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Verteilung von Jodtabletten


Es gilt das gesprochene Wort!

14.03.2018

10 Frage Und Antwort Jodtabletten (372.2 KiB)

Eines gleich vorweg: Jodtabletten schützen nicht vor einer atomaren Katastrophe. Sie können lediglich zur Vorbeugung gegen Schilddrüsenkrebs beitragen. Das Überleben und die Gesundheit der Menschen in einem nuklearen Ernstfall sind also keineswegs von den Jodtabletten abhängig.

Wenn allerdings die Möglichkeit besteht, gegebenenfalls das Risiko einer Erkrankung zu mindern, so sollte man von dieser auch Gebrauch machen.

Viel wichtiger ist es meiner Meinung nach jedoch, für hohe Sicherheitsstandards in den Kernkraftwerken zu sorgen, damit es erst gar nicht zu einem solchen Ernstfall kommen kann.

Die Verteilung von Jodtabletten war ursprünglich lediglich in einem Radius von 20 Kilometern um einen der belgischen Kernkraftreaktoren vorgesehen.

Der Hohe Rat für Gesundheit hatte im Jahr 2015 eine Ausdehnung des Sicherheitsradius auf 100 km empfohlen. Diesen Standpunkt des Hohen Rates habe ich geteilt und mehrfach in der Sache bei Innenminister Jambon und Gesundheitsministerin De Block interveniert.

2016 wurde dennoch bekannt, dass man von einer flächendeckenden Verteilung von Jodtabletten aus finanziellen Gründen absieht. Diese Entscheidung nahm ich zum Anlass, um erneut bei den zuständigen Stellen zu intervenieren.

Vor fast genau einem Jahr kündigte der Innenminister an, dass mit der Überarbeitung des föderalen Notfallplans nun doch alle Haushalte und Einrichtungen im Umkreis von 100 km Zugang zu kostenlosen Jodtabletten erhalten sollen.

Dazu habe ich bereits im Parlament, im Rahmen einer Frage von Herrn Servaty vom 8. Februar 2017, Stellung bezogen. Nachlesen können Sie dies in der Presseberichterstattung sowie in den Dokumenten des Parlamentes.

Der Notfallplan umfasst übrigens nicht ausschließlich die Verteilung von Jodtabletten, sondern sämtliche Vorkehrungen, die in einem nuklearen Ernstfall zu treffen sind. Dabei organisiert das Innenministerium die Maßnahmen, die auf föderaler, provinzialer und kommunaler Ebene getroffen werden. Also auf Ebene der Behörden, die im Bereich der „Sicherheit“ zuständig sind.

Die Deutschsprachige Gemeinschaft wurde bei der Erarbeitung dieses Notfallplans nicht einbezogen. Das liegt daran, dass wir keine Zuständigkeit in puncto Sicherheitspolitik haben.

Dennoch hätten wir unsere Meinung bei der Erarbeitung dieses Notfallplans gerne eingebracht. Es ist bedauerlich, dass wir nicht einbezogen wurden.

Der eigentliche Plan als solcher wurde erst vor kurzem, am Rande der Arbeitsgruppe zu den Gesundheitsberufen, vorgestellt.

Ein Schreiben mit genaueren Informationen seitens der Föderalregierung wurde mir am Tag der Veröffentlichung im Staatsblatt zugestellt..

Laut diesem obliegt es den Privatpersonen und den Einrichtungen selbst dafür zu sorgen, dass ausreichend Jodtabletten für die jeweilige Zielgruppe zur Verfügung stehen.

Demzufolge liegt es in der Verantwortung des Trägers diese in einer Apotheke anzufragen, anschließend aufzubewahren und im Falle eines nuklearen Vorfalls auszuteilen.

Auf der Internetseite www.nuklearrisiko.be können die Einrichtungen sich übrigens ausrechnen lassen, wie viele Tabletten sie vorrätig haben sollten. Ich möchte an dieser Stelle jedoch betonen, dass es sich hierbei lediglich um eine Empfehlung handelt. Keine Einrichtung ist dazu verpflichtet sich Vorräte anzuschaffen.

Auf meine Nachfrage hin bestätigte die Föderalregierung mir, dass es kein System zur Erfassung der Vergabe von Jodtabletten gibt. Aus diesem Grund kann ich Ihnen in der Kürze der Zeit nicht mitteilen, wie viele ostbelgische Einrichtungen sich Jodtabletten abgeholt haben.

Auf der soeben genannten Website findet man sämtliche Informationen in deutscher Sprache rund um das gesamte Thema.

Da es seitens der föderalen Stellen keine gesonderte Information an die Einrichtungen geben wird, werde ich die Initiative ergreifen und selbst eine Reihe von Einrichtungen anschreiben – allen voran die Seniorenwohnheime, die Schulen, die Krankenhäuser und die Kinderbetreuungsstrukturen, da sich dort viele Menschen unter 40 Jahren aufhalten.

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