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Neujahrsempfang Sankt-Nikolaus Hospitals Eupen


Es gilt das gesprochene Wort!

19.01.2018

Sankt-Nikolaus Hospital Neujahrsempfang (170.4 KiB)

Sehr geehrte Damen und Herren,

für mich gehören sie mittlerweile zur Tradition: Die Neujahrsempfänge unserer beiden Krankenhäuser. Und wie in jedem Jahr ist es mir auch heute eine ganz besondere Freude, als Aufsichtsminister einige Worte an Sie zu richten.

Auch wenn der Januar bereits mehr als zur Hälfte verstrichen ist, so möchte ich Ihnen allen gleich zu Beginn meiner Ansprache alles Gute für das neue Jahr 2018 wünschen. Neben einer guten Gesundheit wünsche ich Ihnen, dass Sie all Ihre Vorsätze in die Tat umsetzen werden, insofern Sie diese nicht schon wieder nach der anfänglichen Euphorie der ersten Tage über Bord geworfen haben. Denn dass die Umsetzung von Vorsätzen meist eine recht schwierige und kurzweilige Angelegenheit ist, wusste schon der deutsche Topmanager Klaus Müller, als er sagte:

„ Vorsätze sind wie Aale: leicht zu fassen, aber schwer zu halten.“

Dabei sind gute Vorsätze nicht nur sehr beliebt und lassen sich jedes Jahr aufs Neue verwenden. Nein, sie sind auch stets mit einem klaren Ziel verbunden. Mein guter Vorsatz für dieses Jahr ist: mich heute kurz zu fassen!

Werte Anwesende,

einen Vorsatz haben wir alle gemeinsam: die Verantwortlichen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ostbelgischen Gesundheitssektors sowie Regierung und Ministerium. Wir möchten unsern Bürgerinnen und Bürgern eine hochwertige, wohnortnahe Gesundheitsversorgung in deutscher Sprache anbieten und somit verhindern, dass Ostbelgier zu Patienten zweiter Klasse werden.

Und wie Ihnen sicherlich längst bekannt ist, vertreten wir diesen Vorsatz nicht erst seit diesem Jahr. Wir fassen ihn immer wieder. Nicht, weil es uns im Vorjahr nicht gelungen ist, sondern weil es manche Ziele gibt, die man immer wieder ansteuern sollte.

Apropos ansteuern. Der deutsche Schauspieler Siegfried Lowitz urteilte einst: ein Vorsatz sei wie ein Startschuss, dem meist kein Rennen folge.

Ich kann Ihnen versichern, diese Auffassung vertreten wir in Ostbelgien nicht. Im Gegenteil! Wir sind bereits vor dem Ertönen des Knalls ins umkämpfte Renngeschehen eingestiegen, und konnten uns so einen leichten Vorsprung sichern. Im Sport spricht man von einem Frühstart. In der Medizin spricht man von Primärprävention.

Doch so romantisch der Vergleich des Gesundheitssektors mit einem Rennen auch sein mag, wir reden hier nicht von einem gemütlichen, erholsamen Aufwärmlauf am Sonntagmorgen. Nein das Rennen, das wir bestreiten müssen, gleicht vielmehr einem Marathon.

Einem Marathon, für den man jahrelang hart trainieren muss. Bei dem man an seine Grenzen gehen muss und den man nur dann erfolgreich abschließen kann, wenn man ein ganzes Team um sich herum hat, das einen frühzeitig unterstützt und das einen immer wieder aufs Neue nach vorne pusht.

Unser Marathon nennt sich föderale Gesundheitsreform und den Startschuss dazu hat wohl oder übel die Gesundheitsministerin Maggie de Block gegeben.

Sie fragen sich sicherlich wer in meinem Vergleich wohl die Läufer sind ?

Es sind die Patienten! Alle diejenigen, die Ihren ganz eigenen Gesundheitsmarathon zurücklegen müssen und dabei auf die Unterstützung der Mitarbeiter, des Pflegepersonals, der Ärzte, des Verwaltungsrates und nicht zuletzt der Regierung angewiesen sind, um ans Ziel der Gesundheit zu gelangen.

Dabei beweisen wir in der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine große Weitsicht und eine unbändige Willenskraft.

Besonders freut es mich, dass beide Krankenhäuser mit der typisch ostbelgischen Ärmel-Hoch-Mentalität zu Werke gehen, sich nicht unterbuttern lassen, das Kind beim Namen nennen und die nötigen Werkzeuge in die Hand nehmen.

Ich versichere Ihnen, für diese Mentalität sind wir spätestens nach den Verhandlungen bei den interministeriellen Konferenzen und in der entsprechenden Arbeitsgruppe zur Reform der Krankenhäuser auch in Brüssel bestens bekannt.

Wir bemühen uns seit jeher um den Erhalt oder gar den Ausbau des Krankenhausstandortes in der Eifel und hier im Norden der Gemeinschaft.

Warum ? Weil es der einzige Weg ist, den Menschen in Ostbelgien eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung in deutscher Sprache zu garantieren. Es ist zwar ein beschwerlicher Weg doch es ist der einzige mit Perspektiven. Wir haben die Herausforderungen des Sektors frühzeitig erkannt und waren stets darum bemüht, diese anzunehmen und das Neue als Chance zu begreifen. Getreu dem Motto „Wer den Kopf hängen lässt wird immer nur die Stolpersteine sehen, aber niemals die Sterne“. Wobei wir natürlich auch in der Lage sind, aus Steinen, die uns in den Weg gelegt werden, etwas Schönes zu bauen.

Was ich damit sagen will ist, dass wir rückwirkend wissen, dass es die einzig richtige Entscheidung war auf eine stärkere Zusammenarbeit unserer beiden Krankenhäuser untereinander und darüber hinaus mit CHC als Partner zu setzen. Ein Team-Lauf macht ohnehin mehr Spaß und verspricht in unserem Fall auch wesentlich bessere Aussichten auf Erfolg.

Denn das CHC kann die Leistungen anbieten, die hier in Ostbelgien nicht angeboten werden können.

Sieht man das Ganze vor dem Hintergrund, dass die einzelnen Häuser jahrelang ungeachtet der anderen ihre eigenen Bahnen gedreht haben, ist dies zweifelsohne eine nennenswerte Entwicklung.

Ich hoffe, dass die beiden Häuser in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse eigene Initiativen zur Stärkung ihrer Zusammenarbeit, zur Schaffung eines Krankenhaussystems mit zwei Standorten ergreifen werden. Gerade zum jetzigen Zeitpunkt bieten sich dafür Möglichkeiten. Die Regierung hätte kein Verständnis dafür, wenn diese Gelegenheiten nicht genutzt würden, sondern Partikularinteressen Vorzug hätten.

Ich hoffe und wünsche mir, dass doe Negativschlagzeilen über das SNH vom letzten Jahr der Vergangenheit angehören. Das ist man den Menschen schuldig: Sowohl den Patienten als auch den Menschen, die hier arbeiten. Die Dienstleistung muss im Mittelpunkt stehen und keine Nebenkriegsschauplätze.

Wir werden Sie unterstützen, wie wir können. Das war mein Versprechen. Das ist mein Vorsatz. Mein Alter und auch mein Neuer.

Für mich als Gesundheitsminister wurde aus dem ursprünglichen Vorsatz, den Krankenhäusern stets unter die Arme greifen zu wollen, das Versprechen an jeden Bürger Ostbelgiens alles in meiner Macht stehende zu tun, um sie in Ihrem Wohlbefinden zu unterstützen. Demnach der beste Beweis dafür, dass sich entschlossen gefasste Vorsätze durchaus halten lassen.

Als Regierung haben wir den Einrichtungen die Experten des Studienbüros Antares zur Seite gestellt, die Sie bei der Bildung der Partnerschaft beraten haben. Und auch 2018 werden wir Ihnen bei der Festigung der Zusammenarbeit mit dem CHC sowie bei dem Ausbau des Netzwerkes beistehen.

Denn auch wenn wir für die Krankenhäuser nicht direkt zuständig sind, so sind wir doch direkt von ihnen betroffen! Zum einen decken sie einen wesentlichen Teil der Grundversorgung der Ostbelgier ab, zum anderen bieten sie fast 1.000 Menschen eine Arbeit an. Sie sind fester Bestandteil der Autonomie der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Doch nicht nur dort wo wir nicht zuständig sind packen wir mit an, sondern insbesondere an den Stellen, wo die Kompetenz bei uns liegt.

So arbeiten wir im Rahmen der Krankenhausinspektion, die sich auf das Einhalten der Normen bezieht, eng mit der flämischen Zorginspectie zusammen. Dies hat zum Ziel die Qualität der Pflege und der Einrichtung zu verbessern. In erster Linie natürlich für den Patienten und die Mitarbeiter aber zuletzt auch für das Haus selbst, welches sich in diesem wettbewerbsstarken Sektor immer wieder aufs Neue behaupten muss.

Darüber hinaus haben wir eine Krankenhausbaufinanzierung ausgearbeitet, die es beispielsweise hier in Eupen ermöglichte, den Um- und Anbau in Höhe von 13.000.000 Euro zu stemmen.

Erwähnenswert sind natürlich auch die erfolgreichen Verhandlungen mit der Föderalregierung in Bezug auf die Anschaffung eines MRT in Eupen. Denn nach unzähligen Gesprächen mit der föderalen Gesundheitsministerin und ausgiebigen Verhandlungen ist es uns schlussendlich gelungen, einen zweiten Kernspintomographen für die Deutschsprachige Gemeinschaft an Land zu ziehen. Es liegt nun am Krankenhaus, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um den Ankauf des Gerätes in die Wege zu leiten und den Dienst der Anerkennungsprozedur zu unterziehen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Rede neigt sich dem Ende, immerhin weiß ich ja, dass im Anschluss noch einige Ehrungen anstehen.

Abschließend möchte ich jedoch noch kurz auf meinen zu Beginn gezogenen Vergleich zurückkommen. Die Entwicklung des Gesundheitssektors lässt sich durchaus mit einem Marathon vergleichen. Doch einen Marathon läuft man nicht einfach so mir nichts dir nichts. Man muss sich ausgiebig darauf vorbereiten und während des eigentlichen Laufes ist es bekanntermaßen das schwierigste, die Kräfte richtig einzuteilen. Es bringt rein gar nichts während der ersten Kilometer einen Sprint hinzulegen, wenn einem dann auf der Zielgerade die Puste ausgeht.

Und mit dieser Einstellung gehen wir auch an die Gesundheitsplanung in Ostbelgien. Wir ziehen keine voreiligen Schlüsse, halten stets Rücksprache mit den einzelnen Akteuren und sind darum bemüht im Team zusammenzuarbeiten.

Ich hoffe, dass wir noch einen langen Weg erfolgreich als Regierung mit Ihnen allen bestreiten dürfen und möchte Ihnen in diesem Sinne für die gemeinsam zurückgelegte Strecke danken.

Zu guter Letzt geht ein ganz besonderer Dank an all jene, die heute Abend trotz dieser Festlichkeit in diesem Haus arbeiten. Sei es am Schreibtisch, in der Küche oder beim Patienten!

Vielen Danke für die Aufmerksamkeit.

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