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„DG fördert gesunde Ernährung und Prävention“


Antwort des Herrn Ministers ANTONIADIS auf die Interpellation von Herrn BALTER (VIVANT) bezüglich des Gesundheitsrisikos durch giftige Chemikalien, insbesondere der immer stärker werdenden Problematik von Übergewicht und Fettleibigkeit, besonders bei Kindern in der DG und den diesbezüglich getroffenen Präventionsmaßnahmen durch die Regierung der DG

04.11.2015

20151104 Interpellation M Balter Gesundheitsrisikos Durch Giftige Chemikalien (54.4 KiB)

Es gilt das gesprochene Wort!

Liebe Kollegen,

ist es wirklich so, dass die Epidemien von Diabetes oder Fettleibigkeit, so wie in den zitierten Studien erwähnt, giftigen Chemikalien zuzuordnen sind? Kann aus einer Studie, die auf einen möglichen Zusammenhang verweist, unmittelbar eine unumstößliche Schlussfolgerung abgeleitet werden?

Falls dem so ist, sollten dann nicht auch die Fußnoten aus dem Textbeitrag zur Kenntnis genommen werden, aus dem ganze Textpassagen der Interpellation stammen?

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland veröffentlichte im März 2012 eine Kurzfassung der besagten Studie. Ich werde Ihnen die Auflistung der kopierten Textpassagen ersparen. Gehen wir lieber auf den Inhalt ein.

Zu Bisphenol A steht in dem Artikel des Bundes für Umwelt und Naturschutz, ich zitiere:

„Kann aus der Innenbeschichtung von Konservendosen und Polycarbonat-Kunststoffen in Lebensmittel übergehen“ und weiter ist zu lesen “in der EU in Babyflaschen verboten“.

Zu der besagten Fußnote zitiere ich den Artikel des Bundes für Umwelt und Naturschutz : „Da es große Unterschiede zwischen der Beweiskraft der unterschiedlichen epidemiologischen Studien gibt und diese Studien keine übereinstimmenden Ergebnisse hervorgebracht haben, sollte jede einzelne Studie sorgfältig betrachtet werden.“

Aufgrund der Frist zur Beantwortung der Interpellation konnte ich sämtlichen einzelnen Studienbetrachtungen nicht nachgehen. Auch war keine Zeit, ein externes Studienbüro damit zu beauftragen.

In 2010 veröffentlichte die OECD eine Studie zur Fettleibigkeit in den Industrieländern.

Mit klaren und belegbaren Zahlen wird der Zusammenhang zwischen mehreren Faktoren und der Fettleibigkeit beleuchtet.   Faktoren, die jedoch nichts mit einem Chemielabor zu tun haben. Nein, es handelt sich um Faktoren wie das Einkommen, die Bildung oder Arbeitsbedingungen.

In manchen Ländern besteht nachweislich ein deutlicher Zusammenhang zwischen geringer Bildung und Einkommensschwäche, was die Gefahr von Fettleibigkeit beispielsweise bei Frauen verdoppelt bis verdreifacht.

2013 lag Belgien unter dem OECD Durchschnitt. Die Fettleibigkeitsrate betrug 13,8 %. Zum Vergleich: Deutschland wies 14,7% auf. Spitzenreiter sind die USA mit 33,8%. Zu den gesündesten Bürgern zählen die Koreaner mit 3,8 % und die Japaner mit 3,9 % der Bevölkerung, die an Fettleibigkeit leiden.

In der OECD Studie werden auch die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten sowie körperliche Bewegung hervorgehoben. Hier kann ganz konkret eine Brücke zu den Ergebnissen der letzten nationalen Gesundheitsstudie geschlagen werden. Diese wurde Ihnen in der Sitzung vom 14.10.2015 vorgestellt. Sie hat ergeben, dass sich rund 40 % der DG Bevölkerung mindestens 30 Minuten am Tag bewegt. In Belgien liegt der Durchschnitt bei 36%.

Liebe Kollegen, meine Frage an Sie lautet daher: Soll die DG sich mit der Marktzulassung von Produkten befassen, einem Bereich, in dem sie keinerlei Zuständigkeiten besitzt?

Die Zulassung von Zusatzstoffen ist eine von EU-Richtlinien geprägte Prozedur. So verbietet die Richtlinie 2011/8/EU ab dem 1. März 2011 die Verwendung von Bisphenol A, auch BPA genannt in Baby-Flaschen. Dieses Verbot ist auf eine durch die EU in Auftrag gegebene Stellungnahme der Europäischen Lebensmittelbehörde zurückzuführen. In 2014 setzte die Europäische Kommission (EK) den Freisetzungsgrenzwert von Bisphenol A in Spielwaren weiter herab. Dieser beträgt nun 5 mg/kg (Gesamtgehalt). Dies erfolgte über eine Änderung der Spielwarenrichtlinie 2009/48/EG. Die EK ging sogar noch weiter. Gemäß dieser Änderungen ist Bisphenol A in Spielware für Kinder zwischen 0 und 3 Jahre untersagt.

Die Umsetzung der Richtlinie erfolgt auf nationaler Ebene. Die Kontrolle fällt nicht in die Zuständigkeiten der DG. Auch Lebensmittel können Spuren von Bisphenol A aufweisen. Auf nationaler Ebene unterliegen die Nahrungsmittel strikten Kontrollprozeduren der AFSCA.

Im Rahmen unserer Zuständigkeiten kann die DG bei der Sensibilisierung und Vorbeugung ansetzen. Hierzu greifen wir auf Fakten zurück.

Studien, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Chemikalien und Fettleibigkeit oder anderen Gesundheitserkrankungen nachweisen, gibt es wie Sand am Meer. Studien, die besagten Studien widersprechen aber ebenso.

Anders als beim möglichen Einfluss von Bisphenol A auf Diabetes oder Fettleibigkeit, ist mir keine Studie bekannt, die widerlegt, dass Früchte oder eine gesunde Ernährung gut für die Gesundheit sind. Es wird sogar ein Konsum von 3 Früchten pro Tag empfohlen.

Die Regierung fördert dies. Als Beispiel hierfür gilt die Aktion „Tutti Frutti“, die wir jährlich in den Schulen organisieren. Das Thema Übergewicht wird zudem von Kaleido u.a. durch die Ernährungsberatung abgedeckt. Hier denke ich an ein gesundes Pausenbrot, Sensibilisierung der Eltern bei Übergewicht mit Verweis auf Diätassistenten.

Laut nationaler Gesundheitsstudie essen 54% der DG-Bevölkerung täglich Früchte, 72% Gemüse. Damit liegen wir leicht unter dem nationalen Durchschnitt von jeweils 56% und 78%. Hier besteht sicherlich noch Luft nach oben.

Das Thema Ernährung ist auch einer der Schwerpunkte der Gesundheitsförderung. Eine weitere konkrete Maßnahme ist das diesjährige PEB-Programm zur gesunden Ernährung im Alter. Hier hat die Regierung im Juni zwei von vier eingereichten Projekten stattgegeben.   Dabei handelt es sich um die Projekte des Katharinenstifts Astenet und des St. Nikolaus-Hospitals. Im nächsten Jahr liegt der Schwerpunkt bei der Bekämpfung des Übergewichts bei Kindern aus einkommensschwachen Familien.

Zurück zu Bisphenol A und zu den Chemikalien im Allgemeinen. Es handelt sich hierbei um ein Verbraucherverhalten. Erster Dienstleister der DG ist in dieser Hinsicht die VSZ. Ich werde dieser gerne Ihr Anliegen weiterleiten, Kollege Balter. Die DG verfügt allerdings über weitere Dienstleister. Ich denke hier u.a. an Kaleido.

Im Rahmen der Betreuung von Familien mit Kindern von 0 bis 3 Jahren wird der Schadstoff Bisphenol A angesprochen. Eltern werden darauf aufmerksam gemacht, Inhaltsstoffe auf Beißringen, Plastikbechern, Milchflaschen und anderen Spielsachen und Gegenständen auf Bisphenol A zu prüfen. Insbesondere sollen sie achtsam sein, wenn sie Material aus zweiter Hand erstehen. Hier besteht die Gefahr, dass dieses älter ist und Bisphenol A aufweist.

Bei der Vorsorgeuntersuchung von Kaleido wird nicht das Vorhandensein verschiedener spezifischer Stoffe im Blut oder Urin geprüft.

Die systematischen Vorsorgeuntersuchungen beinhalten gemäß Dekret vom 31.März 2014 bei jedem Schüler:

  1. die Anamnese der Gesundheit und seines Verhaltens;
  2. die klinische Untersuchung;
  3. die biometrischen Messungen;
  4. die Aufspürung von motorischen und entwicklungsbedingten Rückständen und sensorische Auffälligkeiten;
  5. die Beobachtung von Verhaltensauffälligkeiten;
  6. das Aufspüren von ansteckenden Krankheiten

Auch wird das Thema auf Ebene der Kinderbetreuung aufgegriffen. Da diese Substanz seit 2013 bei Gegenständen, die Nahrungsmittel beinhalten (Babyflasche….) und bei Gegenständen, die für Kinder zwischen 0 und 3 Jahren gedacht sind, verboten ist, hat das RZKB zugesichert, dass die notwendigen Vorkehrungen getroffen wurden. Auf den Gegenständen muss vermerkt sein „0% BPA“ oder „ohne BPA“. Darüber hinaus gibt es ein entsprechendes Erkennungssymbol. Das RZKB bestellt Material für die Kinderkrippen und den Tagesmütterdienst ausschließlich bei Firmen, die geprüfte Produkte für den Kleinkindbereich verkaufen.

Bei der Schulung von Kindergärtnerinnen ist das Thema Bestandteil des Praktikums.

Wie Sie sehen, tragen wir den Chemikalien, ohne dabei große Wellen zu schlagen, in der alltäglichen Arbeit unserer Dienste durchaus Rechnung.

 

 

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