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20 Fragen zum Integrationsparcours… und ihre Antwort


Bereits 2014 hat die Regierung die Integration der Neuankömmlinge als eine zentrale  Aufgabe betrachtet. Nicht umsonst wird dem Thema im Regionalen Entwicklungskonzept unter dem Titel Miteinander stark ein eigenes Zukunftsprojekt gewidmet.

Wir haben nicht auf den Zulauf der Menschen aus Krisengebieten im Sommer 2015 gewartet, um dieses Thema anzupacken.

Zum Projekt gehört die Verabschiedung eines Integrationsdekretes und die Schaffung einer Anlaufstelle für Integration.

Die wohl größte Neuerung ist jedoch die Einrichtung eines verpflichtenden Integrationsparcours für Migranten in Ostbelgien.

Unser Prinzip lautet Fördern und Fordern.

Doch was ist eigentlich ein Integrationsparcours? Wie sieht er konkret aus?

Antworten auf diese und weitere Fragen findet ihr hier:

  • 1) Was ist ein Integrationsparcours und welches Ziel verfolgt er?
    Der Integrationsparcours ist ein wichtiges Instrument einer wohl durchdachten Integrationspolitik. Er soll den Migranten als Kompass dienen, der ihnen bei ihren ersten Schritten in unserer Gesellschaft die Richtung weist.

    Integration ist keine Einbahnstraße. Wie eine Medaille hat sie 2 Seiten.

    Den Weg müssen die Neuankömmlinge selbst zurücklegen, in dem sie sich der neuen Situation in einem für sie unbekannten Land annehmen und die örtlichen Gegebenheiten, Werte und Sprache kennenlernen.

    Als Aufnahmegesellschaft ist es jedoch unsere Aufgabe und Pflicht, sie dabei zu begleiten und ihnen die nötigen Hilfsangebote an die Hand zu geben.
  • 2) Wie sieht so ein Integrationsparcours aus?
    Er besteht aus 4 Etappen:

    • Empfang
    • Sprachkurse
    • Integrationskurse
    • Sozialberufliche Eingliederung

    Die folgenden Erklärungen und das Schema (im Anhang) bieten einen konkreten Überblick des genauen Ablaufs!

    Wenn ein Migrant sich in Ostbelgien niederlässt, meldet er sich bei einer Gemeinde seines neuen Wohnortes an. Dort erhält er die wichtigsten Informationen zum Leben in Ostbelgien in Form einer Broschüre in mehreren Sprachen. Außerdem wird er über die Möglichkeit zur Teilnahme am Integrationsparcours informiert und an Info-Integration weitergeleitet.

    Info-Integration kommt eine Schlüsselrolle im Integrationsparcours zu, während des gesamten Parcours ist das Referenzzentrum für Integration der zentrale Ansprechpartner für den Migranten.

    Hier findet ein ausführliches Gespräch statt, um seine aktuelle Lebenssituation zu erfassen und gemeinsam die Schritte und Maßnahmen einzuleiten, die seinen Bedürfnissen und Kompetenzen entsprechen.

    Auf Grundlage dieses Erstgespräches und nach einem Sprachtest wird Info-Integration den Migranten zu den geeigneten Sprach- und Integrationskursen orientieren und ihn dort einschreiben.

    Möchte er sich in einem Sportverein eintragen? Wäre ein Musikverein von Interesse oder möchte er einer kulturellen Vereinigung beitreten? Auch hierbei ist Info-Integration behilflich.

    Gemeinsam mit den entsprechenden Diensten (Arbeitsamt, Dienst für Sozialberufliche Eingliederung der ÖSHZ (DSBE)) wird schlussendlich nach einer passenden Ausbildungs- oder Beschäftigungsmöglichkeit gesucht.
  • 3) Für wen ist der Integrationsparcours gedacht?
    Grundsätzlich gilt:

    Alle Migranten, die in Ostbelgien leben, können freiwillig am Integrationsparcours teilnehmen.

    Für jeden Nicht-EU-Ausländer mit einer Aufenthaltsgenehmigung von mindestens drei Monaten, der in einer der neun Gemeinden Ostbelgiens wohnt, soll jedoch mit Inkrafttreten des Integrationsdekrets ab 2018 die Teilnahme verpflichtend sein.

    Einige Ausnahmen sollen vorgesehen werden, u.a für:

    • Minderjährige;
    • Erwachsene mit einem belgischen Schulabschluss;
    • In Belgien eingeschriebene Studenten;
    • Personen im gesetzlich festgelegten Pensionsalter;
    • Personen, die aufgrund einer Krankheit oder Beeinträchtigung nicht am Integrationsparcours teilnehmen können;
    • Migranten, die eine Integrationsparcoursbescheinigung einer anderen belgischen Gebietskörperschaft vorlegen können.
  • 4) Warum eine Verpflichtung?
    Es geht nicht darum, irgendwen zu gängeln. Vielmehr möchten wir dafür Sorge tragen, dass selbst die kleine Minderheit der ankommenden Menschen mit Integrationsschwierigkeiten die geeigneten Instrumente und Maßnahmen erhalten, um sich in unsere Gesellschaft zu integrieren.
  • 5) Gilt der Parcours auch für Asylbewerber?
    Für Asylbewerber ist der Föderalstaat zuständig. Wir können sie deshalb nicht verpflichten, am Parcours teilzunehmen. Allerdings sind wir der Meinung, dass ihre Teilnahme sinnvoll wäre. Deswegen sollen auch Asylbewerber die Möglichkeit haben, an Sprach- oder Integrationskursen teilzunehmen, wenn in den Kursen noch freie Plätze sind. Ein Asylbewerber, der gerne die deutsche Sprache lernen möchte und sich für das Leben in Ostbelgien interessiert, möchte vielleicht auch langfristig bei uns bleiben.
  • 6) Und Papierlose?
    Nicht die Deutschsprachige Gemeinschaft, sondern der Föderalstaat ist für Papierlose zuständig.

    Sie befinden sich in einer schwierigen Situation, da sie keine echten Zukunftsperspektiven in Belgien haben.

    Neben einer Beratung zu den möglichen Perspektiven einer freiwilligen Rückkehr in ihr Herkunftsland durch Info-Integration möchten wir aber auch ihnen die Möglichkeit geben, künftig, im Rahmen der verfügbaren Ressourcen, an Sprach- und Integrationskursen teilzunehmen. Schließlich müssen auch sie ein Brot in der Bäckerei kaufen oder ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen können, …
  • 7) Was geschieht, wenn ein Migrant schon einen Integrationsparcours in Flandern oder in der Wallonie gemacht hat? Muss er ihn in Ostbelgien erneut durchlaufen?
    Nein! Es darf nicht sein, dass eine Person einen Integrationsparcours doppelt durchlaufen muss. Voraussetzung ist natürlich, dass der Neuankömmling den Parcours in einem anderen Teilstaat auch beendet hat! Über eine Teilbefreiung müsste ansonsten individuell entschieden werden.

    Daher werden wir im künftigen Integrationsdekret vorsehen, das die gegenseitige Anerkennung des Integrationsparcours innerhalb Belgiens möglich ist.

    Außerdem ist der Abschluss eines Abkommens mit den Integrationsministern im Inland in Planung.
  • 8) Was wird in den sogenannten Integrationskursen vermittelt?
    In einem rund 60-stündigen Kurs wird den Migranten vermittelt, wie die belgische Gesellschaft funktioniert und nach welchen Werten in Ostbelgien gelebt wird. Von örtlichen Gepflogenheiten über die Gleichstellung von Mann und Frau bis hin zu Fragen des Alltags werden alle wichtigen Themen abgedeckt. Die Integrationskurse sind praxisorientiert gestaltet.
  • 9) Welche Sprachkursangebote für Migranten gibt es?
    Um größtmögliche Lernerfolge zu ermöglichen, sollten die Sprachkurse den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen der Migranten entsprechend organisiert und erteilt werden.

    Neben den bereits bestehenden Angeboten an Deutschkursen hat die Regierung Anfang des Jahres das Konsortium aus Kulturelle Aktion und Präsenz (KAP), Frauenliga und Volkshochschule damit beauftragt, sowohl niederschwellige als auch Intensivkurse auf Deutsch im Norden und Süden Ostbelgiens spezifisch für den Integrationsparcours anzubieten. Durch die Beteiligung der Frauenliga ist gewährleistet, dass auch Angebote für Frauen bestehen.

    Die Flexibilität der Angebote ist eine wesentliche Voraussetzung. Schließlich ist es nicht jedem Migranten möglich, einem Intensivkurs von 12 Stunden pro Woche zu folgen, da er entweder einer beruflichen Tätigkeit nachgeht oder möglicherweise Analphabet ist und somit ein anderes Lerntempo erfordert.

    Daher werden auch Alphabetisierungs- und niederschwellige Kurse angeboten. (6 Stunden pro Woche)
  • 10) Wie viele Stunden Sprachkurse muss ein Migrant absolvieren und wo finden die Kurse statt?
    Ein Migrant muss im Rahmen des Integrationsparcours zwischen 90 und 600 Stunden Sprachkurse absolvieren. Diese große Spanne erklärt sich durch die individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen der jeweiligen Teilnehmer.

    Sämtliche Kurse finden sowohl im Norden als auch im Süden Ostbelgiens statt. In den meisten Fällen stellen die ÖSHZ die Räumlichkeiten zur Verfügung. Manchmal finden die Kurse aber auch bei den Anbietern statt.
  • 11) Muss am Ende auch eine Prüfung für die Sprach- und Integrationskurse abgelegt werden?
    Die Zielvorgabe durch den Integrationsparcours ist es, ein Sprachniveau zu erreichen, das die soziale Integration ermöglicht. Hierfür wird das europäische Referenzniveau A2 als ausreichend erachtet. Zwar wird am Ende des Parcours das Sprachniveau der Teilnehmer nochmals getestet, eine ausschließende Abschlussprüfung soll es jedoch nicht geben.

    Die Teilnehmer können nach Abschluss der Kurse jedoch auf eigene Kosten ihr Sprachniveau zertifizieren lassen. Der Nachweis, das Niveau A2 einer der drei Landessprachen erreicht zu haben, ist nämlich eine Grundvoraussetzung zum Erlangen der belgischen Staatsbürgerschaft.

    Die Anwesenheit bei mindestens 80% der Kurse ist verpflichtend.
  • 12) Was passiert, wenn ein Migrant diese Verpflichtung nicht respektiert?
    Durch die engmaschige Betreuung durch Info-Integration und auch die ÖSHZ werden Migranten bereits bei der ersten Abwesenheit ermuntert, zu den Kursen zu gehen. Durch diese präventive Arbeit soll vermieden werden, dass die Migranten ohne Grund den Kursen fernbleiben und mit Strafen belegt werden. Denn eine zu hohe Abwesenheitsrate kann zu einer Sanktion führen.

    Die gute und enge Zusammenarbeit zwischen den Kursleitern, dem Migranten, Info-Integration und den ÖSHZ ist an dieser Stelle entscheidend.

    Rückmeldungen aus Flandern haben bisher ergeben, dass lediglich 2 % der Teilnehmer mit Strafen belegt wurden. In der Wallonie werden aktuell noch keine Strafen vollzogen, da das Angebot unzureichend ist.
  • 13) Mit welchen Strafen kann ein Migrant in diesem Fall rechnen?
    Art und Umfang der möglichen Strafen sind noch nicht definitiv festgelegt. Es deutet jedoch einiges auf Verwaltungsstrafen in Form eines Bußgeldes hin. Derzeit werden jedoch auch Alternativen ausgelotet.
  • 14) Wie lange dauert der Parcours in der Regel?
    In der Regel hat ein Migrant 2 Jahre Zeit, um alle Etappen des Parcours zu durchlaufen. Es kann natürlich sein, dass eine Person aufgrund bestimmter Ereignisse länger als die vorgesehenen 24 Monaten braucht. Unter gewissen Bedingungen ist eine Verlängerung um ein Jahr möglich.

    Beispiele:
    - Ein Migrant findet eine Arbeit und kann somit nicht mehr den Intensivkurs besuchen; - Der Mutterschutz ist zum Beispiel ein Grund, der eine Unterbrechung des Parcours rechtfertigt.
  • 15) Wann ist der Integrationsparcours abgeschlossen?
    Der Integrationsparcours gilt als durchlaufen,

    • wenn der Migrant zwischen 90-600 Stunden Sprachkurse absolviert hat.
    • nachdem der Migrant 60 Stunden Integrationskurse absolviert hat.

    In beiden Fällen gilt eine Anwesenheitspflicht in mindestens 80 % der Kurse.

    • nachdem ein Beratungsgespräch zur sozialen und zur beruflichen Eingliederung stattgefunden hat.
  • 16) Erhalten Migranten nach Ablaufen des Parcours ein Zeugnis?
    Wenn ein Migrant alle Etappen des Parcours durchlaufen hat, erhält er zwar kein Zeugnis aber Info-Integration, der Begleitdienst für die Migranten während des Parcours, stellt ihm eine Integrationsbescheinigung aus. Ab diesem Zeitpunkt greifen die gleichen Auffang- und Begleitmechanismen, die für jeden anderen Bürger in Ostbelgien gelten.
  • 17) Kann man nach Bestehen des Integrationsparcours die belgische Staatsbürgerschaft erlangen?
    Das Erlangen der belgischen Staatsbürgerschaft ist an viele Bedingungen geknüpft. Der Integrationsparcours alleine berechtigt nicht dazu, Belgier zu werden, aber er kann als ein wesentliches Kriterium dazu dienen, den Beweis der sozialen Integration zu erbringen.
  • 18) Hat der Integrationsparcours Auswirkungen auf den Asylantrag oder die Aufenthaltsgenehmigung?
    Ob eine Person gerade einen Integrationsparcours durchläuft oder erfolgreich beendet hat, hat auf den Ausgang des Asylverfahrens keine Auswirkung! Schließlich ist hierfür der Föderalstaat zuständig. Die Gemeinschaft ist für die Integration zuständig.
  • 19) Wer bezahlt den Integrationsparcours?
    Für die Teilnehmer ist der Integrationsparcours kostenlos.

    Die Integrationspolitik der Regierung wird vom Grundsatz „Fördern und Fordern“ geleitet. Die Neuankömmlinge ihrerseits erlenen die deutsche Sprache und unsere Werte. Wir als Aufnahmegesellschaft müssen ihnen jedoch die Möglichkeiten geben, dies zu tun.

    Deshalb investiert die Regierung eine beträchtliche Summe in die verschiedenen Maßnahmen zur Integration von Migranten.

    Für die Sprach- und Integrationskurse, für das Referenzzentrum für Integration, für die kommunalen Integrationsbeauftragten. Alleine im Sozialbereich sind mehr als 600.000 Euro jährlich vorgesehen.
  • 20) Wann soll das Integrationsdekret in Kraft treten?
    Das Integrationsdekret soll sämtlichen Integrationsbemühungen und –maßnahmen einen klaren Rahmen und eine klare Struktur verleihen. Es soll Anfang 2018 in Kraft treten.

 

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