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40 Jahre Weltladen – 40 Jahre fairer Handel


Rede von Antonios Antoniadis, Minister für Familie, Gesundheit und Soziales, anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Weltladens in der DG

Es gilt das gesprochene Wort!

01.05.2018

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir feiern heute den Erfolg von 40 Jahren „Weltladen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft“ und somit den Erfolg von 40 Jahren fairen Handels in Ostbelgien. Ein Erfolg, der in erster Linie durch die Leistungen engagierter Bürger und Bürgerinnen zustande kommt. Der Erfolg vieler guter Ideen und Initiativen.

Dieser Erfolg zeigt uns, dass Nachhaltigkeit funktioniert. Dass Entwicklungszusammenarbeit Wirtschaft, Soziales und Umweltschutz Hand in Hand agieren können. Und dass es Spaß machen kann, sich für eine bessere Welt zu engagieren.

Die Herausforderungen sind enorm. Laut der Welthungerhilfe leiden 815 Millionen Menschen weltweit an Hunger. Die Weltbevölkerung wächst rasant weiter. Umweltzerstörung und Klimawandel schreiten voran.

Wir brauchen also einen Einstellungswechsel im Denken und im Handeln, weltweit, sowohl in den Industrieländern als auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern.

Nachhaltigkeit muss das Leitprinzip schlechthin werden! Wir brauchen ein neues Wohlstandsmodell, das zwar auf mehr Lebensqualität setzt, jedoch in Verbindung mit weniger Ressourcenverbrauch. Nachhaltigkeit bedeutet eine gerechte Verteilung von Lebenschancen weltweit.

Der Faire Handel ist dabei ein Vorbild, wie eine bessere Welt aussehen kann:

  • Gute Produkte
  • Bildung
  • Arbeit, von der man leben kann
  • Respekt im Umgang mit der Natur
  • Sozialer Zusammenhalt

Werte Anwesende,

man könnte denken Ostbelgien sei zu klein um in diesen großen globalen Punkten etwas mitbewirken zu können.

Dem ist jedoch nicht so. Denn die Weltläden schaffen es hier seit nun mehr 40 Jahren den Fairen Handel auf den Weg in die ostbelgische Bevölkerung zu bringen. Und genau auf diesem Weg soll es auch in Zukunft weiter gehen.

Dabei leisten viele Initiativen einen wichtigen Beitrag. Ich denke hier beispielsweise an die faire Woche, die mit Unterstützung der Regierung und in Zusammenarbeit mit den Weltläden jährlich stattfindet.

Besonders wichtig am Fairen Handel ist nämlich der faire Preis. Er ist es, der den Produzenten Planungssicherheit gibt und ihnen entscheidende Investitionen ermöglicht. Zum Beispiel in Grundbildung, in ein sicheres Arbeitsumfeld oder in die Umstellung auf biologischen Anbau.

Davon profitieren derzeit schon über eine Millionen Kleinbauern in Afrika, Asien und Lateinamerika. Es müssen aber noch viel mehr werden. Die Produzenten zu stärken, das ist ein zentrales Anliegen! Gerade wir, die im ländlichen Raum leben, haben einen besonderen Zugang zu diesem Ziel. Vorbildlich finde ich deshalb den Schulterschluss, den die faire Stadt Eupen mit den Weltläden und unsere lokalen Produzenten gesucht hat.

Meine Damen und Herren,

der faire Preis ist es auch, der existenzsichernde Löhne für die Beschäftigten ermöglicht.

Es darf nicht sein, dass beispielsweise auf Bananenplantagen und in Textilfabriken Hungerlöhne bezahlt werden und Menschen unter unwürdigen Bedingungen arbeiten. Dass Unternehmen auf dieser Basis im Wettbewerb stehen und Profite machen. Und dass wir in Belgien uns dann freuen, wenn wir Waren aus Entwicklungsländern zu Spottpreisen kaufen können.

Genau vor einer Woche, am 24. April, jährte sich die Katastrophe von Rana Plaza zum fünften Male. Eine Katstrophe wie der Einsturz dieser Textilfabrik in Bangladesch, bei der 1.134 Menschen ums Leben kamen, darf sich niemals wiederholen und sollte uns allen an dieser Stelle als Mahnung im Gedächtnis bleiben.

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Verantwortlichen der Weltläden verkaufen nicht nur faire Waren – sie vermitteln auch wichtige entwicklungspolitische Zusammenhänge! Das ist die Grundlage dafür, den Fairen Handel in die Breite zu tragen.

Als zuständiger Minister für Entwicklungszusammenarbeit bin ich stolz darauf, dass der Weltladen hier in Ostbelgien bereits so lange so wertvolle und nachhaltige Arbeit leistet.

Durch ihre Filialen schaffen Sie es einen direkten Draht zwischen den Produzenten und den Menschen bei uns herzustellen.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt:

„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Ich denke diese Worte treffen den Nagel auf den Kopf. Besser könnte man den fairen Handel wohl nicht beschreiben.

Wenn eine globale und nachhaltige Entwicklung gelingen soll, dann müssen wir alle zusammen viele kleine Schritte tun. Niemand hat ein Patentrezept für die Entwicklungszusammenarbeit. Aber der faire Handel zeigt eindrucksvoll, dass der Konsument sehr viel dafür tun kann. Und das feiern wir heute!

Bevor ich nun den kleinen Schritt vom Rednerpulte zur Seite trete und Herrn Baumgarten das Wort überlasse, möchte ich abschließend den Verantwortlichen des Weltladen sowie allen ehrenamtlichen Helfern im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit für ihr Engagement und die Ausrichtung dieses tollen Jubiläums danken.

Ich wünsche allen Gästen noch einen unterhaltsamen, interessanten Nachmittag.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.

 

 

 

 

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