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Wohngemeinschaft in Lommersweiler: Tag der offenen Türe


Es gilt das gesprochene Wort!

24.06.2018

Tag Der Offenen Türe WG Lommersweiler (159.4 KiB)

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine besondere Freude, Sie heute hier begrüßen zu dürfen.

Gleich zu Beginn meiner Ansprache möchte ich mit Ihnen eine kleine Zeitreise machen. Es geht zurück in das Jahr 1993. Damals geschahen einige bedeutende Dinge, die wohl heute noch so manchem in Erinnerung sein dürften. So wurde beispielsweise Bill Clinton zum amerikanischen Präsidenten vereidigt, Nelson Mandela erhielt den Friedensnobelpreis und unser belgischer Torjäger Romelu Lukaku erblickte das Licht der Welt.

Doch auch in Ostbelgien tat sich so einiges. Neben der Gründung der Stundenblume expandierte im besagten Jahr die VoG Wohngemeinschaft ihren Sitz hier her nach Lommersweiler. Und seit einem Vierteljahrhundert ist sie von hier auch nicht mehr wegzudenken.

Werte Anwesende,

ist die Rede von einer WG, so denken viele Menschen zunächst an eine Studentenbude, in der sich gleich mehrere junge Menschen für ein paar Jahre eine kleine Wohnung teilen, um die Mietkosten möglichst gering zu halten.

Doch sieht man sich die hiesigen Räumlichkeiten an, so stellt man sehr schnell fest, dass die Zweckbestimmung wohl eine andere ist.

Denn als Mitte der 80er Jahre einige engagierte Eifler die Initiative ergriffen, die VoG zu gründen, war es ihr Ziel erwachsenen Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung ein Zuhause in einer ihnen vertrauten Umgebung mit einer familienähnlichen überschaubaren Struktur zu bieten. Und genau diesem Ziel ist sich die Wohngemeinschaft bis heute stets treu geblieben. Auf diese Weise ist sie über die Jahre hinweg zu Recht zu einem Vorzeigeprojekt in Ostbelgien geworden.

Ich selbst hatte und habe die Freude seit meinem Amtsantritt den einen oder anderen Bewohner der Wohngemeinschaft kennenzulernen und weiß demnach aus aller erster Hand um die fantastischen Rahmenbedingungen, die hier geboten werden und um die wertvolle Arbeit, die hier geleistet wird.

Doch ganz unabhängig von dieser tollen Einrichtung und dem Engagement ist während der vergangenen Jahre oder gar Jahrzehnte der Bedarf an angepasstem Wohnraum unaufhaltsam gestiegen.

So gab die heutige Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben 2013 den Anstoß zu einer Erweiterung der bestehenden Räumlichkeiten. Damit rannten sie quasi offene Türen ein und so waren die Verantwortlichen der Wohngemeinschaft recht schnell von dem Vorhaben überzeugt. Immerhin kann auf diese Weise der bislang herrschenden Platznot ein Ende geboten werden.

Denn dadurch, dass hier sowohl eine parallele Betreuung als auch Kurzaufenthalte angeboten werden, konnte es mitunter eng werden.

Es musste also ein Anbau her, der den Bedarfen der Bewohner sowie der hier Beschäftigten gerecht wird und darüber hinaus auch weiteren Menschen mit Beeinträchtigung ein Zuhause bieten kann.

Eine Initiative, in die wir als Regierung gleich von Beginn an involviert waren und von deren Mehrwert wir bis heute mehr als überzeugt sind. So ist es nicht verwunderlich, dass der Löwenanteil dieses Vorhabens mit 80 Prozent durch die Deutschsprachige Gemeinschaft getragen wird.

Für die restlichen 20 Prozent muss die Wohngemeinschaft selbst aufkommen. Wobei ich an dieser Stelle die bemerkenswerte Spendenbereitschaft vieler Unterstützer und Gönner hervorheben möchte. Ihnen gilt in meinen Augen ein ganz besonderer Dank. Dadurch leisten Sie einen Beitrag zur Zukunft der Wohngemeinschaft.

Doch ich möchte an dieser Stelle weder lange auf die Finanzierung noch auf die Projektplanung und die Bauphase eingehen. Denn sieht man sich den fertigen Anbau an, so spricht dieser zweifelsohne für sich. Ein jeder kann sich heute davon überzeugen, was für ein Mehrwert hier geschaffen wurde. Die einstige Scheune ist hellen, einladenden Schlafzimmern und Aufenthaltsräumen gewichen, wodurch die Wohnfläche beinahe verdoppelt werden konnte.

Doch so schön dies auch ist: die Infrastruktur alleine macht noch lange kein „Zuhause“ daraus. Denn wie sagt man so schön:

„ Stein und Mörtel bauen ein Haus. Geist und Seele schmücken es aus.“

Demnach gilt es nun dem Anbau eben diesen Geist und diese Seele zu schenken. Und wodurch könnte dies wohl besser gelingen als durch den Einzug neuer Bewohner und die Begeisterung engagierter Mitarbeiter.

Dabei wünsche ich der Wohngemeinschaft alles Gute und viel Erfolg. Ich bin mir sicher, dass Sie auch in den kommenden 25 Jahren hier hervorragende Begleitung ermöglichen werden und vielen Menschen mit Beeinträchtigung einen Rückzugsort, ein Zuhause und auch einen Lichtblick in ihrem Leben bieten werden.

Ihnen allen wünsche ich noch einen schönen Sonntagnachmittag und viel Vergnügen mit der Band „La Recherche“. Ich muss zugeben ich bin bereits seit Jahren begeisterter Fan und weiß demnach, was Sie erwartet.

Leider kann ich das Konzert heute nicht bis zum Ende verfolgen, da ich gleich noch Ihre Kollegen der beschützenden Werkstätte Meyerode bei ihrem Tag der offenen Türe besuche. Denn auch wenn immer behauptet wird, man könne nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen, möchte ich es heute nicht unversucht lassen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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