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Reha-Maßnahmen in Ostbelgien


Es gilt das gesprochene Wort!

21.02.2018

02 Frage Und Antwort Zu Rehamaßnahmen (369.2 KiB)

Im Zuge der 6. Staatsreform haben wir die Zuständigkeit über die Rehabilitationskonventionen erhalten.

Diese betreffen zwei Aspekte:

  1. einerseits die nationalen Rehabilitationsmaßnahmen, die von Bürgern in Anspruch genommen werden;
  2. andererseits die internationalen Rehabilitationsmaßnahmen, wovon in erster Linie die Leistungen betroffen sind, die unsere Bürger in Deutschland in Anspruch nehmen.

Teil des nationalen Paketes war das ehemalige Kindertherapiezentrum KITZ. Dies war die einzige Einrichtung in Ostbelgien, die im Rahmen der föderalen Rehabilitationskonventionen tätig war.

Seit dem 1. Januar 2018 haben KITZ und SPZ zum neuen Dienst Begleit- und Therapiezentrum, kurz BTZ fusioniert. Damit wird das soziopädagogisch-therapeutische Angebot für Kinder und Erwachsene auf eine allgemeine Anlaufstelle konzentriert. Daneben gibt es weiterhin den spezialisierten Dienst Frühhilfe. BTZ und Frühhilfe teilen ein gemeinsames Konzept zur Begleitung ihres Publikums.

Genau wie bei den Mobilitätshilfen sind wir damit auch hier landesweit die ersten, die diese Zuständigkeit nun auf dem eigenen Gebiet selbstständig ausüben.

Mit dem neuen Dienst haben wir eine Konvention abgeschlossen. Eine erste Auswertung wird im Rahmen des ersten Begleitausschusses erfolgen. Bis zum Ende des Jahres gilt es, das bestehende Versorgungsangebot zu sichern und das gemeinsame Konzept mit der Frühhilfe umzusetzen.

Während der Föderalstaat nur die Konvention mit dem KITZ übertragen hat, ist der Bedarf nach Rehabilitationsmaßnahmen in Ostbelgien allerdings deutlich höher. Hier müssen die Deutschsprachige Gemeinschaft sowie Dienstleister wie Krankenhäuser und Seniorenwohnhäuser sehen, wie sie auf diesen Bedarf reagieren können. Ich denke da insbesondere an den Reha-Bedarf von älteren Mitmenschen. Dieser ist zwar weiterhin Teil der föderalen Materie, aber eine Herausforderung für die Bevölkerung und die Dienste.

Vor dem Hintergrund, dass die Senioren in Ostbelgien selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden wohnen möchten, habe ich deshalb bereits eine Reihe an Maßnahmen eingeleitet.

So hat die Regierung dem Neubau des erweiterten Geriatrie-Gebäudes im Krankenhaus Eupen zugestimmt, sodass nun auch dort eine geriatrische Tagesklink entstehen kann.

Bei Maggie De Block machen wir uns dafür stark, dass die Klinik St. Josef trotz des Moratoriums eine Geriatrieeinheit erhält.

Im neuen Dekret zur Unterstützung der Senioren sehe ich außerdem die Möglichkeit der Förderung von spezifischen Reha-Kurzaufenthalten und Reha-Tagespflegeangeboten als Nachfolgemaßnahmen zu einem Krankenhausaufenthalt vor. Das Dekret wurde vergangenen Donnerstag in erster Lesung verabschiedet und soll zum 1. Januar 2019 in Kraft treten.

Ziel ist es, die Wiedererlangung der sogenannten „Aktivitäten und existenziellen Erfahrungen des Lebens (AEDL)“ insbesondere nach Krankheit zu fördern. Auf diese Weise soll eine Rückkehr in das vertraute Zuhause des Seniors ermöglicht werden.

Außerdem arbeiten wir zur Zeit an einem Abkommen mit den anderen Gemeinschaften, damit ostbelgische Patienten auch weiterhin Rehabilitationsangebote in den anderen Landesteilen Belgiens wahrnehmen können. So muss es auch fortan möglich sein, dass eine Langzeitrehabilitation in der Wallonie durch ostbelgische Bürger in Anspruch genommen werden kann. Die Verhandlungen schreiten gut voran und es ist mit einer Klärung vor Ende 2018 zu rechnen.

Die internationalen Rehabilitationsmaßnahmen sind hingegen wesentlich komplexer.

Betroffen sind u.a. Rehabilitationsmaßnahmen bei zerebraler Lähmung, Sucht, Autismus, Hörschädigung oder bei der psychosozialen Rehabilitation von Erwachsenen.

Es liegt eine Liste von 40 Einrichtungen im Umkreis von 100 km aus Deutschland vor, die einen vereinfachten administrativen Zugang für unsere Bürger zu diesen Angeboten ermöglicht.

Diese Liste wurde vor einigen Jahren durch das LIKIV erstellt und entstand nach Befragung der Krankenkassen und unserer Gesundheitsdienstleister.

Zuständig werden wir allerdings nur für die Langzeitmaßnahmen, auch als „long term care“ bezeichnet. Die akute Revalidation bleibt weiterhin in föderalen Händen. Deshalb ist es zur Zeit noch unklar, welche Leistungen oben genannter Einrichtungen nun durch die Gemeinschaft und welche weiterhin durch das LIKIV finanziert werden müssen. Bis heute konnte den Gemeinschaften noch keine klare Definition der Langzeitrevalidation durch den Föderalstaat vorgelegt werden.

Die derzeitige Verrechnungsweise der ausländischen medizinischen Dienstleister trägt zudem nicht gerade zur Klarheit bei. Die Fakturierung erlaubt keine konkrete Zuweisung zwischen akuter und Langzeitrehabilitation, was eine Schätzung der zu erwartenden Kosten erschwert.

Angesichts dieser Schwierigkeiten hat die Gemeinschaft die 40 Einrichtungen der erwähnten Liste angeschrieben, um diese über die Fallzuweisung akut/Langzeit für ein Referenzjahr zu befragen. Aus diesen Informationen erhoffen wir uns etwas mehr Klarheit.

Morgen tagt die betroffene interministerielle Arbeitsgruppe auf Landesebene. Dort soll sowohl über die Definition von Reha-Maßnahmen als auch über das genaue Timing diskutiert werden. Wenn der Föderalstaat und die Teilstaaten sich nicht auf eine klare Definition einigen können, dann plädieren wir für eine Verlängerung der Verwaltung der Materie durch das LIKIV.

Wir werden uns auf jeden Fall weiterhin im Sinne der betroffenen Menschen in Ostbelgien einsetzen. Ich denke da besonders an suchterkrankte und psychisch kranke Menschen, für die ein spezialisiertes Angebot notwendig ist, das in Ostbelgien aufgrund der Vielfalt der Erkrankungen und der niedrigen Fallzahlen nicht organisiert werden kann.

Gerne kann ich den Ausschuss über den Verlauf der weiteren Gespräche informieren.

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