Reden / Reden & Parlament

4. Seniorenforum


Es gilt das gesprochene Wort!

Rede zum 4. Seniorenforum

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
herzlich willkommen zum Seniorenforum in Ostbelgien! Ich möchte zuerst einmal die Gelegenheit nutzen, um mich bei den Organisatoren der Josephine Koch Stiftung und des Landfrauenverbands-Stundenblume zu bedanken, denn inzwischen findet diese wichtige und sinnvolle Veranstaltung zum vierten Mal statt.
„Das Alter spielt (k)eine Rolle“, so lautet wie üblich der doppeldeutige Titel. Doch das Alter hat natürlich einen besonderen Stellenwert im Leben eines jeden Menschen. Jedes Alter bringt eigene Herausforderungen mit sich. Während ein junger Mensch, sich auf seinen ersten Job, die Gründung einer Familie oder auf seine Selbstverwirklichung konzentriert, spielen die ersten beiden Dinge im Alter nur selten eine Rolle.
Von Hannelore Rönsch, einer deutschen Politikerin und ehemaligen Ministerin für Familie und Senioren der Bundesrepublik Deutschland, stammt ein bemerkenswertes Zitat: „Wer Alter gleichsetzt mit Passivität und Abbau von Fähigkeiten hat ein falsches Bild vom Altwerden und Altsein. Die schöpferischen Impulse in jedem Menschen sind nicht an die Lebensjahre gebunden.“
Meiner Meinung nach bringt sie es damit auf den Punkt. Das Bild vom Alter ist heute ein ganz anderes als noch vor einigen Jahrzehnten. Senioren sind nicht mehr die kranken und pflegebedürftigen Familienmitglieder, wie einige das noch von früher kennen werden. Die Senioren heute sind aktive Mitglieder unserer Gesellschaft. Sie engagieren sich ehrenamtlich, sie bilden sich weiter und sie entdecken neue Hobbys und Beschäftigungsmöglichkeiten. Sie reisen, treiben Sport und probieren Neues aus. Der medizinische Fortschritt und eine ausgewogene Ernährung tragen außerdem dazu bei, dass immer mehr Menschen das Alter und den Ruhestand genießen können. Diese Entwicklung ist wirklich
begrüßenswert und trägt dazu bei, dass wir alle ein positiveres Bild vom Alter, Altwerden und Altsein bekommen.
Liebe Gäste,
das Thema der heutigen Veranstaltung lautet „Meine Spuren im Leben“. Bei meiner Recherche zum Thema Spuren bin ich auf ein Gedicht von einem unbekannten Autor gestoßen, das ich zumindest (auszugsweise) gerne vorbringen möchte. Es trägt den Titel „Spuren hinterlassen“:
Wo immer wir auch gehen, ein Teil von uns bleibt dort, die Spuren unsrer Schritte, sie gehen nicht mehr fort. Ein Lächeln bleibt zurück, ein Herz das freudig schlägt, die Wärme unsrer Stimme, die durch die Kälte trägt. Berührung unsrer Hand, die noch zu fühlen ist, und daß durch uns ein Mensch das Weinen kurz vergißt. Ein liebes Wort klingt nach, durch Schmerz und Dunkelheit, und unsre Spur vertreibt die schlimme Einsamkeit. Wo immer wir auch gehen, bleibt eine Spur zurück, und hinterläßt ein Strahlen von unsrem eignen Glück.
Jeder von uns hinterlässt Spuren, Spuren auf dieser Welt, Spuren im Leben und Spuren im Herzen anderer Menschen. Wir können jemanden den Tag verschönern, indem wir ihn zum Lachen bringen. Wir können jemandem in einer schwierigen Lebensphase beistehen oder uns ganz bewusst entscheiden, etwas nicht zu tun. In jedem Fall haben wir mit dem, was wir tun, Einfluss auf unsere Mitmenschen und auf unser Umfeld.
Wenn wir Spuren hinterlassen, so können diese auch ganz anderer Art sein. Es beginnt damit, dass wir eine Ausbildung absolvieren, Arbeiten gehen und Geld
verdienen. Mit diesem Geld leisten wir uns Dinge, legen es für später auf Seite und bauen oder kaufen uns und unserer Familien davon ein Haus.
Viele Menschen haben das, was sie haben, angelegt –ganz in der Absicht, dass diejenigen, die nach ihnen kommen es einmal besser haben können. Sie hinterlassen mit diesem Gedanken bereits Spuren im Leben derjenigen, die heute noch gar nicht auf dieser Welt sind. Vielleicht haben auch Sie, liebe Gäste, so in ihrem Leben gehandelt. In jedem Fall gilt es hier Rechtliches zu beachten, bei dem Ihnen Christoph Weling später mit seinem Referat weiterhelfen kann.
Aber auch die Politik kann Spuren im Leben ihrer Bürgerinnen und Bürger hinterlassen. Die Deutschsprachige Gemeinschaft bemüht sich nachhaltig darum, den Menschen die Weichen für ein selbstbestimmtes Leben zu stellen. Wir arbeiten Hand in Hand mit Dienstleistern, lokalen Akteuren und der Zivilgesellschaft zusammen. Unser Ziel ist es, weiterhin geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, Chancen zu ermöglichen und bedarfsgerechte Angebote und Maßnahmen zu erarbeiten.
Wussten sie beispielsweise, dass 98% der 60- bis 79-Jährigen und 85% der 80- bis 99-Jährigen in Ostbelgien noch in den eigenen vier Wänden leben? Über 90% der Senioren im Süden Ostbelgiens besitzen ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung. Die überwiegende Mehrheit wünscht sich, so lange wie möglich im vertrauten Umfeld bleiben zu können.
Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft möchte die Bürgerinnen und Bürger in diesem Wunsch unterstützen. Deshalb bauen wir auf die häusliche Hilfe und unterstützen diese jährlich mit einem Betrag von 3,4 Millionen Euro. Wir unterstützen den gesamten Seniorenbereich mit 28,4 Millionen Euro und auch die Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben bezuschussen wir mit einer Summe in Höhe von 13,8 Millionen Euro.
Für uns gelten vor allem die Grundsätze „ambulant vor stationär“ und „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Unser Ziel ist es, dass die Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben können. Mittels einer Finanzierung oder Bezuschussung von entsprechenden
Angeboten kann es möglich gemacht werden, dass unsere Seniorinnen und Senioren in ihren vertrauten vier Wänden bleiben können.
Wenn das Kochen nicht mehr so leicht von der Hand gehen möchte, so bieten die ÖSHZ beispielsweise Essen auf Rädern oder verschiedene Altenheime einen Mittagstisch. Wenn der Haushalt zu einer fast nicht mehr zu bewältigenden Aufgabe wird, so bietet beispielsweise – um nur einen Anbieter zu nennen – die Familienhilfe VoG Unterstützung.
Als zuständiger Minister bin ich der Auffassung, dass dies der richtige Weg ist. Ich denke, dass wir in den letzten Jahren den richtigen Kurs eingeschlagen haben, um den Herausforderungen zu begegnen, die das Alter und der demografische Wandel mit sich bringen.
Mit unserer Politik haben wir uns zum Ziel gesetzt, ein positives und gesundes Bild des Älterwerdens zu zeichnen. Denn, um mit den Worten des Schriftstellers Oskar Stock zum Ende zu kommen: „Jahre sollte man nicht zählen, sondern leben.“
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen viel Spaß beim heutigen Seniorenforum.

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