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BWs wichtiger Baustein der Sozialökonomie


Frage von Frau Liesa SCHOLZEN (ProDG) an Herrn Minister ANTONIADIS zu den Beschützenden Werkstätten

Wie die meisten von Ihnen sicherlich wissen, hat die Beschützende Werkstätte in Meyerode seit einigen Wochen eine neue Geschäftsführerin. Diese sprach der Presse gegenüber offen über vielfältige Probleme, die in den Werkstätten anfallen, so auch die Schwierigkeit der Planungssicherheit.

Beschützende Werkstätten sollen den Einstieg in ein „normales“ Berufsleben erleichtern, müssen aber gleichzeitig profitabel arbeiten – sicherlich kein leichtes Unterfangen. Hier ist außerdem zu berücksichtigen, dass es ein gemischtes Publikum aus Angestellten geben muss und zwar solche im Rahmen einer sozio-professionellen Integrationsmaßnahme und Menschen mit einer Beeinträchtigung. Nun häufen sich in den Beschützenden Werkstätten Fälle von Angestellten, die parallel an einer geistigen Behinderung und einer psychischen Erkrankung leiden. Das Funktionieren der Werkstätte ist also keineswegs selbstverständlich oder einfach. Allerdings liefern Sie neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung einen wichtigen sozialen Beitrag, denn Ihren Angestellten wird die Chance geboten, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen und Geld zu verdienen.

Daher meine Frage an Sie, Herr Sozialminister, inwiefern sie Möglichkeiten sehen, die

Beschützenden Werkstätten bei ihrer wichtigen Aufgabe noch besser dabei zu unterstützen, Menschen in Arbeit zu bringen, die sowohl geistige Beeinträchtigungen als auch psychische Erkrankungen aufweisen.

Antwort von Herrn Minister Antonios Antoniadis

Die Beschützenden Werkstätten nehmen als spezialisierte Einrichtungen der Sozialökonomie eine wichtige Rolle in der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung ein. Neben der unterstützten Beschäftigung in der Privatwirtschaft fungieren sie als eine der beiden Säulen der Beschäftigungspolitik für Menschen mit Behinderung.

Für die drei Beschützenden Werkstätten in der DG sind im kommenden Haushaltsjahr 2016 2.055.663,79 Euro vorgesehen. Dies entspricht dem kürzlich von der Regierung genehmigten Haushalt der DPB. Damit werden anteilig die Lohnkosten des Kader- und Begleitpersonals, die Kosten der Ausbildungsabteilungen, die Unterhaltszuschüsse sowie die Lohnzuschüsse für die Personen mit Behinderung beglichen.

Die restlichen Kosten werden durch andere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Personen mit multiplen Vermittlungshemmnissen aber vor allem aus dem erwirtschafteten Geld beglichen.

Die Thematik der Personen mit geistiger Behinderung und zusätzlich starken Verhaltensauffälligkeiten und/oder psychischer Beeinträchtigung, in Fachkreisen als so genannte Doppeldiagnose bekannt, stellt die Mitarbeiter der Einrichtungen und Dienste, aber auch die Angehörigen oftmals vor große Herausforderungen.

Sie betrifft dabei allerdings nicht nur die Beschützenden Werkstätten, sondern alle Teilbereiche der Behindertenpolitik: die Wohnangebote, die Tagesstätten, die Familienbegleitung, das Unterrichtswesen, die Unterstützte Beschäftigung.

Diese Thematik verläuft im Übrigen durch eine Schnittstelle zwischen dem Behindertenbereich und dem Gesundheitsbereich hindurch. Von daher wird die Thematik in einer sektorenübergreifenden Arbeitsgruppe behandelt. In dieser arbeiten mit, unter anderem

  • das mobile Team,
  • das PPH,
  • der Psychiatrieverband,
  • das ZFP,
  • die DPB sowie
  • die Einrichtungen und Dienste des Behindertenbereichs.

Wie es der Zufall will, findet genau heute der zweite Teil einer Weiterbildung zu diesem Thema hier in der DG statt. Diese wurde von der DPB, in enger Zusammenarbeit mit dieser Arbeitsgruppe, organisiert. Schwerpunktmäßig betrifft diese Weiterbildung die Stärkung der Mitarbeiter im täglichen Umgang mit Menschen mit Doppeldiagnose. Teilnehmer kamen und kommen aus beiden Bereichen. Diese Weiterbildung geht einher mit einer fachlichen Begutachtung der bisherigen Angebote vor Ort.

Zwei weitere Initiativen wurden Ende vergangenen Jahres von der DG unterstützt. Es handelt sich hierbei um das ESF-Projekt der BW „Qualitätsverbesserung in der Begleitung – Sozialökonomie“ sowie das ESF-Projekt der DPB „Start-Service UB+“.

Gerne informiere ich Sie auch über die Absicht der DPB, gemeinsam mit verschiedenen Partnerorganisationen, Ende 2015 ein INTERreg-Projekt einzureichen, das genau auf diesen Bedarf eingehen wird. Ziel des Projektes ist der Aufbau eines ambulanten Fachteams in zweiter Linie, das die in der Begleitung tätigen Personen fachlich in Ihrer Arbeit unterstützt und, wo nötig, Weiterbildungen und Krisenbearbeitung anbieten kann.

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