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Maßnahmen gegen erhöhtes Aufkommen von Krebsfällen


Es gilt das gesprochene Wort!

17.01.2018

20180117 Interpellation Krebserkrankungen Radon (1.3 MiB)

Sehr geehrte Frau stellvertretende Vorsitzende,

Kolleginnen und Kollegen,

trotz der besseren Behandlungsmöglichkeiten, die dank des medizinischen Fortschritts bestehen, löst die Diagnose Krebs bei den meisten Menschen Angst und Unbehagen aus. Nicht selten verbindet man mit Krebs den Verlust der Lebensqualität und noch häufiger den Tod.

Die Krankheit verändert alles. Sie bestimmt den Alltag der Menschen. Sie beeinflusst das Familienleben und den Beruf. Termine beim Arzt und im Krankenhaus werden zur Routine. Man wird von einem Berg an medizinischen Fachbegriffen und Behandlungsmethoden erschlagen. Betroffene und ihre Familien sind mit enormen Herausforderungen konfrontiert.

„Warum ich?“ – „warum mein Partner, mein Vater, meine Mutter, mein Kind?“ – „Ich habe nie geraucht“- „Er hat immer auf sich aufgepasst“. Häufige Aussagen, die man in Verbindung mit einer Krebsdiagnose hört oder zieht.

Antworten auf all diese und viele weitere Fragen versucht die Wissenschaft zu finden. Doch genauso vielfältig, wie die einzelnen Krebsbilder, so vielfältig sind auch die jeweiligen Ursachen. Krebs ist nur ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen.

Es gibt sie nicht die eine einfache Antwort in Verbindung mit der Entstehung von Krebs.

Wie komplex diese Thematik ist, wurde beim besagten GrenzEcho-Interview mit dem Onkologen nochmals deutlich.

Und auch die Politik sollte mit diesem Thema vorsichtig umgehen, wenn sogar die Wissenschaft trotz neuester Forschungsergebnisse oft im Dunkeln tappt.

Wer den Eindruck erweckt, einfache Antworten liefern zu können, der führt nicht selten besorgte Betroffene und ihr Umfeld in die Irre.

Wer hofft, dass mit einer Studie, mit einer Analyse, mit einem Ansprechpartner oder sogar mit einer Interpellation sämtliche Fragen beantwortet werden, den muss ich leider enttäuschen.

Solange man aber nicht den Anspruch erhebt oder suggeriert, dass das Parlament Ursachenforschung betreiben kann, finde ich es richtig, wenn man sich mit den verschiedenen Problematiken im Gesundheitsbereich und im Rahmen seiner Zuständigkeiten und Möglichkeiten auseinandersetzt.

Es stimmt, dass die Deutschsprachige Gemeinschaft sich an der gemischten Arbeitsgruppe beteiligen wird, die dieses Jahr eingesetzt wird.

Im Vorfeld dieser Initiative und lange vor dem Leserbrief des besagten eifeler Bürgers, habe ich mit ihm persönlich in einem Gespräch über die Sorgen der Menschen in der Ortschaft Elsenborn und über die Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen, ausgetauscht.

Bereits damals habe ich darauf hingewiesen, dass die Deutschsprachige Gemeinschaft trotz fehlender Zuständigkeit in Umweltfragen, sich gemeinsam mit der Gemeinde und der Bevölkerung zusammensetzen will und versuchen wird, Antworten auf die verschiedenen Fragen zu finden.

Persönlich nehme ich dieses Thema sehr ernst und kann die Sorgen der Menschen sehr gut nachvollziehen, da auch ich in meiner Familie Menschen verloren habe, die an Krebs erkrankten.

Trotzdem ist es wichtig, dass alle Beteiligten möglichst objektiv mit den verschiedenen Fragen umgehen.

Hervorheben möchte ich, dass das Kollegium der Gemeinde Bütgenbach kurze Zeit nach der Aufbereitung des Themas in der Öffentlichkeit Kontakt mit mir aufgenommen hat, um eine Zusammenarbeit zu besprechen.

Es fand bereits ein erstes Sondierungstreffen statt. Am 22. Januar wird es ein Treffen mit der Opposition geben. Ich erwarte von jeder Partei und Liste – egal, ob in der Mehrheit oder in der Opposition, egal ob auf Gemeinde- oder Gemeinschaftsebene, dass sie das Thema nicht politisiert.

Aus dem sensiblen Thema Krebs sollte niemand politisches Kapital schlagen! Das meine ich an dieser Stelle sehr ernst. Denn ansonsten wäre dies sehr unfair und auch unangebracht gegenüber den Menschen, die sich in dieser Situation befinden oder die Angst davor haben, an Krebs zu erkranken.

Diese gemischte Arbeitsgruppe wird keine reine Expertengruppe sein, wohl aber mit Experten zusammenarbeiten. Hierfür kommt in der Tat auch das Krebsregister in Frage.

Damit erlaube ich mir nun auf die Fragen einzugehen, die Sie zum Ende der Interpellation aufgelistet haben.

 

Zu Frage 1

Das Krebsregister hat vor zwei Jahren eine Analyse der Krebserkrankungen zwischen den Jahren 2004 und 2013 für die Deutschsprachige Gemeinschaft durchgeführt. Daraus werden keine signifikanten Unterschiede zum Inland ersichtlich.

So gab es im Jahr 2013 in Belgien 65.487 neue Krebsdiagnosen, wovon 60% Flandern, 32% die Wallonie, 8% Brüssel und 0,6% die Deutschsprachige Gemeinschaft betreffen.

63% der ostbelgischen Männer (in Belgien 58,7%) und 70% der ostbelgischen Frauen (in Belgien 68,6%) hatten eine relative Überlebensrate von mehr als 5 Jahren im Zeitraum von 2009-2013. Die Überlebensrate ist somit in Ostbelgien höher als im Landesdurchschnitt.

Die Zahlen des Krebsregisters aus dem Jahre 2013 deuten darauf hin, dass Hodenkrebs die häufigste Krebsform bei Männern ist, gefolgt von Lungen-, Hals- und Nackenkrebs.

2013 wurde bei rund 198 Männern Krebs diagnostiziert. 29,30% Hoden-, 16% Lungen- und etwa 15% Hals- und Nackenkrebs.

Im gleichen Jahr wurde bei 189 Frauen eine Krebserkrankung festgestellt. Die zwei häufigsten Krebsarten waren Brust- (40%) und Lungenkrebs (10,70%).

Vergleicht man die ostbelgischen Zahlen mit denen aus der Wallonie, so stellt man fest, dass Männer aus Ostbelgien in der Tat häufiger von Hodenkrebs betroffen sind. Die Ursachen für Hodenkrebs sind jedoch noch immer nicht endgültig geklärt.

Die Anzahl an Lungenkrebs Erkrankter hingegen liegt in der Wallonie höher. Sind in der Deutschsprachigen Gemeinschaft etwa 40/100.000 Männer von Lungenkrebs betroffen, so sind es in der Wallonie 60/100.000.

All diese Zahlen erlauben es nicht, das Stadium, sprich den genauen Zeitpunkt der Krankheitsentwicklung, abzulesen.

Aufgrund der medizinischen Entwicklung und der Vorsorge erfolgt die Diagnose immer häufiger im Rahmen einer Früherkennung.

Dies hat unter anderem eine positive Entwicklung der Genesungsperspektiven zur Folge.

 

Zu Frage 2

Die vorliegenden Zahlen des Krebsregisters umfassen auch die Angaben der in Aachen diagnostizierten Fälle.

Das Krebsregister hat eine entsprechende Zusammenarbeit mit dem Tumorzentrum Aachen, die seinerzeit durch die Deutschsprachige Gemeinschaft initiiert wurde.

Das Tumorzentrum Aachen liefert die Angaben zu den in Aachen diagnostizierten Patienten an das Krebsregister.

Auf diese Weise erhalten wir ein vollständiges Bild über die Zahl der verschiedenen Krebserkrankungen in Ostbelgien.

Die Ergebnisse aus der Untersuchung des Krebsregisters fließen übrigens in die Förderung der Prävention in Ostbelgien.

 

Zu Frage 3

Welches genaue Ziel soll eine Studie in unserer Region verfolgen? Meint der Fragesteller damit eine Ursachenforschung für eine bestimmte Krebserkrankung, für mehrere Krebserkrankungen oder für alle?

Ich möchte daran erinnern, dass man nicht die ultimative Antwort auf jede Frage in diesem Zusammenhang geben kann, weil es nicht „den Krebs“ gibt und selbst bei den verschiedenen Krebsarten gibt es eine oder mehrere Ursachen, die zum Teil oder gänzlich noch nicht ausfindig gemacht werden konnten. Es ist ein zu breites Feld an dem Wissenschaftler weltweit seit Jahrzehnten arbeiten.

Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass ich den bisherigen Teilnehmern der Arbeitsgruppe vorgeschlagen habe, dass nach Begutachtung der Zahlen für die Gemeinde Bütgenbach durch Experten bei Auffälligkeiten eine Prävalenzstudie in Angriff genommen werden kann.

Das Krebsregister hat mir auf meine Anfrage hin, eine Zusammenarbeit in dieser Angelegenheit zugesichert.

Aber ich möchte an dieser Stelle der Arbeit, die der Arbeitsgruppe bevorsteht, nicht weiter vorgreifen.

 

Zu Frage 4

Aus der Antwort des damaligen Gesundheitsministers auf die schriftliche Frage von 2011 ging für Sie hervor, dass laut den Angaben des Krebsregisters keine Auffälligkeiten erkennbar waren.

Auf Ihre Frage nun zu antworten, ist daher etwas schwierig. Was verstehen Sie unter Information in diesem Zusammenhang? Ist damit eine Untersuchung oder eine Sensibilisierungskampagne gemeint trotz der gelieferten Erkenntnisse des Krebsregisters, dass es keine besonderen Auffälligkeiten gab? Ist darunter eine besondere Initiative zu verstehen, die über das bestehende Präventionsangebot hinausgeht?

Was die Ängste und Sorgen der Menschen in Elsenborn angeht, so verweise ich auf die Gründung der Arbeitsgruppe, die ich – wie gesagt – von Anfang an unterstützt habe und auf die Schritte, die wir unternehmen werden, wenn die Arbeitsgruppe ihre Arbeit richtig aufgenommen hat.

Die aktuellen Zahlen des Krebsregisters für Ostbelgien geben vorerst keinen Anlass für eine besondere Information.

Das Risiko an Krebs zu erkranken ist auch in Ostbelgien gegeben und mit der Alterung der Bevölkerung gewinnt diese Erkrankung eine gewisse „Normalität“. Immerhin sind mehr als 40% der Personen, die an Krebs erkranken über 70 Jahre alt.

3% der belgischen Bevölkerung lebt mit Krebs bzw. es wurde bei ihnen in den 10 Jahren Krebs diagnostiziert. Krebs wird mehr und mehr zu einer chronischen Erkrankung, mit der Menschen jahrelang leben.

Es gibt bereits eine Reihe von Angeboten. Beispiele hierfür sind die Impfungen, die Früherkennungsprogramme, die Arbeit der ASL zum Thema Tabak und Alkohol, die Angebote von Kaleido und dem Patienten Rat und Treff zum Thema Ernährung und Bewegung und viele weitere.

Die Erkenntnisse aus Angaben des Krebsregisters fließen aber, wie bereits erwähnt, in die Schwerpunkte der Gesundheitsförderung, die die Regierung für die Jahre 2018 bis 2019 in Kürze verabschieden wird.

Das hat Einfluss auf die Arbeit der Präventionsdienstleister.

Außerdem wird über die neue Projektförderung ab diesem Jahr die Möglichkeit eröffnet, neue Initiativen in diesem Bereich zu starten.

 

Zu Frage 5

Die erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen ist der Allgemeinarzt. Daneben gibt es Spezialisten, die zusätzliche Informationen über Krankheitsbilder, Ursachen und Behandlungsmethoden geben können.

Weitere Ansprechpartner sind die Krankenkassen und die verschiedenen Präventionsdienstleister.

Außerdem ist die Stiftung gegen Krebs zu erwähnen, die in Ostbelgien ebenfalls Patienten und ihren Angehörigen zur Seite steht, indem sie unterstützt, informiert und begleitet.

 

Zu Frage 6 bis 10

Liebe Kollegen,

die Interpellation von Herrn Nelles beinhaltet zwei Aspekte. Zum einen geht es allgemein um das Thema Krebserkrankungen und zum anderen um Radon mit insgesamt fünf Fragen.

Eine Frage zum Radon stellte Herr Nelles mir bereits am 16. November 2016.

In meiner Antwort verwies ich auf die Zuständigkeiten, die auch das Vorsorgeprinzip beinhalten.

Radon ist ein radioaktives chemisches Element. Das Radongas befindet sich frei in der Natur, es ist geruchslos, farblos und geschmacklos.

Radon liegt aufgrund seiner radioaktiven Eigenschaften in den Zuständigkeiten der Föderalregierung.

Der Erlass der FANK vom 30. November 2015 legt die Risikozonen in Anwendung des Königlichen Erlasses vom 20. Juli 2001 fest.

Die Gemeinden Amel, Burg-Reuland, Bütgenbach, Büllingen, Eupen, Raeren, und Sankt-Vith gehören zu den Gemeinden der Klasse 2. Das bedeutet, dass dort in mehr als 5% der Wohnungen ein erhöhter Radonwert festgestellt wurde.

In diesen Gemeinden übersteigt der festgestellte Radonwert die Grenze von 400 Becquerel.

Die Umsetzung auf Landesebene der neuen EU-Richtlinie wird dazu führen, dass dieser Richtwert auf 300 Becquerel runtergestuft werden wird.

Dies hat keine Folgen für die Gemeinden Kelmis und Lontzen. Sie werden weiterhin nicht in der Klasse 2 vorzufinden sein.

Die Klasse 2 hat u.a. zur Folge, dass in frei zugänglichen Gebäuden oder an Arbeitsplätzen in regelmäßigen Zeitabständen, d.h. alle 10 Jahre, Radonmessungen vorgenommen werden müssen.

Diese Pflicht obliegt dem Träger. Die Ausführung erfolgt über die FANK. So wurden z.B. im letzten Jahr neue Messungen in den Sekundarschulen der DG vorgenommen.

Ende 2017 hat die Regierung beschlossen, die Radonmessungen auf alle Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft auszudehnen.

Dies zu den Messungen.

Radon ist in erster Linie ein umweltbezogenes Thema und liegt somit nicht im Zuständigkeitsbereich unserer Gemeinschaft, sondern der Wallonischen Region.

Radon ist dann gefährlich, wenn es sich in Räumen ausdehnt oder anstaut.

Jedwede Baumaßnahme, ob Neubau oder Sanierung, bei der die Bausubstanz verändert wird, sowie diejenigen im Rahmen unseres Infrastrukturdekrets, unterliegen den Bestimmungen der Raumordnungsgesetzgebung und somit der Wallonischen Region.

Über das CoDT erfolgte Mitte des vergangenen Jahres eine wichtige Auflage.

Jeder Antrag einer Baugenehmigung muss mit einer Auflistung der Maßnahmen eingereicht werden, die zur Beseitigung des Radonrisikos beitragen.

Es ist also eine gesetzliche Pflicht, die auch an die Auszahlung möglicher Prämien gekoppelt ist.

Die Deutschsprachige Gemeinschaft unterstützt ebenfalls Sanierungsmaßnahmen in diesem Bereich im Rahmen des Infrastrukturdekrets.

In den Jahren 2015 bis 2017 wurde übrigens nur ein Projekt im Infrastrukturplan der DG in Folge von Radonmessungen vorgenommen. Das war das von Ihnen erwähnte Projekt in 2016. Es betrifft die Grundschule Hauset.

Es laufen derzeit Überlegungen, welche Bestimmungen im Rahmen der Infrastrukturzuschüsse aufgegriffen werden können, um das Radonrisiko in Zukunft weiter zu verringern.

Die Festlegung dieser Auflagen wird auch in Konzertierung mit den Gemeinden erfolgen.

Vier von neun Gemeinden verfügen über einen Ansprechpartner für die Bürger bei der Radonbekämpfung. Es handelt sich um die Gemeinden Sankt-Vith, Bütgenbach, Eupen und Raeren.

Die Initiative stammt aus dem Jahr 2009 als der damalige Minister Bernd Gentges den Gemeinden empfohlen hatte, sogenannte Koordinatoren zu bezeichnen.

Diese Koordinatoren gibt es anders als früher laut unseren Informationen nur noch in den vier Gemeinden. Welche Erfahrungen diese machen und wieso es mittlerweile nur noch vier sind, soll bei der nächsten Bürgermeisterversammlung besprochen werden. Die Rückmeldung der FANK zur Zusammenarbeit wurde als positiv bewertet.

In diesem Zusammenhang werde ich beim Gespräch mit den Bürgermeistern auch auf die Radon-Aktion 2018 eingehen. Gemeinsam mit der FANK und der Verbraucherschutzzentrale wird die Regierung zwischen Oktober und Dezember 2018 zum Thema Radon-Messungen sensibilisieren, da die bisherigen Messungen, die von der FANK jährlich im Herbst beworben werden, stark rückläufig sind. Auf diese Weise möchten wir die Bevölkerung über die verschiedenen Möglichkeiten informieren.

Die Radon-Woche wird von der FANK in Zusammenarbeit mit der Provinz auch in unserer Region und in deutscher Sprache beworben.

Anfragen aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft werden über die Provinz behandelt. Bürger können einen Detektor für eine Eigenbeteiligung von 20 EUR bestellen.

Nachzulesen ist dies auf den jeweiligen Webseiten der FANK sowie der Lütticher Provinz unter dem Titel „Radonmessung“ in deutscher Sprache.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

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