Reden / Reden & Parlament

Eröffnung des Neubaus des Seniorenheims Hof Bütgenbach


Es gilt das gesprochene Wort!

21.09.2018

Eröffnung Neubau Hof Bütgenbach (198.5 KiB)

Sehr geehrte Damen und Herren,

was im Jahr 2016 als Grundstein begann, wird heute offiziell zu einem weiteren Meilenstein in der Betreuung und Begleitung von Senioren und Menschen mit demenzieller Veränderung.

Vor diesem Hintergrund könnte das heutige Datum passender kaum sein. Denn der 21. September ist seit 1994 als Welt-Alzheimer-Tag bekannt. Mit diesem Welttag soll auf die allgemeine Situation von Menschen mit demenzieller Veränderung und deren Angehörigen aufmerksam gemacht werden. Durch den Neubau gehen wir aber noch einen Schritt weiter. Denn hier werden künftig insbesondere die Menschen ein Zuhause finden, die mit demenziellen Veränderungen leben.

Sieht man sich hier ein wenig um, so erkennt man recht schnell, dass bei der Planung und Umsetzung nichts dem Zufall überlassen wurde. Das gilt für den Rundbau genauso wie für den Außenbereich. Alles wurde bis ins kleinste Detail durchdacht und umgesetzt. Die Heimleitung hat sogar eigens ein Lebenskonzept für den Rundbau erarbeitet. Das zeigt, wieviel Herzblut in das gesamte Vorhaben gesteckt wurde. Das möchte ich an dieser Stelle erstmal lobend erwähnen. Aber hier möchte ich nicht vorgreifen, dazu werden wir sicherlich später noch mehr erfahren.

Liebe Anwesende,

soeben sprach ich von einem weiteren Meilenstein. Das ist keineswegs übertrieben! Rechnet man nämlich die 49 neuen Plätze zum bestehenden Angebot hinzu, so kommen wir auf dem gesamten Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf 800 Altenpflege- und Wohnplätze. Gerade für die Eifel sind die neuen Kapazitäten ein wichtiger Schritt, da wir nun insgesamt 240 Plätze im Süden Ostbelgiens haben. Die zusätzlichen 49 Bewohnerplätze am Standort Bütgenbach stellen eine Erhöhung um fast 50 % (44) dar. Und doch reicht uns das nicht.

Mittel- bis langfristig möchte die Regierung nämlich bis zu 1.000 Plätze schaffen – eine ordentliche Hausnummer. Aber dieses ehrgeizige Ziel müssen wir uns stecken, wollen wir den Herausforderungen unserer Zukunft gerecht werden. Denn, und das brauche ich sicherlich niemandem hier mehr zu sagen, durch den demografischen Wandel steigt die Anzahl an pflegebedürftigen Menschen und somit auch der Bedarf an stationären Bewohnerplätzen.

Insbesondere in der Eifel müssen die Angebote künftig noch weiter ausgedehnt werden. Wir müssen in dieser Frage alle an einem Strang ziehen. Die Regierung erarbeitet derzeit einen Masterplan für die Gesundheitsversorgung und Seniorenbegleitung in der Eifel. Dabei sind aber vor allem auch die hiesigen Akteure gefragt! Umso mehr freut es mich, dass die Interkommunale VIVIAS nun dieses Projekt abgeschlossen hat und sich fortan mit voller Kraft den kommenden Vorhaben widmen kann. Der Neubau eines Heims in Sankt Vith steht sicherlich ganz weit oben auf der To-Do-Liste.

Das muss es auch, wenn wir der demografischen Entwicklung Rechnung tragen wollen. Das bedeutet einen Ausbau der Plätze, aber auch den Bau von betreuten Wohnungen in St. Vith.

Werte Anwesende,

der britische Autor Herbert George Wells wäre am heutigen Tag 152 Jahre alt geworden. Er sagte einst:

„Den Fortschritt verdanken wir den Nörglern. Zufriedene Menschen wünschen keine Veränderung“.

Im Grund genommen hat er da nicht ganz Unrecht. Dennoch möchte ich ihm ein wenig widersprechen: Wir haben nämlich heute allen Grund zufrieden zu sein und uns über den fertiggestellten Neubau zu freuen! Das ist keine Selbstverständlichkeit. Deswegen werde ich auch nicht nörgeln. Ich bin mir nämlich sicher, dass keiner der Verantwortlichen sich nun auf den Lorbeeren ausruhen wird. Nein im Gegenteil, um Fortschritte zu erreichen, bleibt noch einiges zu tun. Das gilt natürlich nicht nur, wie ich eben sagte, für den Ausbau der Plätze in den APWH.

Denn jetzt, wo die baulichen Maßnahmen mehr oder weniger fertiggestellt wurden, geht es darum, die Räume mit Leben zu füllen. Dazu brauchen wir einerseits, Senioren und andererseits gutes, motiviertes und vor allem zufriedenes Personal.

Denn nur so können wir die steigenden Anforderungen in der Seniorenpolitik langfristig meistern. Die entsprechenden Rahmenbedingungen müssen also gegeben sein.

Als Regierung schätzen wir die Arbeit all derer, die tagtäglich für andere Menschen da sind und für sie sorgen.

Unsere Pflegerinnen und Pfleger leisten einen unverzichtbaren Beitrag dabei, den Senioren ein würdevolles und erfülltes Leben im Alter zu ermöglichen. Und das, da widerspricht mir sicher niemand, ist wohl unser aller Wunsch!

Andere Menschen zu pflegen ist ein schöner, aber auch ein sehr anspruchsvoller Beruf –der Begriff Berufung passt in meinen Augen besser.

Für diese wertvolle Tätigkeit verdienen sie aber nicht nur unsere Anerkennung. Nein, sie müssen auch gute Arbeitsbedingungen haben und vor allem korrekt bezahlt werden. Ich bin der Auffassung, dass noch viel Luft nach oben ist. Daran sollten wir arbeiten. Nein, meine Damen und Herren, daran werden wir arbeiten!

Ich finde: Pflegen muss sich noch mehr lohnen!

Aus diesem Grund arbeitet die Regierung an einer besseren Bezahlung für den gesamten Pflegebereich. Ab 2019 werden wir nämlich für die Altenheime zuständig und sind demnach bereit, gewillt und in der Lage, die Berufung der Pflegekräfte aufzuwerten. Die Regierung wird die nötigen Mittel zur Verfügung stellen. Hier gebe ich im Namen der Regierung als zuständiger Minister unser versprechen.

Doch an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen müssen wir gemeinsam arbeiten. Hier spielt der Arbeitgeber eine entscheidende Rolle. Wenn wir auch in Zukunft motivierte Fachkräfte haben wollen, dann müssen die Arbeitgeber ebenfalls über Verbesserungen nachdenken. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Betriebskrippe mit angepassten Öffnungszeiten?

Für die Zukunft hat die Regierung aber auch noch weitere Pläne.

Der von mir zitierte Wells, hatte nicht nur kluge Sprüche in petto. Besondere Bekanntheit erlangte er mit seinem Meisterwerk „die Zeitmaschine“, die im Jahr 802.701 spielt. Der Name verrät genug. Und auch, wenn ich nicht ganz so weit in die Zukunft blicken kann, möchte ich die Gelegenheit nutzen, kurz auf das zu blicken, was noch kommt.

Im Rahmen der 6. Staatsreform haben wir insbesondere im Seniorenbereich weitreichende Zuständigkeiten hinzugewonnen. Wir wollten daher mehr Klarheit für den Sektor und die Menschen mit Unterstützungsbedarf schaffen.

Aus diesem Grund haben wir als Regierung – gemeinsam mit dem Sektor – ein Seniorendekret erarbeitet, das in den kommenden Wochen im Parlament vorgestellt wird und zum 1. Januar 2019 in Kraft treten soll. Dieses Dekret stellt eine erhebliche Vereinfachung der Finanzierung dar und bietet den Heimen Planungssicherheit und neue Rahmenbedingungen. Darüber hinaus werden wir mehr Mittel in den Sektor investieren als es bisher der Fall war.

Man kann mit Fug und Recht von einem Paradigmenwechsel sprechen. Denn künftig stehen die Bedarfe der Senioren und der Personen mit Unterstützungsbedarf im Mittelpunkt.

Durch das Dekret wird es möglich sein, wohnortnah ein ausreichendes Angebot an Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, ob nun häuslich oder teilstationär, stationär oder zur Entlastung der Angehörigen.

Denn in der Seniorenpolitik geht es um mehr als nur um die Anzahl der Plätze in einem   Pflegewohnheim. Wir brauchen auch Alternativen. Ein möglicher Ansatz ist der Ausbau der häuslichen Hilfe sowie neuer Wohnformen.

In Zukunft werden diese ein immer wichtigeres Instrument. Vor allem jetzt, nachdem die Übertragung des Wohnungswesens beschlossene Sache ist.

Werte Anwesende,

meine Rede neigt sich dem Ende. Ich hoffe Sie haben Nachsicht mit mir, sollte ich ein wenig überzogen haben. Aber als zuständiger Minister darf man nicht jeden Tag den Neubau eines APWH feiern! Immerhin war die Regierung an diesem Vorhaben mit einer finanziellen Unterstützung von 60 Prozent nicht ganz unbeteiligt.

Ich bin jedoch auch heute nicht mit leeren Händen gekommen. Den Verantwortlichen der Interkommunalen habe ich ein kleines Präsent mit langfristig großer Wirkung mitgebracht.

Ich habe einen Apfelbaum dabei. Und ich verrate Ihnen nun auch wieso:

Ehe aus einem kleinen Samenkorn ein großer Baum heranwächst, fließt noch viel Wasser die Warche hinab. Damit er starke Wurzeln schlagen kann, braucht er viel Sonne und auch Regen. Nicht jeder Ast wächst immer ganz gerade und niemand weiß mit Sicherheit, wie die Pflanze sich entwickeln wird. Wird der Baum jedoch gehegt und gepflegt, dann trägt er irgendwann Früchte.

Ähnlich verhält es sich mit dem Projekt in Bütgenbach. Das war auch nicht von einem Tag auf den anderen fertig.

Vor einigen Jahren wurde mit der Grundsteinlegung auch das Samenkorn gepflanzt. In dieser Zeit wurde das Projekt entwickelt und konnte heranreifen, ehe es schlussendlich in die Tat umgesetzt wurde. Wie das bei einem Umbau oder Neubau so ist, sind Eigenschaften wie Feingefühl, Geduld und Durchsetzungskraft gefragt. Vor allem dann, wenn nicht immer alles läuft wie geschmiert. Aber egal wie schwer es war, das Ergebnis zählt und das kann sich in jedem Fall sehen lassen. Dafür gehört den Verantwortlichen ein besonderes Lob!

Ich bin mir sicher, dass die Senioren nun die Früchte ernten können! In diesem Sinne bin ich ganz zuversichtlich, dass auch dieser Apfelbaum bei Ihnen gut aufgehoben ist. Sie werden zweifelsohne einen geeigneten Platz in der Außenanlage finden.

Ich wünsche dem Hof Bütgenbach alles Gute für die Zukunft und Ihnen allen noch einen angenehmen Nachmittag !

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