Reden / Reden & Parlament

Infotags rund ums (nicht) Hören


Es gilt das gesprochene Wort!

03.11.2016

Infotag rund ums Hören (56.7 KiB)

Sehr geehrte Damen und Herren,

zum Infotag rund ums (nicht) Hören möchte ich sie alle herzlich willkommen heißen.

Die heutige Veranstaltung reiht sich ein in das Format Ostbelgien und Du: Zukunft gemeinsam gestalten. Ich glaube, das ist heute bereits die 6. Auflage dieser Art, mit der die Regierung eine doppelte Zielsetzung verfolgt.

Seit mehreren Jahren beschwören Minister aller Couleur in regelmäßigen Abständen das Regionale Entwicklungskonzept, das sich hinter dem Kürzel REK verbirgt. Wir sprechen von Zukunftsprojekten, von Wirkungsindikatoren und Zeitschienen. Kein Wunder, dass so manch einer bei der Fülle an Informationen schnell mal den Überblick verlieren kann. Mit Ostbelgien und DU möchte die Regierung über ihre Arbeit in unterschiedlichen Bereichen informieren. Das ist der erste Grund, liebe Anwesende.

Was mich unmittelbar zu Grund Nummer 2 bringt – den weitaus bedeutenderen. Wir möchten die Bevölkerung Ostbelgiens bei der Politikgestaltung einbeziehen, sie mit ins Boot holen. Als Minister möchte ich keine Politik an den Leuten vorbei machen. Im Gegenteil!

Schließlich geht es darum, heute den Alltag von morgen vorzubereiten – gemeinsam. Altkanzler Willy Brandt sagte einst „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist sie zu gestalten“.

In diesem Sinne möchte ich Sie alle einladen, diesen weisen Worten zu folgen. Denn es gibt viel zu tun. Wir haben eine Zukunft zu gestalten.

Aber was brauchen wir Ostbelgier im Jahr 2025? Einen guten Job? Aussichtsreiche Bildungsmöglichkeiten? Flexible Kinderbetreuung? Genug Hausärzte und Apotheken auf dem Land? Die Liste ließe sich noch lange weiterführen. Doch so viel Zeit haben wir nicht. Schließlich wollen wir noch etwas von dem vielseitigen und spannenden Tagesprogramm haben. Ich verspreche Ihnen daher, mich möglichst kurz zu fassen. Was auch immer das aus dem Mund eines Politikers bedeuten mag.

Am heutigen Tag möchte ich Ihnen mehr über das REK-Projekt Vielfalt leben erzählen und Ihre Meinung dazu in Erfahrung bringen. Einer unserer fünf Sinne, nämlich das Hören steht dabei im Mittelpunkt.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

unser Gehör ist für viele ein Schlüssel zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Wir können das Gesagte und Geräusche jeder Art um uns herum wahrnehmen. So ergänzt das Gehör unsere anderen Sinne, ermöglicht uns eine bessere Orientierung, es warnt uns vor Gefahren, oder dient als Grundlage unserer Kommunikation. Denn die gesprochene, und damit auch die gehörte Sprache ist die Grundlage der Schrift. Doch nicht bei jedem Menschen ist dieser Sinn gleichermaßen ausgeprägt. Und dadurch sind oder fühlen sich Menschen, die weniger gut oder nicht hören vom vielem ausgeschlossen. Eine Hörschädigung ist für die zwischenmenschliche Kommunikation gleich doppelt schwierig. Zum einen kann der Hörgeschädigte das, was man ihm mitteilen möchte, nicht oder nur teilweise ohne Hilfsmittel verstehen. Auf der anderen Seite ist es für uns nicht immer ein Leichtes, ihn zu verstehen, zum Beispiel wenn er Gebärden nutzt. Eine unkomplizierte Kommunikation ist so nicht immer möglich. Kommunikationsbarrieren bestehen. Und gerade der Abbau von Barrieren in allen Bereichen und in den Köpfen der Menschen ist der Grundgedanke einer inklusiven Gesellschaft.

Selbstbestimmung, Inklusion. Das sind unsere Ziele. Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen mit Beeinträchtigung in der Gesellschaft benachteiligt sind. Dabei spielt die Art der Beeinträchtigung keine Rolle.

Eine Beeinträchtigung kann den einen oder anderen Entwicklungsweg sicherlich erschweren, er stellt Eltern, Geschwister und andere Angehörige vor Herausforderungen. Sie konfrontiert uns mit Ängsten und Sorgen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Menschen mit Beeinträchtigung ihren Weg kann nicht gehen werden. Im Gegenteil. Mit den richtigen Rahmenbedingungen, einer gezielten Unterstützung und den richtigen Hilfsmitteln werden aus wegversperrenden Barrieren überwindbare Hürden. Als Deutschsprachige Gemeinschaft unterstützen wir Menschen mit Hörschädigungen in den verschiedensten Etappen und Bereichen ihres Lebens. Dabei sollte uns ein Zitat des legendären Basketballtrainers John Wooden als Leitsatz dienen. Er sagte einst „Lasse nicht zu, dass das was du nicht kannst, das beeinträchtigt, was du kannst“.

Als zuständiger Sozialminister möchte ich helfen, dass jede und jeder in unserer Gesellschaft ein Leben in Selbstbestimmung führen kann. Doch bei all unseren Bemühungen müssen wir die ganz besonderen Bedürfnisse eines jeden Menschen nicht außer Acht lassen. Jeder Mensch ist anders, jede Beeinträchtigung ist anders. Was mich wieder zum Thema des heutigen Tages bringt. Menschen mit einer Hörschädigung.

Gerade für hörgeschädigte Menschen können falsche oder zu wenig durchdachte Entscheidungen im Rahmen der Inklusion schnell zur Isolation führen, wenn zum Beispiel nicht an teils sehr unterschiedlichen Kommunikationsprobleme und damit auch Lösungen gedacht wird, die hörgeschädigte Menschen mit ihrer Umwelt haben. Denn was der einen Person hilft, ist für den anderen nur bedingt nutzbar.

Um die Teilhabe hörgeschädigter Menschen zu fördern, ist Wissen über diese Behinderung genauso wichtig wie Offenheit gegenüber der Gehörlosenkultur. Mit diesen beiden Fragenstellungen möchten wir uns heute intensiv beschäftigen.

Wie fühlt es sich an, nicht gut zu hören? Welche neuen Hilfsmittel, Dienstleistungen und Freizeitangebote gibt es für Menschen mit Hörschädigung? Und was können wir alle tun, um Ihnen eine selbstbestimmte Teilhabe an gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen?

In diesem Kontext möchte ich die anwesenden Aussteller und Fachleute begrüßen und Ihnen für Ihre heutige Anwesenheit danken.

Das ist ein erster Schritt, eine Art Kick-Off für das, was noch folgt und im Projekt des REK „Vielfalt leben“ beschrieben wird. Denn in den kommenden Monaten und Jahren werden wir natürlich überlegen, wie wir in Zukunft die technischen Hilfsmittel noch besser nutzen können. Das Projekt startet im ersten Halbjahr 2017 und erstreckt sich bis zum ersten Halbjahr 2019.

Und nun möchte ich Sie nicht weiter auf die Folter spannen. Der heutige Tag hat noch einiges für uns auf Lager. Ein Markt der Möglichkeiten, Fachvorträge, Sensibilisierungsmaßnahmen. Abgerundet wird das Ganze dann morgen mit einem barrierefreien Kinoerlebnis des Films „SMS für Dich“. Die Dienststelle für Personen mit Behinderung hat sich einiges einfallen lassen. Den Organisatoren der DPB und allen Beteiligten möchte ich an dieser Stelle schön meine Glückwünsche aussprechen und Ihnen danken. Aber nicht nur Ihnen. All denjenigen, die heute ihren Weg hierhin gefunden haben gebührt im Namen der Regierung mein Dank. Und da bekanntermaßen aller guten Dinge drei sind: Vielen Dank an die Dolmetscher, denen es zu verdanken ist, dass auch Personen mit Hörschädigungen aktiv teilnehmen können.

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