Parlament

Mangel an Allgemeinmedizinern


Es gilt das gesprochene Wort!

11.09.2019

06 Frage und Antwort Mangel an Allgemeinmedizinern

Es ist kein Geheimnis, dass wir mehr Allgemeinmediziner brauchen. Das Problem ist in fast allen
ländlichen Regionen Europas bekannt.
Es ist mühsam über eine genaue Zahl zu spekulieren. Geht man von der LIKIV-Rechenmethode
aus und der Tatsache, dass wir kein dicht besiedeltes Gebiet haben, dann wären rein
mathematisch über 120 Ärzte notwendig. Es wäre einerseits utopisch, dass so viele
Allgemeinmediziner sich in Ostbelgien niederlassen würden und andererseits hätten die
selbigen kein wirtschaftliches Interesse daran.
Gegenwärtig praktizieren 55 Allgemeinmediziner in Ostbelgien. Das ist unser Allzeithoch. Im
Vergleich zum Jahr 2012 sind das nämlich immerhin 10 Ärzte mehr.
Im Süden Ostbelgiens sind 24 Allgemeinmediziner aktiv, im Norden sind es 31.
Allerdings müsste sich die Situation in den ländlicheren Gemeinden – vor allem in der dünn
besiedelten Eifel – deutlich verbessern, damit man nicht mehr von einem Ärztemangel
sprechen muss.

Dazu werden in den nächsten Jahren einige der Ärzte in den Ruhestand treten.
Außerdem hat sich das Berufsbild gewandelt. Die Ärzte legen wert auf eine Work-Life-
Balance. Hinzu kommt, dass vermehrt Frauen in diesem Bereich tätig sind, die aus familiären
Gründen öfters kürzertreten.
Aktuell gibt es zwei Mechanismen, um Einfluss auf die Zahl der Ärzte zu nehmen.
Die DG ist für die Anerkennung der Gesundheits- und Pflegeberufe zuständig geworden und
hat ein deutlich schnelleres Verfahren eingerichtet. Allerdings haben wir nach der
Anerkennung keinen Einfluss darauf, wo die Ärzte praktizieren.
Der Impulseo-Fonds ist das zweite Instrument. Ärzte, ob bereits praktizierende oder
neuzugelassene, kommen in den Genuss einmaliger und jährlicher Subsidien.
In diesem Jahr wurde bisher noch keine Niederlassungsprämie in Höhe von 20.000 Euro
ausgezahlt. 2018 wurde eine Prämie ausgezahlt. 2017 waren es drei.

Die Zahl der Anträge zur jährlichen Lohnkostenförderung betrug im Jahr 2018 14 Akten. 2019
wurden bisher noch keine Anträge eingereicht. Effektiv beziehen sich diese Anträge auf eine
Aktivitätsperiode von 3 Jahren: Eine Antragsstellung von 2019 basiert auf den effektiv
gezahlten Lohnkosten des vergangenen Jahres 2018 und mindestens 150 globalen,
medizinischen Akten von 2017.
Zinslose Kreditanträge und Anfragen für Kostenübernahme von Dienstleitungen wie dem
Telesekretariat, die ebenfalls aus diesem Fond erstattet werden können, wurden nicht
gestellt.
Um zurück auf die Prämie zu kommen: Die Prämien in der Wallonischen Region und in der DG
unterscheiden sich nach meinem Kenntnisstand kaum. Der Unterschied von 5.000 Euro, der in
einigen Fällen in der Wallonie einmalig gewährt wird, ist wohl kaum ein Grund für einen Arzt,
sich für eine Niederlassung zu entscheiden.

Das Problem ist grundlegender Natur: Es gibt ganz einfach zu wenig Absolventen der
Allgemeinmedizin. Der Beruf ist unattraktiver als die anderen deutlich lukrativeren
Fachgebiete. Die Studierenden entscheiden sich folglich eher nicht für den Beruf des
Allgemeinmediziners.
Hinzu kommt die föderale Begrenzung der INAMI-Nummer. Ich habe mehrfach bei Maggie De
Block interveniert und die Zurverfügungstellung von INAMI-Nummern für den ländlichen Raum
gefordert. Diese Nummer könnte man unter der Bedingung freigeben, dass die Ärzte sich
verpflichten, im ländlichen Raum zu praktizieren. Das Modell hierzu hat das Land Brandenburg
vorgegeben.
Bisher hat die Föderalministerin eine solche Maßnahme abgelehnt. In einer der letzten
Interministeriellen Konferenzen vor den Wahlen hatte sie eingewilligt, dies zu prüfen.
Aufgrund der momentanen Verhandlungen über die Bildung einer neuen Föderalregierung
glaube ich kaum, dass es Fortschritte in dieser Akte gibt. Ich werde allerdings am Ball bleiben.
Was den Impulseo-Fonds und andere Finanzierungsmöglichkeiten der 1. Linie angeht, wird es
jedenfalls Anpassungen geben. Gegenwärtig erarbeitet die Verwaltung ein neues Modell. Der
Konzeptentwurf wird noch in dieser Jahreshälfte vorliegen.

Ich glaube, dass wir weiterhin daran arbeiten müssen, mehr Menschen für den Beruf des
Allgemeinmediziners über andere Maßnahmen zu gewinnen.
Zum einen über die Organisation des Studiums in deutscher Sprache mit anderen
deutschsprachigen Ländern und zum anderen über Studiendarlehen für angehende Mediziner.

Diese Darlehen sollten an verschiedene Bedingungen geknüpft sein, wie zum Beispiel die an
Verpflichtung für eine bestimmte von Anzahl Jahren in Ostbelgien zu praktizieren.

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