zueinanderstehen werden. Weder die Eifler sollen zulasten des Nordens, noch der Norden zulasten der Eifel versorgt werden. Auch muss nicht das Pflegepersonal mobil werden und Pflegekräfte aus Eupen in Sankt Vith arbeiten.

Wie Sie sehen, gibt es noch die Möglichkeit, aus dem Sturm heraus zu manövrieren. Wir haben noch Zeit, von Sparta nach Athen zurückzukehren. Wir haben noch genug Wasserreserven, damit unser Garten nicht zur Wüste wird.

Schon Willy Brandt hat gewusst „nur wer verantwortungsbewusst zu verändern versteht, kann bewahren, was sich bewährt hat“. Die Krankenhauslandschaft in der Deutschsprachigen Gemeinschaft hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten bewährt. Sie hat einen wertvollen Beitrag zur Gesundheitsversorgung der Bürger geleistet. Jedem von uns sollte daran gelegen sein, alles für deren Erhalt zu tun. Die Fusion ist die verantwortungsbewusste Veränderung, die bewahren kann, was sich bewährt hat. Dafür müssen wir es jedoch schaffen, die Segel in den Wind zu drehen. Das geht allerdings nur, wenn auf unserem Zweimaster die Segel in die dieselbe Richtung gehisst werden!

Ich hoffe, dass wir noch einen langen Weg erfolgreich als Regierung mit Ihnen bestreiten dürfen. Außerdem möchte ich Ihnen für die bereits gemeinsam absolvierte Strecke danken. Die Krankenhäuser sind und bleiben ein wichtiges Standbein der Gesundheitsversorgung.

Zu guter Letzt möchte ich auch noch den Menschen meinen Dank aussprechen, die heute Abend trotz der Festlichkeiten in diesem Haus arbeiten. Sei es am Schreibtisch, in der Küche oder beim Patienten!

Ich danke für die Aufmerksamkeit!

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