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Unbegleitete Jugendliche


Es gilt das gesprochene Wort!

20161005Unbegleitete Jugendliche (247.9 KiB)

Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass der Föderalstaat – in diesem Fall Fedasil – für die unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge – auch als MENA bekannt – zuständig ist und nicht die Deutschsprachige Gemeinschaft.

Stand der Dinge in der DG

Ich habe aufgrund Ihrer Frage Rücksprache mit den Verantwortlichen der Empfangszentren in der DG genommen.

Im Bellevue in Eupen sind derzeit 49 MENA untergebracht. Bis auf vier Minderjährige haben alle einen Vormund. Allerdings sind diese erst vor Kurzem im Zentrum eingezogen.

Im Sankt Elisabeth-Haus in Manderfeld befinden sich 25 MENA, wovon nur einer noch keinen Vormund hat.

Außerhalb der Zentren leben laut unseren jetzigen Erkenntnissen keine unbegleiteten Minderjährigen.

Rolle Vormund + Begleitung

Jeder Jugendliche bekommt einen Vormund, der für administrative Fragen und die Begleitung bei der Asylprozedur zuständig ist. Für die Auswahl, Vorbereitung und die Ernennung der Vormunde ist der „service des tutelles“ in Brüssel zuständig, der dem Justizministerium angeschlossen ist. Für die derzeit fünf unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge wird also derzeit nach einem Vormund gesucht. Erst wenn ein Vormund bezeichnet wurde, kann die Asylprozedur eröffnet werden.

Betreuung

Auf ihre Betreuung und Begleitung hat dies jedoch keinen Einfluss. Die MENA in den Zentren werden vom dortigen Personal begleitet. Alle besuchen die Schule. Die Zentren können an verschiedene Dienste weiterleiten, falls Therapiebedarf besteht.

Solange der Aufenthaltsstatus der MENA ungeklärt ist, müssen sie in den jeweiligen Zentren bleiben. Sollten sie eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, können sie, das Einverständnis des Vormunds vorausgesetzt, das Zentrum verlassen, um beispielsweise zu anderen Verwandten im Inland zu ziehen. Sie dürfen je nach Alter auch in die Verselbständigung. Voraussetzung hierfür ist jedoch neben dem Einverständnis des Vormunds die Fähigkeit der MENA, autonom leben zu können. Diese Einschätzungen werden vom jeweiligen Empfangszentrum vorgenommen. Sollte eine spezialisierte Hilfe für einen MENA erforderlich sein, ist der Jugendhilfedienst des Wohnortes des Vormunds zuständig. Kommt also der Vormund aus Antwerpen, so ist der Jugendhilfedienst Antwerpen zuständig. Aktuell ist unser Jugendhilfsdienst nicht betroffen.

Da die Thematik der MENA jedoch hoch komplex ist und nicht nur den Bereich Integration, sondern auch den Bereich Jugendhilfe betrifft, schlage ich dem Ausschuss vor, im kommenden Jahr zu diesem Thema eine Anhörung zu organisieren.

Allgemeine Vorgehensweise

Bei ihrer Ankunft werden die MENA für einen Monat in ein Beobachtungs- und Orientierungszentrum aufgenommen. Diese Beobachtungs- und Orientierungsstellen schätzen spezialisierte Therapiebedarfe und die persönlichen Profile der MENA ein und weisen sie anschließend den entsprechenden Aufnahmezentren zu.

Es gibt Zentren, die ausschließlich MENA aufnehmen und Zentren, wie Eupen und Manderfeld, in denen die unbegleiteten Minderjährigen mit Erwachsenen bzw. Familien zusammenleben. 

 

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