Reden / Reden & Parlament

Pilotprojekt Eltern-Kind-Bildung


Es gilt das gesprochene Wort!

30.05.2018

Pilotprojekt Eltern-Kind-Bildung Kaleido (135.4 KiB)

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute vor genau 109 Jahren kam Benny Goodman in Chicago zur Welt. Goodman war einer der größten Jazzmusiker seiner Zeit und ging als „King of Swing“ in die Musikgeschichte ein.

Sie werden sich nun sicherlich fragen, warum ich Ihnen auf einer Infoveranstaltung zur Eltern-Kind-Bildung von einer Jazzlegende erzähle? Ich will es ihnen sagen:

Goodman wurde in erster Linie durch Interpretationen von Fremdkompositionen bekannt.

Dabei kopierte er die Werke anderer Künstler nicht einfach, sondern er schrieb sie so um, dass Sie seinem Stil und seinen Vorstellungen entsprachen und fand sich dabei in den Geschmäckern seiner Fans wieder.

So ähnlich ist es auch mit dem Pilotprojekt der Eltern-Kind-Kurse. Eine Initiative auf die wir, beziehungsweise Herr Kohnen im österreichischen Feldbach gestoßen ist und von der sowohl die Regierung als auch die Mitarbeiter und der Verwaltungsrat von Kaleido recht schnell überzeugt waren.

Wir stellen also fest: hin und wieder lohnt sich ein Blick über die Landesgrenzen hinaus. Getreu dem Motto: „Man muss das Rad nicht unbedingt neu erfinden, aber man kann es runder laufen lassen.“

Denn was in Feldbach bereits seit einiger Zeit erfolgreich durchgeführt und erarbeitet wird, lässt sich auch bei uns in Ostbelgien machen – natürlich auf unsere besondere Situation und die Bedürfnisse unserer Bürger angepasst.

Immerhin sind die Herausforderungen, denen Eltern in der heutigen Zeit ausgesetzt sind, vielerorts dieselben.

Von der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zu den schlaflosen Nächten aufgrund der ersten Zähne oder kleinerer Erkrankungen stehen alle mehr oder minder vor den gleichen Aufgaben. Wenngleich man die Kindheit nicht verallgemeinern kann und jede Entwicklung ihren eigenen Verlauf nimmt.

Fragt man Eltern nach ihren schönsten Momenten im Leben, so wird in den meisten Fällen die Geburt der Kinder genannt, wobei es da wohl in erster Linie um den ersten Augenblick geht, in dem man den oder die Kleine zum ersten Mal in den Armen hält.

Doch bei vielen jungen Eltern geht mit diesem Glücksgefühl ebenfalls sehr schnell die Angst vor Überforderung einher. Denn wer Vater oder Mutter ist, trägt automatisch auch eine enorme Verantwortung. In solchen Situationen wünschen sich zahlreiche Mütter oder Väter eine kleine Hilfe.

Und hier setzt das Pilotprojekt der Eltern-Kind-Bildung nahtlos an. Dabei geht es jedoch keineswegs darum, die Eltern zu bevormunden, ihnen zu erklären, wie sie ihr Kind zu erziehen haben. Nein, vielmehr sollen die Eltern in Ihrer Erziehungsarbeit unterstützt und ihre Kompetenzen gestärkt werden. Durch eine fachgerechte Beratung erhalten sie somit das nötige Rüstzeug für den schönen, aber langen Erziehungsweg ihrer Kinder.

Ist die Rede von Eltern-Kind-Bildung, so stellt man sich zunächst natürlich auch die Frage, ob man es wirklich erlernen kann/muss „Vater oder Mutter zu sein“.

Ich persönlich denke schon, dass man sich gewisse elterliche Kompetenzen aneignen kann. Wobei neben der Eltern-Kind-Bildung natürlich insbesondere auch die Eltern-Kind-Bindung eine extrem wichtige Rolle spielt.

So ist es doch letzten Endes die elterliche Liebe, die Kindern das Gefühl von Geborgenheit, Vertrauen und auch von Zuversicht vermittelt. Werte wie Respekt und Toleranz, Mut und Optimismus bekommt man im Leben nicht einfach in die Wiege gelegt, sondern es sind zumeist die Eltern, die diese fördern und im Alltag vorleben.

Wir sind uns sicherlich alle einig, dass die Kindheit wohl die prägendste Zeit im Leben eines Menschen ist. Ich möchte nicht bestreiten, dass auch andere Lebensabschnitte von großer Bedeutung sind und dennoch glaube ich, dass die Zeit als Kind einen Menschen in seinem späteren Handeln beeinflusst. Charakterzüge kristallisieren sich heraus und Lebensansichten werden definiert. In der Kindheit werden die Voraussetzungen für eine gute Entwicklung geschaffen.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Bindung zwischen den Kindern und den Eltern möglichst stark ist. Sowohl Papa als auch Mama müssen ihrer Rolle in der Erziehung und Begleitung des Kindes gerecht werden. Aus diesem Grund sollten sowohl Väter als auch Mütter an den künftig angebotenen Kursen teilnehmen. Da für die Kinderbetreuung während der Kurse bestens gesorgt ist, dürfte dem nichts im Wege stehen.

Werte Anwesende,

im Grunde sind das Familienleben und die damit verbundenen Aufgaben schon ein Fulltimejob. Und dennoch sind darüber hinaus in vielen Familien beide Elternteile berufstätig. Dies stellt Väter und Mütter vor zusätzliche Herausforderungen. Die Ansprüche an die Eltern wachsen unermüdlich. Der Druck steigt. Der Wunsch nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf war zweifelsohne nie so groß wie in der heutigen Zeit.

In der Folge ist es also nur logisch, dass wir als Regierung ununterbrochen in die Unterstützung von Familien investieren und stets auf der Suche nach Initiativen sind, die Eltern in ihrem Alltag unter die Arme greifen.

So habe ich es mir zu meinem politischen Ziel gemacht, bis zum Jahr 2025 den Bedarf an Kinderbetreuung in Ostbelgien zu 100 Prozent du decken. Denn nur wer seine Kinder in guten Händen weiß, kann morgens auch guten Gewissens zur Arbeit fahren.

Es freut mich demnach sehr, nächste Woche gemeinsam mit den Gemeindeverantwortlichen von Kelmis, Raeren und Lontzen den Grundstein für eine neue Kinderkrippe in Hergenrath zu legen. Erwähnenswert ist an dieser Stelle sicherlich auch, dass wir in der Planung für die Erweiterung der Krippe hier in Sankt Vith und auch in Eupen stecken. Außerdem starten wir in naher Zukunft mit dem Bau eine Kinderkrippe für den öffentlichen Dienst. Und wo wir schon mit so gutem Beispiel voran schreiten, treffen wir darüber hinaus derzeit die nötigen Maßnahmen für die Einrichtung einer Betriebskrippe im East-Belgium Park.

Sie hören also, im Bereich der Kinderbetreuung tut sich einiges.

Doch nicht nur hier – vor einigen Wochen konnten wir ein wichtiges Dekret im Parlament verabschieden. Nämlich das der künftigen Kindergeldregelung. Dieses umfasst alles in allem rund 36 Millionen Euro für das Jahr 2019 und ist demzufolge eines der umfangreichsten meiner bisherigen politischen Laufbahn.

Im Vergleich dazu sind die Kosten des Pilotprojektes der Eltern-Kind-Bildung recht überschaubar. Doch der Wert einer Initiative lässt sich keineswegs an dessen Kosten definieren. Ich bin mir sicher, dass die künftig angebotenen Module im Rahmen der Kurse für die teilnehmenden Eltern einen sehr großen Mehrwert darstellen werden. Durch die Eltern-Kind-Kurse werden die angehenden Familien nachhaltig gestärkt und erfahren eine unbezahlbare Unterstützung.

Werte Gäste,

Fakt ist: die Kinder,- Jugend- und Familienfreundlichkeit ist in Ostbelgien ein zentrales Thema. Ich bin der Überzeugung, dass Familien das Fundament unserer Gesellschaft bilden. Und genau dieses Fundament wollen wir auch in Zukunft weiterhin festigen.

In diesem Sinne möchte ich mich bei Kaleido dafür bedanken, dass Sie mit so viel Herzblut dieses Projekt angepackt haben und wünsche uns allen noch einen interessanten und erkenntnisreichen Abend.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Tags: , ,
Schrift vergrößernSchrift verkleinernStandard