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Wellness für Sozialarbeiter


Es gilt das gesprochene Wort!

20.03.2018

Wellness Für Sozialarbeiter (127.0 KiB)

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich wünsche Ihnen allen einen schönen guten Morgen!

Über die Einladung habe ich mich sehr gefreut, muss aber zugeben: Ich habe mich vertan. Statt „Wellness für Sozialarbeiter“ habe ich – bewusst oder unbewusst – „Wellness für den Sozialminister“ gelesen. Spätestens beim Zusatz: „Was hält soziale Fachkräfte fit?“ war mir jedoch klar, heute wird es für mich keine Massage geben und auch keinen Brunch. Das ist aber kein Problem, ich bin dennoch gerne gekommen!

Heute unterhalten wir uns nämlich über die steigenden Herausforderungen und Drucksituationen im beruflichen und privaten Alltag. Und das betrifft nicht nur Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, sondern unsere ganze Gesellschaft.

Den Anforderungen aus dem privaten und beruflichen Alltag gerecht zu werden und im Idealfall beides unter einen Hut zu bekommen, ist für jeden eine Herkulesaufgabe, insbesondere aber für Menschen, die einen emotional anspruchsvollen Beruf ausüben.

Sie haben es vielleicht mitbekommen, aktuell wird auf föderaler Ebene diskutiert, was genau ein schwerer Beruf ist. Bei diesen Debatten geht es um die Frage, was denn nun anstrengender ist: in Schicht zu arbeiten oder den ganzen Tag vor einer Klasse von Schülern zu unterrichten? Oder sind doch die körperlich schweren Tätigkeiten am anstrengendsten? Das ist eine sehr emotionale Diskussion, bei der ein allgemeiner Konsens schwierig ist.

Worauf man sich aber bestimmt einigen kann: jeder Beruf bringt seine Herausforderungen mit sich und kann durchaus schwer sein und schwer wiegen.

Das gilt natürlich auch und insbesondere für den Beruf des Sozialarbeiters/Assistenten. Ein Job, der auf psychischer und emotionaler Ebene vieles abverlangt.

Das Berufsfeld eines Sozialarbeiters ist von Natur aus problembehaftet. Sozialarbeiter müssen mit Krankheit, Bedürftigkeit, Verlust oder anderen sensiblen Themen umgehen. Sie begleiten ihre Kunden über einen mehr oder weniger langen Zeitraum, lernen diese Menschen und ihre Probleme kennen, leiden und fühlen manchmal mit ihnen. Sie versuchen immer, gemeinsam mit dem Betroffenen nach Lösungen zu suchen – was nicht immer einfach ist und leider auch nicht immer gelingt.

Im Laufe der Begleitung wird der Sozialarbeiter für seinen Kunden zum zentralen Ansprechpartner. Es entsteht eine Bindung, ja sogar ein Vertrauensverhältnis. Und das ist gerade in diesem Beruf eine ganz entscheidende Voraussetzung.

Sozialarbeiter sind manchmal Übermittler von Botschaften, die sie vielleicht nicht selbst getroffen haben und mit denen sie auch nicht unbedingt einverstanden sind.

Dadurch können sie als Schuldige gesehen oder gar beschimpft und bedroht werden.

Und mit diesen Eindrücken und Belastungen klarzukommen ist nicht immer einfach. Wird der Druck zu groß, drohen auch ihm die Sorgenkinder Burn-Out, Überlastung und Schlafstörungen.

Das wirkt sich einerseits auf die Gesundheit der Sozialarbeiter aus, hat aber auch unmittelbaren Einfluss auf die Kunden, die sie betreuen. Fällt ein Sozialarbeiter aus, fehlt dem Betroffenen der Ansprechpartner und somit der Halt.

Wie sich das Abdriften in diesen Teufelskreis verhindern lässt, erfahren wir im Anschluss. Natürlich geht jeder Mensch auf seine eigene Weise mit Belastungen um, jeder hat ein anderes Ventil. Ein Patentrezept gibt es jedoch nicht. Aber es gibt wertvolle Ratschläge und Hilfen. Darauf wird Herr Dr. Kirschgens gleich in seinem Impulsreferat näher eingehen. Und wenn ich richtig informiert bin, können sie sich im Nachmittag auch ein eigenes Bild von den vielen praktischen Möglichkeiten machen.

Liebe Anwesende,

Prävention ist ein Schlüsselbegriff. Wir müssen unsern Sozialarbeitern den Rücken stärken, ehe sie an der schweren Last des Alltages zu zerbrechen drohen. Wie wichtig es ist, aktiv zu werden, ehe es schon zu spät ist, hat auch die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft erkannt. Wir haben ein eigenes Gesundheitspräventionskonzept erarbeitet. Dieses verfolgt den sogenannten Setting-Ansatz. Dabei sollen große Kernbereiche der Gesundheitsförderung auf die Ebene eines „Sets“, zum Beispiel eines Unternehmens, einer Schule oder der Familie herunterdekliniert werden.

Wir befinden uns hier und heute im Setting der Menschen aus Sozial- und Helferberufen. Deshalb unterstütze ich diese Veranstaltung im Namen der Regierung aus voller Überzeugung.

Und da es heute um Wellness im Sinne von Wohlergehen des Körpers und der Seele geht, möchte ich als zuständiger Minister auch meinen Beitrag zu Ihrem Wohlbefinden leisten, und meine Rede nun beenden. Aber nicht, ohne ihnen vorher zu danken.

Danke an die Organisatoren des Netzwerk Süd und Miteinander Teilen für die Veranstaltung der heutigen Tagung und Danke an Sie, liebe Gäste, für Ihr Erscheinen und Ihre Aufmerksamkeit!

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