Parlament / Reden & Parlament

Hautkrebsrisiko durch intensive direkte Sonnenstrahlung


Es gilt das gesprochene Wort!

13.06.2018

Interpellation Hautkrebsfälle (1.1 MiB)

Sehr geehrter Herr Ausschussvorsitzender,

Kolleginnen und Kollegen,

der Monat Mai war der wärmste Mai seit 1901. Wenn es warm ist, dann halten sich gerade in unseren Breitengraden viele Menschen im Freien auf, um von den sonnigen Temperaturen zu profitieren.

Dabei ist allerdings Vorsicht geboten. Denn setzen wir unsere Haut intensiver direkter Sonnenstrahlung aus, so gehen wir damit das Risiko ein, dass sich Hautkrebs entwickeln könnte.

Angesichts dieses Risikos ist von übertriebenem Sonnenbaden ohne Sonnenschutz in jedem Fall abzuraten.

Ist die Rede von Hautkrebs, so ist meist ein Melanom gemeint. Dies ist die häufigste Form von Hautkrebs, die meist durch zu hohe UV-Strahlung verursacht wird. Belgienweit liegen die Inzidenz sowie die Mortalität bei betroffenen Männern in den Küstenregionen am höchsten. Die Deutschsprachige Gemeinschaft liegt unter dem nationalen Durchschnitt. Trotzdem ist Vorsicht geboten.

Bei den Frauen hingegen lässt sich ,im Vergleich zur Wallonie und den anderen Regionen Belgiens, in der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine leicht höhere Inzidenzrate beobachten.

Die Inzidenzrate bei Frauen ist generell höher als bei Männern.

Beim Mann findet man größtenteils Melanome am Rumpf, wohingegen bei der Frau häufig die unteren Gliedmaßen betroffen sind.

Das durchschnittliche Alter, in dem ein Melanom diagnostiziert wird, liegt bei Männern bei 59 und bei Frauen bei 55 Jahren.

Aus den Zahlen des Krebsregisters wird allerdings ebenfalls ersichtlich, dass die Generation der heute 35-Jährigen durch ihr Sonnenverhalten ein höheres Hautkrebsrisiko aufweist als es bei vorangegangene Generationen der Fall ist.

Diese Feststellung betrifft insbesondere junge Frauen im Alter von 15-29 Jahren. Hier ist Hautkrebs mit 21 % bereits die häufigste Krebserkrankung.

Prognosen zur Folge, ist von einem jährlichen Zuwachs auszugehen. Die Rate liegt hier für beide Geschlechter bei etwa 5%.

Demnach steht eines fest: Die Anzahl Diagnosen wird bis 2025 weiterhin steigen.

Dies betrifft nicht nur Ostbelgien. Auch in den anderen Landesteilen ist mit diesem  zu rechnen .

Neben Prävention gilt es insbesondere auch auf Früherkennung zu setzen. Denn für eine erfolgreiche Genesung ist eine frühe Diagnose besonders wichtig. 90% aller Melanome werden bereits in einem frühen Stadium diagnostiziert. Die Überlebensrate bei einer Früherkennung liegt in Nord- und Mitteleuropa bei ca. 88%.

  • Was wird in Ostbelgien zur Prävention unternommen? Gibt es im Rahmen der Präventionswoche in Ostbelgien ebenfalls Aktionen?

So aktuell und besorgniserregend die Ausbreitung von Hautkrebs auch ist, man kann niemandem vordiktieren wie er sich verantwortungsvoll mit der Sonnenstrahlung zu verhalten hat.

Zahlreiche Präventionsakteure weisen bereits seit geraumer Zeit auf die Risiken durch Sonnenstrahlen hin. Doch letzten Endes ist es jedem selbst überlassen wie er sich verhält. Immerhin kann man niemandem vorschreiben Sonnencreme aufzutragen oder bei starker Sonneneinstrahlung eine Kopfbedeckung zu tragen.

In der Hoffnung, dass die Menschen ein Bewusstsein entwickeln, können wir die Bevölkerung lediglich immer wieder für die Thematik sensibilisieren.

Ein Melanom entwickelt sich nicht von heute auf morgen.

Somit lässt sich durchaus behaupten, dass das Verhalten von heute einen Einfluss auf die Gesundheit von morgen hat.

Das gilt auch für die Folgen von überhöhtem Tabak- oder Alkoholkonsum, von schlechten Essgewohnheiten oder mangelnder Bewegung.

„Wir legen heute die Grundlage unserer Gesundheit von morgen.“

Diese Maxime gilt für auch die Präventionskampagnen.

Einer aktuellen Umfrage zur Folge, die das Sonnenschutzverhalten von Frauen erfasst, schützen sich lediglich 3% der Frauen gar nicht. 79% benutzen Sonnenschutzcreme und sogar 43% geben an adäquate Kleidung zu tragen.

Die Entwicklung von Hautkrebs verursacht auch für den Staat Kosten. Die flämische Tageszeitung „de Standard“ hob beispielsweise hervor, dass allein durch den Gebrauch von Sonnenschutzmitteln und ein Verbot von Solarien jährlich 300 Millionen Euro in der  Gesundheitsversorgung eingespart werden könnten.

Wie Sie sehen, handelt es sich um eine durchaus spannende aber auch sehr komplexe Thematik.

Noch nie standen unseren Bürgern so viele Informationen über Verhaltensweise und Hilfsmittel zur Verfügung wie jetzt.

Ob die Aktionen der Präventionsdienstleister Langzeitwirkungen erzielen werden, dies wird sich allerdings erst in den nächsten Jahren herausstellen.

Auch in unserem neuen Gesundheitsförderungskonzept vertreten wir die Meinung, dass Gesundheitsförderung nur dann fruchten kann, wenn man sie langfristig vorsieht.

Aus diesem Grund habe ich dafür plädiert, dass die Schwerpunkte der Gesundheitsförderung in Ostbelgien über 5 Jahre gelten.

Diese wurden anhand von Fachstudien erstellt und unterliegen dem positiven Gutachten des Beirates für Gesundheitsförderung.

Unter den Schwerpunkten ist die Prävention von Hautkrebs im Fokus der Gesundheitskompetenz zu betrachten.

Die Prävention von Hautkrebs kann somit verteilt über das ganze Jahr, ungeachtet der Melanomkampagne, erfolgen.

Dennoch sollte die Kampagne nicht klein geredet werden.

Die Ärzte und der Patientenrat und Treff (PRT) nehmen daran teil.

Diese Kampagne hat zum Ziel, die Kenntnisse über Hautkrebs, die Vorbeugung und Früherkennung sowie die Behandlung zu verbessern.

Die hiesigen Hautärzte beteiligen sich freiwillig daran, kostenlose Hautuntersuchungen  anzubieten.

Die Sprechstunde läuft im 10 Minuten-Takt und mit vorheriger Anmeldung beim PRT.

Beworben wird die Aktion über die Medien, Flyer und das Internet.

Auch in diesem Jahr fanden übrigens die Untersuchungen im Norden sowie im Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft statt.

Alle vorgesehenen Termine waren ausgebucht.

Im Vergleich zur vorangegangenen Kampagne war dies eine Steigerung und kann somit als Erfolg bezeichnet werden.

Unterzogen sich in 2016 67 Bürger der Untersuchung, so waren es in dieses Jahr bereits 90 Personen.

Unsere Absicht ist, diese Aktion auszudehnen, sodass noch mehr interessierte Bürger die Untersuchung in Anspruch nehmen können.

  • Wird u.a. auch auf die Problematik von Sonnenschutzcremes mit Nanopartikeln und chemischen Lichtschutzfiltern hingewiesen?
  • Auf der Website der Verbraucherschutzzentrale sind Ratschläge zum Sonnenbaden zu finden, allerdings konnten wir keine Informationen bezüglich der Schädlichkeit von chemischen Filtern bzw. Nanopartikeln in Sonnencremes finden. Was wird zur Aufklärung diesbezüglich getan?

In einer Ihrer Fragen wollen Sie wissen, ob in Ostbelgien über den Einsatz bestimmter Inhaltsstoffe in Sonnenschutzcremes informiert wird.

Kosmetische Produkte mit Nanopartikeln sind relativ neu auf dem Markt. Langzeitstudien liegen dazu noch nicht vor.

Es gibt Wissenschaftler, die dem Einsatz von Nanopartikeln kritisch gegenüber stehen. Zu erwähnen wäre zum Beispiel der Toxikologe Jan Tytgat von der KU Leuven, der in Tierversuchen bestätigte, dass eine hohe Konzentration dieses Stoffes gesundheitsschädlich sein kann.

Allerdings sei die Konzentration von Stoffen wie Oxybenzon in Sonnencreme so gering, dass dies keine Gesundheitsgefährdung darstelle. Dies unter anderem aufgrund der Vorgabe der EU-Kommission, die Konzentration von Nanopartikel-Stoffen wie Oxybenzon von 10% auf 6% zu reduzieren.

Das bedeutet, dass es bis heute keine ausreichende Belege dafür gibt, dass Stoffe wie Oxybenzon in geringen Mengen die Gesundheit gefährden. Im Sinne des Vorsorgeprinzips hat die Öffentliche Hand reagiert und die Konzentration dieser Inhaltsstoffe reguliert.

Ich will aber an dieser Stelle nicht über das Pro und Contra von Nanopartikel in Sonnencremes streiten. Das ist eine Diskussion für die Wissenschaft.

Ich werde allerdings die VSZ auf diese Thematik aufmerksam machen und sie bitten, sich mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinanderzusetzen und gegebenenfalls zu reagieren.

Der Belgische Hohe Rat für Gesundheit schlägt übrigens vor, dass eine Inventarliste für Produkte mit Nanopartikeln erstellt wird, auf Grundlage dessen eine Risikoanalyse stattfinden kann. Vom Hohen Rat selbst gab es bisher allerdings keine Empfehlung, entsprechende Sonnencremes zu meiden. An den Empfehlungen des Hohen Rates orientieren sich die Präventionsdienstleister, die Deutschsprachige Gemeinschaft und auch die meisten Ärzte.

  • In Ostbelgien gibt es kein auf Krebs spezialisiertes Krankenhaus. Wie steht es um die Aus- und Weiterbildung der Dermatologen?

Es stimmt, dass in der DG kein auf Krebs spezialisiertes Krankenhaus gibt. Die beiden Krankenhäuser bieten beide eine Basisversorgung im Bereich der Onkologie an und arbeiten für spezialisierte Angebote mit Krebsspezialisten aus anderen spezialisierten Kliniken zusammen.

Die Dermatologen in Ostbelgien folgen jedoch regelmäßig Aus-und Weiterbildungen. Insbesondere dann, wenn neue Studien und wissenschaftliche Beiträge sowie neue Erkenntnisse in diesem Bereich veröffentlicht werden.

Was den Aufbau eines Netzwerks für die Früherkennung und die Behandlung von Krebs angeht, bin ich zuversichtlich, dass wir im Rahmen der Partnerschaft mit dem CHC und des transnationalen Netzwerkens im Verbund mit dem Uniklinikum Aachen Fortschritte machen werden.

Dies wird allerdings nicht von heute auf morgen erfolgen, auch wenn unsere beiden Krankenhäuser intensiv daran arbeiten.

  • Wie steht die Regierung der weniger weit verbreiteten Theorie gegenüber, dass gemäßigter Sonnenkonsum eine positive Rolle bei der Prävention von Krebs spielen kann?
  • Gibt es Informationsbroschüren o.ä. bzgl. des vielfältigen Nutzens von Vitamin D für die Bürger Ostbelgiens?

Es liegen durchaus auch genetisch bestimmende Risikofaktoren für Hautkrebs vor.

Menschen mit roten oder hellen, blonden Haaren, neigen generell schneller zu einem Sonnenbrand und tragen ein höheres Risiko an Hautkrebs zu erkranken.

Besonders vorsichtig sollte man bei Kindern sein, da eine unverhältnismäßig hohe Sonnenbestrahlung während der Kindheit zu einem  lebenslänglich erhöhtem Risiko von Hautkrebs führt.

Plötzliche, intensive und direkte Sonnenbestrahlungen sollten unbedingt vermieden werden. Außerdem sollte man die starke Sonneneinstrahlung während der Mittagsstunden nicht unterschätzen.

Generell gilt es, Sonnenbrände und Hautrötungen zu verhindern.

Kleidung ist der beste Schutz gegen intensives Sonnenlicht, wobei dunkle Kleidung einen besseren Schutz als helle Kleidung bietet.

Der Stoff sollte möglichst dicht gewebt sein und mit zertifiziertem UV-Schutz.

Es ist empfehlenswert, einen breitrandigen Hut und eine Sonnenbrille zu tragen (weil UV-Strahlen auch für die Augen schädlich sind).

Für die Kleinkinder sind mittlerweile Badekleidungen mit Sonnenschutz erhältlich.

Auch hier steht die Vorbeugung im Mittelpunkt. Es gilt zu vermeiden, dass sich über die Sonnenexposition eine Gesundheitsgefahr für die Betroffenen ergibt.

Eine mäßige Sonnenexposition, unter Beachtung der grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen, kann aber auch zu einer guten Gesundheit beitragen.

Denn Personen, die nur wenig der Sonne ausgesetzt sind, haben ein höheres Risiko einen Vitamin-D-Mangel zu entwickeln. Vitamin D ist wichtig für den Knochenaufbau. Knochenleiden ist die einzige durch Studien belegte unbestrittene Folge eines Vitamin D-Mangels. Zu allen anderen möglichen Folgen fehlen zum jetzigen Zeitpunkt ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse.

In den dunklen Wintermonaten reichen die für die Bildung des Hormons verantwortlichen UV-B-Strahlen nicht aus. Dieser Umstand verursacht die sogenannte „Winterdepression“.

Die Vitamin-D-Einnahme über Ergänzungsmittel bedarf übrigens ärztlicher Betreuung und sollte nicht eigenmächtig erfolgen.

Eine Überdosierung verursacht schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen. Um eine Überdosierung und somit eine Vitamin-D-Hypervitaminose zu vermeiden, sollte nur nach einer Blutanalyse und durch die Verschreibung des Arztes ein Vitamin D-Präparat eingenommen werden.

Alle Vitamin D-Präparate, die ohne Verschreibung in den Apotheken erhältlich sind, sind niedrig dosiert, sodass eine Überdosierung unwahrscheinlich ist.

Apothekern und Hausärzten kommt somit eine wichtige Rolle zu.

Sie verabreichen grundsätzlich nicht gleich ein Präparat oder ein Verschreibung, sondern handeln im Sinne des Patienten.

Diese Beratung wird auch künftig nicht durch eine Informationsbroschüre ersetzen werden können.

Aus diesem Grund ist mir als Gesundheitsminister der vertrauensvolle Umgang zwischen den Fachleuten und unserer Bevölkerung besonders wichtig.

Ich hoffe, alle Ihre Fragen eingehend geantwortet zu haben und bedanke mich für die Aufmerksamkeit!

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Schrift vergrößernSchrift verkleinernStandard