Reden / Reden & Parlament

Schlaganfallkampagne


Es gilt das gesprochene Wort!

27.10.2016

PRT Schlaganfall1 (141.9 KiB)

Sehr geehrte Damen und Herren,

werte Mitglieder des Patienten Rat und Treff.

Es freut mich, anlässlich der diesjährigen Schlaganfallkampagne des Patienten Rat & Treff einige Worte an Sie richten zu dürfen.

Soviel vorweg: Ich kann die Initiative des PRT nur ausdrücklich begrüßen. Denn das Thema ist von gesellschaftspolitischer Bedeutung. Es betrifft uns alle – direkt oder indirekt. Das weiß auch die Regierung, die diese Kampagne mit dem PRT vertraglich geregelt hat.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ein Familienvater erleidet beim morgendlichen Joggen einen Schlaganfall. Die Folgen: Seine kognitiven Fähigkeiten wie Orientierung, Sprache und Gedächtnis sind stark beeinträchtigt, er ist nicht mehr in der Lage, seiner Arbeit nachzugehen.

Solch ein Schicksalsschlag bedeutet nicht nur für den Betroffenen einen radikalen Lebenswandel. Auch seine Familie und Freunde stehen vor einer völlig neuen Situation. Gewohnheiten, Alltag und bis dahin selbstverständliche Abläufe ändern sich von heute auf morgen schlagartig. Je nach Schwere der Schädigung sind Betreuung und Pflege rund um die Uhr von Nöten. Für das unmittelbare Umfeld ist das eine enorme Herausforderung; in vielen Fällen sogar eine Überforderung.

An dieser Stelle möchte ich auf das Pilotprojekt zur Tagesbetreuung von Menschen mit einer schweren neurologischen Schädigung hinweisen. Trägerin des Projektes ist die Tagesstätte Meyerode. Gemeinsam mit der Klinik St. Joseph bietet sie an zwei Tagen pro Woche Aktivitäten an und arbeitet in diesem Rahmen eng mit dem Dienst Come-Back für hirngeschädigte Menschen mit kognitiven Defiziten zusammen. Die Dienststelle für Personen mit Behinderung begleitet im Auftrag der Regierung das Projekt fachlich.

Hierfür stellt die Regierung eine Summe von 65.000€ zur Verfügung. Dieses Projekt verfolgt eine doppelte Zielsetzung: Zum einen können die Betroffenen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten und nach ihrem Rhythmus, an Alltagsbeschäftigungenwie Kochen, kreativem Handwerk sowie Spaziergängen teilnehmen. Dadurch wird ganz gezielt auch die soziale Rehabilitation gefördert. Zum anderen werden die Angehörigen in ihrer Pflegearbeit entlastet und unterstützt.

Da die Bilanz des Projektes positiv ausfiel, wird die Regierung ab 2017 die strukturelle Bezuschussung gewährleisten.

Dieses Angebot greift, nachdem eine Person einen Schlaganfall erlitten hat. Doch lässt sich ein Schlaganfall auch verhindern? Gänzlich verhindern wohl nicht. Denn von einem Moment auf den nächsten kann ein jeder von uns einen Schlaganfall erleiden.

Die Zahl der Schlaganfallpatienten steigt stetig. Äußerst besorgniserregend ist dabei, dass vermehrt auch junge Menschen durch einen Schlaganfall betroffen sind. Warum dies so ist und ob und wie einem Schlaganfall frühzeitig entgegengewirkt werden kann – mit diesen Frage befasst sich die diesjährige Schlaganfallkampagne. Unter dem Motto „Zu jung für einen Schlaganfall? Ein Schlaganfall kann jeden treffen!“ finden sowohl heute hier in Eupen, als auch am 3. November in St. Vith Vorträge statt.

Es ist besonders wichtig, auch die jüngere Generation auf diese Thematik aufmerksam zu machen. Denn zu denken, dass nur Menschen fortgeschrittenen Alters Schlaganfälle erleiden können, wäre falsch. Dies wird auch zunehmend durch Statistiken bestätigt. So sind zirka 5 Prozent der Schlaganfall-Patienten unter 40 Jahren. Um dem entgegenzuwirken, ist es notwendig, über die Risikofaktoren aufzuklären.

Denn in den meisten Fällen kann eine ungesunde Lebensweise zu einem Schlaganfall führen. Mangelnde körperliche Bewegung, Übergewicht, hoher Blutdruck, Diabetes, Rauchen, Alkohol- oder Drogenkonsum, ein stressiger Alltag… Häufig folgt das eine dem anderen. Das Aufeinandertreffen mehrerer Faktoren erhöht das Risiko eines Schlaganfalls.  Die Menschen müssen informiert werden, welche Folgen ein gesundheitsschädlicher Lebensstil haben kann.

Hier sind nicht nur die Medizin und die Gesellschaft gefordert. Nein auch die Politik steht in der Pflicht.

Die Deutschsprachige Gemeinschaft hat im Zuge der Sechsten Staatsreform neue Handlungsmöglichkeiten erhalten. Denn wir sind für die Gesundheitsförderung zuständig. Durch Präventionsarbeit und Gesundheitsförderung können wir das Gesundheitsbewusstsein von immer mehr Menschen fördern. Gesunde Ernährung und ausreichend Sport stärken bekanntlich Körper und Geist. Vorbeugung ist möglich!

Es ist klar, wir können niemandem einen gewissen Lebensstil vorschreiben. Und das möchten wir auch nicht. Unsere Aufgabe ist es jedoch, unsere Bürgerinnen und Bürger entsprechend zu informieren und ihnen die Vorzüge und die Nachteile ihres Verhaltens aufzuzeigen.

Werte Anwesende,

mein Ziel ist eine Gesundheitspolitik, die möglichst früh ansetzt. Eine Gesundheitspolitik, die durch eine solide Prävention und Gesundheitsförderung dafür sorgt, dass die richtigen Weichen für ein gesundes Leben gestellt werden. Diese vorbeugenden Maßnahmen müssen die Menschen im Idealfall ein Leben lang begleiten. Deshalb arbeite ich an einem neuen Konzept der Prävention und Gesundheitsförderung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, das auf den Setting-Ansatz aufbaut. Ein Konzept, das wir mit den verschiedenen Präventionsdienstleistern, mit den Behörden und Trägern von Gesundheitseinrichtungen, Schulen, Seniorenheimen, Kinderbetreuungsstrukturen usw. umsetzen werden.

Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain sagte einst „Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende – und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen.“
Diesen weisen Worten möchte ich an dieser Stelle Folge leisten. Ich bin ohnehin bereits sehr auf die Vorträge von Herrn Pirard und Frau Mary gespannt. Ich wünsche Ihnen einen schönen und vor allem erkenntnisreichen Abend.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

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