Reden / Reden & Parlament

Jubiläum: 30 Jahre Telefonhilfe


Es gilt das gesprochene Wort!

Ansprache 30 Jahre Telefonhilfe

Sehr geehrte Damen und Herren,
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
und sehr geehrte Leiterin und liebe Gäste,

„Wenn ich einmal all meine Besitztümer abgeben müsste und dürfte nur einen Besitz behalten, ich würde die Kraft der Rede wählen. Denn mit ihrer Hilfe hätte ich bald alle anderen zurückgewonnen.“

Diese Worte stammen zwar ursprünglich von Daniel Webster, sind mir persönlich aber aus der Seele gesprochen. Nicht nur, weil ich als Minister tagtäglich reden muss, sondern auch, weil mir bewusst ist, was man durchs Reden alles erreichen kann. Denn, meine lieben Damen und Herren, jeder von uns konnte bestimmt schon am eigenen Leib erfahren, was die Kraft des Redens mit sich bringen kann.

Wir können unseren Mitmenschen einen schlechten- aber auch einen guten Tag wünschen. Wir können durchs Reden verletzen, aber auch aufbauen. Vor allem können wir aber durchs Reden ganz direkt kommunizieren. Kommunikation ist, besonders in unserer heutigen Zeit, wichtiger denn je. Das Leben wird schneller, die Probleme schwieriger und die Möglichkeit einen Rückzugsort zu haben immer wichtiger. Immer wichtiger wird es, die richtigen Menschen an seiner Seite zu wissen, und darauf vertrauen zu können, dass sie in den Momenten für einen da sind, in denen wir sie am meisten brauchen.

Denn es ist das Streben nach Zugehörigkeit, das Gefühl, auf dieser Welt nicht alleine zu sein, was uns glücklich macht. Niemand fühlt sich gerne allein.

Der heutige Tag ist ein besonderer, nicht nur, weil wir uns heute zum 30-jährige Jubiläum der Telefonhilfe zusammengefunden haben, sondern auch, weil uns nur noch 95 Tage bis zum Jahresende bleiben. Das sind 95 neue Chancen. 95 neue Gelegenheiten Wundervolles zu tun und 95 neue Möglichkeiten zuzuhören, zu Ermutigen und zu helfen.

Werte Anwesende,
zuhören, ermutigen und helfen, genau darum geht es bei der Telefonhilfe. Seit nun 30 Jahren existiert dieser Dienst bereits in Ostbelgien.
Auf der einen Seite möchte man solch ein Jubiläum feiern, und auf der anderen Seite denkt man sich, es wäre noch schöner, wenn solch ein Dienst gar nicht benötigt würde. Aber, meine lieben Damen und Herren, bleiben wir ehrlich, das wäre unrealistisch.
Vielmehr soll es uns vor Augen führen, wie wichtig solche Dienste, auch hier in Ostbelgien sind.

Ein Sprichwort sagt:
„Zum Zuhören braucht man zwei Ohren, zum Verstehen ein Herz“
Ohren zum Zuhören haben die Ehrenamtlichen der Telefonhilfe. Das sie aber auch ein Herz haben und verstehen, worum es im Leben geht, das stellen sie durch ihr Engagement jeden Tag aufs Neue unter Beweis.

Der Erfolg eines Dienstes, wie der der Telefonhilfe ist in erster Linie ein Erfolg, der durch die Leistung der engagierten Bürgerinnen und Bürger zustande kommt, die sich freiwillig gemeldet haben und etwas von ihrer Zeit an hilfesuchende Menschen verschenken.
Mehr als 295.252 Anrufe sind in den 30 Jahren unter der 108 eingegangen. Durchschnittlich sind das 27 Anrufe pro Tag, die von aktuell 40 Ehrenamtlichen in 5 Schichtdiensten angenommen werden. Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr sind die Ehrenamtlichen anwesend, haben ein offenes Ohr und helfen zur Selbsthilfe.
Als zuständiger Minister bin ich stolz darauf, dass die Telefonhilfe hier in Ostbelgien bereits so lange so wertvolle und soziale Arbeit leistet.

Solch ein einmaliger Dienst lebt von Mut. Mut in zweierlei Hinsicht. Der Anrufer muss zuerst einmal den Mut aufbringen, anzurufen. Damit hat er die erste Hürde bewältigt. Anschließend braucht er doch noch den Mut, über sein Anliegen zu sprechen.
Mut brauchen aber auch die Ehrenamtlichen, denn auch für ein Ehrenamt steigen die Herausforderungen. Immer mehr Menschen möchten einen geregelten Arbeitsalltag und nebenbei flexibel ihre Freizeit gestalten können. Immer schwieriger wird es also, unter solchen Bedingungen vor allem jungen Leute zu finden, die sich verbindlich und regelmäßig einplanen lassen. Geschweige denn unbezahlt einer Tätigkeit nebenher nachgehen. Außerdem bedarf es auch hier noch einen anderen, sehr wichtigen Aspekt zu berücksichtigen. Im Normalfall sind Ehrenamtliche in ihrem Dienst bekannt und erhalten im besten Fall Anerkennung für ihre Tätigkeit. Für die freiwilligen Helfer der Telefonhilfe zählt dies aber nicht, ihr Beitrag findet im Verborgenen statt.
Dass es dennoch so beeindruckende Menschen wie Sie gibt, stimmt mich sehr glücklich.

Sehr geehrte Damen und Herren,
die Verantwortlichen und Ehrenamtlichen der Telefonhilfe, sowie der Verwaltungsrat leisten großartige Arbeit, die nicht zu unterschätzen ist. Jeder Mensch wird von Tag zu Tag mit neuen Dingen in seinem Leben konfrontiert. Diese gilt es zu bewältigen. Wenn aber ein gutes und gemeinschaftliches Miteinander herrschen soll, dann müssen wir alle zusammen daran arbeiten. Die Telefonhilfe trägt auf ihre Weise dazu bei.

Niemand hat eine Lösung für jedes Problem, aber die Telefonhilfe zeigt eindrucksvoll, dass man zu mehreren, einiges schaffen kann. Und das feiern wir heute!
Freuen wir uns nun also gemeinsam auf unsere 95 weitere Chancen, die uns in diesem Jahr noch bleiben.

Bevor ich nun zur Seite trete und Frau Annabelle Reul, die die Telefonhilfe voller Engagement seit einigen Jahren leitet, überlasse, möchte ich abschließend den Verantwortlichen der Telefonhilfe sowie allen ehrenamtlichen Helfern für ihr Engagement und die Ausrichtung dieses tollen Jubiläums danken.

Mutige und engagierte Menschen wie Sie braucht Ostbelgien!

Ich wünsche allen Gästen noch einen unterhaltsamen und interessanten Nachmittag.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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