Reden

Akademische Sitzung des Mosaik-Zentrums


Es gilt das gesprochene Wort!

Rede anlässlisch der akademischen Sitzung des Mosaik-Zentrums
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
Sehr geehrte Frau Direktorin,
Sehr geehrte Frau beigeordnete Direktorin (Sandra Stoffels),
Sehr geehrte Damen und Herren und Gäste,
Friedrich Schiller sagte schon „der Augenblick ist kostbar, wie das Leben eines
Menschen!“ Auch der heutige Tag und der momentane Augenblick sind kostbar,
denn heute geht es nicht mehr und nicht weniger um das 50-jährige Jubiläum
des Mosaik-Zentrums. Natürlich trug diese Jugendhilfereinrichtung damals noch
nicht denselben Namen. Alles begann mit ein paar von Nonnen geführten
Waisenhäusern und hat sich langsam zu dem entwickelt, was es heute ist.
Umso mehr sollen wir deswegen den heutigen Moment festhalten. Die Zeiten seit
damals sind nicht einfacher geworden – ganz im Gegenteil. Jedes Jahrzehnt hat
seine Herausforderungen mit sich gebracht, doch egal wie man sie genannt hat
und womit man sich ihnen gestellt hat: 50 Jahre Jugendhilfe stellen einen
Moment dar, den wir festhalten und feiern sollten.
Damals wollte man Kindern und Jugendlichen helfen, indem man sie aus ihrem
schwierigen und destruktiven Umfeld herausholte. Indem man ihnen einen
sicheren Hafen in einem geregelten Umfeld geboten hat. Das alles war weit weg
von deren Familien und deren Problemen. Man hoffte, den Jugendlichen zu helfen
und sie „auf den richtigen Weg zu bringen“ und ein Stück begleiten zu können.
Wahrscheinlich haben damals weder die GründerInnen noch Verantwortlichen
nicht gedacht, dass eine Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung so lange nötig sein
würde… In der Zwischenzeit ist natürlich viel passiert. Aus einem Waisenhaus
und Kinderwohnhäuser, die von Nonnen geleitet wurden ist heute eine
professionelle Institution geworden. Der Name „Mosaik“ spielt bereits darauf an,
dass eine professionelle Betreuung sich aus vielen kleinen Elementen
zusammensetzt, die alle aufeinander abgestimmt sein müssen.
Unsere heutige Zeit bringt eigene Herausforderungen mit sich. Ich sage nur
Brexit, Krieg in Syrien und Klimawandel. Sie werden auf ihre Weise die
kommenden Jahre prägen. Wir könne jedoch feststellen, dass unsere Welt immer
schnelllebiger und komplizierter wird. Die Kinder und Jugendlichen heute haben
ganz andere Sorgen als früher. Sie beschäftigen sich mit ganz anderen Dingen
und setzen sich mit ganz anderen Problemen auseinander als noch vor 10
Jahren.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich habe vor wenigen Tagen einen
Artikel in der hiesigen Tageszeitung gelesen. Dieser betrifft die sozialen Medien,
wie Instagram, Facebook oder Snapchat. In diesem Artikel wird davon
gesprochen, dass Jugendliche damals nur auf dem Schulhof bestehen mussten.
Heute spielt sich vieles im Netz ab. Hierdurch haben die Jugendlichen oft das
Gefühl, sich selbst und ihren Lifestyle mit dem der anderen vergleichen zu
müssen. Sie setzten sich bewusst oder unterbewusst unter Druck. Wenn dann
noch Schwierigkeiten im familiären Umfeld entstehen, dann sind sie gleich
doppelt belastet.
So können die Jugendlichen schnell überfordert sein und mit Krankheitsbildern
wie Depressionen oder Burnout in Berührung kommen. Die neuen Entwicklungen
und technischen Fortschritte sind oftmals zu Lasten der Kinder und Jugendlichen,
ohne dass wir Erwachsene uns dessen in vollem Ausmaß bewusst sind.
Zum Glück gibt es immer noch Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, die im
Notfall zur Stelle sind! Sie helfen natürlich oft in sehr viel schwerwiegenderen
und schlimmeren Fällen oder greifen dann unter die Arme, wenn man nicht mehr
weiterweiß.
Wenn es hart auf hart kommt, dann bietet das Mosaik Zentrum Hilfe, wo der
Ottonormalverbraucher mit Kind und Kegel keinen Rat mehr weiß. Das Mosaik
Zentrum unterstützt die Jugendlichen, indem sie ihnen eine stationäre Aufnahme
in einer Lebens- oder Wohngruppe bieten. Wenn in der eigenen Familie – aus
welchen Gründen auch immer – kein Raum mehr sein sollte, so unterstützt das
Zentrum den Betroffenen mit einem positiven und gesicherten Standort. Sie
schaffen einen sicheren Hafen der Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung.
Das Zentrum Mosaik kümmert sich um die ambulante Begleitung der
Jugendlichen und ihrer Familien. Es ermöglicht begleitete Besuchskontakte und
hilft den Jugendlichen und Kindern dabei, sich in der Welt, die sich ihnen
präsentiert zurecht zu finden. Es hilft sowohl Eltern als auch den Jugendlichen
und Kindern. Dafür entfernen sie die Betroffenen nicht unbedingt aus ihrem
Umfeld. Im Gegenteil, galt früher vor 50 Jahren noch die Devise „Wir müssen die
Kinder aus dem Umfeld und ihren Problemen herausholen“ so werden sie heute
in der Situation zuhause vor Ort unterstützt. Ziel ist die Stabilisierung der
Familienstrukturen.
Wenn es dann doch nicht weitergeht – aus welchen Gründen auch immer – so
wissen die betroffenen Kinder und Jugendlichen, dass sie in den
Trainingswohnungen und dem begleiteten Wohnen passende Begleitung und Hilfe
finden können. Das Mosaik Zentrum stellt ihnen entsprechend geschulte und
ausgebildete Helfer zur Seite.
Liebe Anwesende, ich bin der Auffassung, dass Sie die spezifischen Situationen
selbst besser einordnen und dementsprechend Lösungen präsentieren können.
Dennoch habe auch ich in den letzten Gesprächen sehen können, dass auch wir
als Regierung– mit unserer Distanz – zu passenden Problemlösungen beitragen
können. Und das nicht nur durch finanzielle Mittel und Bezuschussungen. Als
Regierung erachten wir es beispielsweise auch als nötig, dass externe
Sachverständige und Experten dem Mosaik Zentrum mit Rat und Tat zur Seite
stehen. Hierfür werden wir in zukünftigen Geschäftsführungsverträgen dem
Zentrum Mosaik die Möglichkeit eröffnen, die Betreuerinnen und Betreuer zu
unterstützen, indem sie externe Berater, wie beispielsweise einen
Kinderpsychologen, zu Rate ziehen können.
Das Fazit, das ich aus all dem ziehen kann, bezeugt jedenfalls nur eines: Wir
können uns glücklich schätzen, dass das Mosaik Zentrum und die Menschen, die
dort arbeiten, existieren. Auch wenn es nach einer 50-jährigen Geschichte
eigentlich traurig sein sollte, dass ich dies heute sagen muss: Zum Glück gibt es
in der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine Anlaufstelle für die Jugendhilfe! Und
das inzwischen seit über 50 Jahren!
50 Jahre, meine sehr geehrten Damen und Herren, das sind umgerechnet 600
Monate, etwas mehr als 2608 Wochen und 18 262 Tage. Eine fast unvorstellbar
lange Zeit für Menschen in meinem vergleichsweise noch jungen Alter!
Aus diesem Grund möchte ich es mir nicht nehmen lassen, den Verantwortlichen
zum goldenen Jubiläum zu beglückwünschen! Wir alle, das bedeutet sowohl die
Jugendhilfe als auch die Regierung müssen weiter Hand in Hand arbeiten. Ich
möchte an dieser Stelle gerne meine Bereitschaft hierzu aussprechen.
Ich möchte dem Zentrum Mosaik und allen Verantwortlichen nochmals
gratulieren und wünsche allen eine schöne Jubiläumsfeier. Ich möchte mit dem
folgenden Zitat von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dem Begründer der Raiffeisen-
Genossenschaften schließen: „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das
vermögen viele.“ Das beschreibt das Gesagte in meinen Augen ganz genau.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!

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