Reden / Reden & Parlament

Infoveranstaltung zur Betriebskrippe im East Belgium Park


Es gilt das gesprochene Wort!

02.03.2018

Schlusswort Betriebskrippe East Belgium Park (144.1 KiB)

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, dass Sie heute zu der Informationsversammlung zum Projekt „Betriebskrippe“ gekommen sind.

Ich bin seit 2014 der zuständige Familienminister und der Grund dafür, warum die Mitarbeiter der Verwaltung und des RZKB nachts nicht schlafen können. Seit meinem Amtsantritt arbeiten wir intensiv daran, die Kinderbetreuungsstrukturen auszubauen und zu verbessern.

Unser erklärtes Ziel ist es, den Betreuungsbedarf in Ostbelgien bis zum Jahr 2025 abzudecken. Das machen wir nicht erst seit gestern und 2025 heißt nicht, dass wir uns erst in diesem Jahr darum kümmern werden. Wir sind mittendrin. Wir haben einen Masterplan ausgearbeitet, den wir konsequent umsetzen. 109 zusätzliche Plätze sollen unter anderem entstehen. Ich beschränke mich heute auf den Ausbau der Kapazitäten und gehe nicht auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Tagesmütter und die Kinderbetreuer oder auf die Weiterentwicklung der pädagogischen Konzepte ein. Das sind zwar durchaus wichtige Maßnahmen, doch ich werde aus zeitlichen Grûnden nicht darauf eingehen.

Im Mai werden wir für die Gemeinden Raeren, Lontzen und Kelmis den Grundstein für den Bau einer Kinderkrippe mit 36 Plätzen in Hergenrath legen. In Eupen und in St. Vith werden die Krippen um je 12 Plätze erweitert.

Außerdem haben wir im Rahmen eines Pilotprojekts mit dem Partner Postminis in Eupen in der Schulstraße 12 Plätze eingerichtet. Im März weihen wir 12 weitere Plätze in Eynatten ein.

Damit wird der Bedarf jedoch immer noch nicht gedeckt sein. Aus diesem Grund arbeiten wir mit verschiedenen Partnern an neuen Ideen und Projekten.

In diesem Rahmen haben wir auch Sie heute zu diesem Gespräch eingeladen. Dies ist kein Verkaufsgespräch, wohl aber eine Veranstaltung bei der wir Sie von einer ganz konkreten Idee überzeugen wollen.

Wenn wir die Herausforderungen der Zukunft bewältigen wollen, dann müssen die Politik, die Gesellschaft und die Wirtschaft ihre Kräfte bündeln.

Wir wollen nicht an Ihr Geld. Das ist nicht unsere Absicht. Wir investieren seit 2014 massiv in die Kinderbetreuung. Die Budgets wurden verdreifacht. Das RZKB als größter Partner in diesem Bereich wurde mit mehr Mitteln und Personal bestückt. Wir haben die Hard- und Software aufgebaut und die Infrastrukturen, da wo es nötig war, modernisiert. Weitere Maßnahmen in diesem Bereich folgen.

Wir betreuen gut 900 Kinder pro Jahr unter 3 Jahren. Das sind keine 24 oder 48, wie manchmal behauptet wird, sondern fast 40% aller Kinder in Ostbelgien. Im Vergleich zum Inland ist das die höchste Betreuungsquote und auch international liegen wir weit vorne. Bei den 3- bis 12-Jährigen sind es 87.000 Anwesenheiten pro Jahr. Das sind 362,5 Anwesenheiten pro Arbeitstag. Die 3- bis 12-Jährigen werden oftmals vergessen. Man spricht sehr viel über die Kinder unter 3 Jahren. Man darf jedoch nicht vergessen, dass die Schulzeiten nicht mit den Arbeitszeiten übereinstimmen. Dank der außerschulischen Betreuung, die größtenteils über das RZKB gewährleistet wird, können die Kinder auch vor und nach der Schule betreut werden.

Uns geht es demnach nicht darum, irgendwelche Finanzlöcher zu stopfen, sondern Sie und die Arbeitnehmer in Ihrem Betrieb darin zu unterstützen, Familie und Beruf besser vereinbaren zu können.

Sie haben ein immanentes Interesse daran, Fachkräfte zu finden. Vor dieser Herausforderung stehen Sie nicht alleine. Diese Herausforderung müssen auch andere Unternehmen, Regionen und Staaten bewältigen. Wir stehen in einem globalen Wettbewerb um die Arbeitskräfte. Die Zeiten haben sich in der Tat geändert, so wie es der Geschäftsführer der IHK eben sagte. Während man früher auf eine Stelle zig Bewerber hat, buhlen die Betriebe mittlerweile regelrecht um Fachkräfte. Im schlimmsten Fall wird Kannibalismus betrieben und man wirbt sich die Mitarbeiter in Ostbelgien gegenseitig ab. Es gilt demnach neue Wege einzuschlagen.

200 Betriebe haben wir zur heutigen Veranstaltung eingeladen. Davon haben 15 ihre Teilnahme zugesagt. Ist das symptomatisch? Ja! Ist das ein Grund dafür Trübsal zu blasen? Nein. Vor ein paar Jahren haben die WFG und die Gemeinschaft eine Umfrage gemacht und auf diese Weise einen ersten Anlauf für die Schaffung einer Betriebskrippe unternommen. Drei Unternehmen meldeten sich zurück. Lediglich zwei waren interessiert. Eine Veranstaltung wurde erst gar nicht organisiert.

Heute sieht es jedoch anders aus. 15 Betriebe sind hierhergekommen, weil sie an der Familienfreundlichkeit ihres Unternehmens arbeiten wollen. Das bedeutet nicht, dass sie bisher familienunfreundlich gearbeitet haben. Es gibt bereits viele Maßnahmen, die auf unkompliziertem Weg unternommen werden. Die WFG hat eben Beispiele dafür genannt.

Aber Sie spielen mit dem Gedanken weiter zu gehen. Und das ist richtig so! Denn damit die Angestellten und Arbeiter leisten können, damit sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren können, müssen sie den Kopf möglichst frei haben. Wer bereits Vater oder Mutter ist, der weiß, wie man sich fühlt, wenn mit den Kindern irgendwas nicht in Ordnung ist.

Wir haben Ihnen heute ein ganz konkretes Projekt vorgestellt. Mit einem finanziellen und organisatorischen Rahmen. Das war mir besonders wichtig. Ich wollte, dass Sie heute hören, welche Möglichkeiten es gibt, aber auch welche Verbindlichkeiten damit einhergehen. Denn natürlich kostet eine Beteiligung Geld. Die Summen haben Sie eben gehört. Aber ich würde diese Summe gerne nochmals runterbrechen. Pro Tag sind das 6,30 € für einen Platz. Mit einem Platz kann man aktuell 1,9 Kinder betreuen. Wenn Sie 5 Arbeitstage berechnen, dann sind das 8,80€. Bei 6 Arbeitstagen liegen Sie irgendwo dazwischen.

Wieviel Geld investieren Sie jedes Jahr in Anzeigen für Stellenangebote, weil Sie keine Fachkräfte finden? Wieviel Geld verlieren Sie als Unternehmen, wenn eine gut ausgebildete Fachkraft, manchmal in Ihrem Betrieb selbst ausgebildet, kündigt oder den Betrieb wechselt? Wieviel teurer kommt es Ihr Unternehmen, nicht produzieren zu können oder eine Dienstleistung nicht anbieten zu können, weil Ihnen die passende Arbeitskraft dazu fehlt? Ich glaube, dass der Investitionsbedarf, den ich Ihnen heute genannt habe, im Vergleich zu all diesen Kosten marginal ist.

Es geht nämlich eben nicht darum, nur für das bestehende Personal Betreuungsplätze einzumieten, sondern auch für die Mitarbeiter, die Sie brauchen oder in der Zukunft noch brauchen werden.

Vielleicht denken einige von Ihnen, dass ich gut reden hab. Sie müssen als Unternehmen für Ihre Mitarbeiter eine Investition tätigen und nicht die Deutschsprachige Gemeinschaft. Wir investieren aber nicht nur in Ihre Mitarbeiter. Wir haben selbst ein Interesse daran, genügend Fachkräfte zu finden. Deshalb wollen wir mit gutem Beispiel voran gehen und werden selbst eine Betriebskrippe schaffen. Dadurch werden zudem Kapazitäten in den bestehenden Kinderkrippen frei, die dann durch weitere Familien genutzt werden können. Quasi eine Win-Win-Situation.

Wenn Sie also gleich nach Hause oder zurück in Ihren Betrieb gehen, dann hoffentlich mit der Gewissheit, dass sich der Besuch der heutigen Veranstaltung für Sie und vor allem für ihre Mitarbeiter gelohnt hat. Abschließend möchte ich mich bei der IHK, der WFG, der SPI, dem RZKB, der Stadt Eupen und der Wallonischen Region für die Zusammenarbeit und bei den Unternehmen für Ihr Erscheinen und Ihr Interesse bedanken.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und hoffentlich bis bald!

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