Reden / Reden & Parlament

Veranstaltung zum Thema Menschenhandel und Diskriminierung


Es gilt das gesprochene Wort!

08.06.2018

Veranstaltung Zum Thema Menschenhandel & Diskriminierung (174.0 KiB)

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich möchte Sie alle recht herzlich willkommen heißen. Es freut mich, dass Sie unserer Einladung zur Informations- und Bildungsveranstaltung zu den Themen Diskriminierung und Menschenhandel so zahlreich gefolgt sind.

Ein ganz besonderes Dankeschön gilt den heutigen Experten von Unia, dem Institut für die Gleichheit zwischen Männern und Frauen, von Süryia sowie Prisma. Sie werden dafür sorgen, dass Sie im Vormittag informiert und sensibilisiert werden und sich im Nachmittag die eine oder andere Hilfestellung für ihren Arbeitsalltag abholen können.

An dieser Stelle auch ein Dankeschön an die Dolmetscher, die heute für eine reibungslose Verständigung sorgen werden.

Liebe Anwesende,

beginnen möchte ich meinen kurzen Redebeitrag mit ein paar konkreten Fallbeispielen:

  • Im Unterrichtswesen weigert sich ein Schuldirektor die Kandidatur eines Sportlehrers anzusehen, welcher bereits mehrere chirurgische Eingriffe am Knie hatte.
  • Sie sind Verantwortlicher des Personaldienstes einer Gemeindeverwaltung. In der Abteilung des Standesamtes verweigert eine Beamtin aufgrund ihrer religiösen Überzeugung die Heiratsurkunde eines gleichgeschlechtlichen Paares zu unterzeichnen.
  • Ein Mitarbeiter sagt seiner Kollegin: „Frauen sind einfach nicht so geeignet wie Männer für Führungspositionen.“
  • Auf einer Baustelle lernen Sie einen ausländischen Arbeiter kennen. Im Gespräch erwähnt er seine sich ständig wiederholende, lange Arbeitswoche von 60 Stunden und dass er gerne zurück in seine Heimat möchte, jedoch keine Ausweisdokumente mehr besitzt.

Ihnen allen sind diese Fälle sicher noch aus unserer Umfrage bekannt, die wir im Vorfeld der heutigen Veranstaltung durchgeführt haben. Wir wollten darin von Ihnen wissen, wie Sie diese Situationen spontan analysieren und wie Sie sich in der Praxis verhalten würden. Ein kleines Vögelchen hat mir gezwitschert, dass einige von Ihnen sich etwas unsicher darüber waren, ob die Antworten auch richtig waren.

Auch ich muss gestehen: ich bin mir nicht immer sicher, die passende Antwort geben zu können.

Ist es wirklich eine Diskriminierung, wenn ein Mann seiner Kollegin sagt, dass er Frauen als Führungspositionen für weniger fähig hält als Männer? Kann man bei dem Arbeiter auf der Baustelle einen Fall von Menschenhandel vermuten? Ist es nicht vielleicht ein Stück weit nachvollziehbar, keinen Sportlehrer einstellen zu wollen, der aufgrund mehrerer  Operation vielleicht nicht selbst mehr an allen Sportaktivitäten teilnehmen kann ?

Alle diese Fragen lassen sich nicht so einfach beantworten und sind letzten Endes auch immer ein Stück weit Auslegungssache- insbesondere wenn der Fall nicht ganz klar ist.

Aber es ist auch nicht schlimm, falls nicht jeder von Ihnen diese Fragen direkt und ohne zu zögern beantworten kann. Denn genau deshalb sind wir heute hier und genau deshalb haben wir heute auch unsere Experten mit dabei!

Sehr geehrte Damen und Herren,

beinahe täglich erfahren wir in den Medien von Fällen der Diskriminierung oder des Menschenhandels. Und wenngleich die Zahlen aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Vergleich zu denen der inländischen Partner durchaus überschaubar sind: Diskriminierung gibt es auch bei uns! Und auch – oder besonders – Menschenhandel macht nicht vor Landes- oder Sprachengrenzen halt.

Nicht nur die Politik, sondern auch gesellschaftliche Stakeholder rufen immer wieder das hehre Ziel einer Gesellschaft der Chancengleichheit oder Chancengerechtigkeit aus! Für jeden Menschen. Herkunft, Alter, Geschlecht, mögliche Beeinträchtigungen, der Glaube, die sexuelle Orientierung…all diese Bestandteile gehören zu einem Menschen, sie machen ihn zu dem was er ist…aber sie dürfen ihn nicht daran hindern, ein Leben in Selbstbestimmung zu führen. Auch die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft hat sich dies zur Aufgabe gemacht!

Diskriminierung und Menschenhandel stellen große Hürden auf dem Weg zu einer Gesellschaft der Chancengerechtigkeit dar. Diese möchten wir gemeinsam mit Ihnen meistern bzw. überwinden. Heute machen wir in meinen Augen einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Denn im Anschluss an die Vorstellung der jeweiligen Akteure erfahren wir, was eine Diskriminierung ist und welche zahlreichen Formen sie annehmen kann. Und vor allem, ab wann eine Diskriminierung strafbar ist. Außerdem werden wir uns eingehend mit dem Thema Menschenhandel befassen!

Von unserer Zusammenkunft versprechen wir uns so einiges. Denn Sie alle sind durch ihren Beruf tagtäglich mit Menschen in Kontakt. Sie lernen deren Probleme kennen, befassen sich damit und bemühen sich um eine Lösung. Es ist deshalb von unschätzbarem Wert, dass wir Ihnen die richtigen Instrumente mit an die Hand geben und sie mit den kompetenten Ansprechpartnern in Verbindung bringen, um die besten Lösungen zu finden

Die heutige Veranstaltung kann dann als ein voller Erfolg bezeichnet werden, wenn Sie im Anschluss nach Hause gehen und künftig in der Lage sind, im Gespräch mit ihren Klienten oder in den verschiedenen Situationen ihres Arbeitsalltages eine Diskriminierung oder einen Verdachtsfall von Menschenhandel zu identifizieren und entsprechend zu reagieren oder die richtigen Ansprechpartner zu Rate zu ziehen.

Leider kann ich nicht den ganzen Vormittag bleiben. In Hergenrath wird nachher der Grundstein für unsere dritte Kinderkrippe in Ostbelgien gelegt – ein weiterer wichtiger Meilenstein für die Familien in Ostbelgien. Ihnen allen wünsche ich einen arbeitsintensiven Tag und viele interessante Diskussionen

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