Reden / Reden & Parlament

Boxen ist mehr als Sport


Rede von Antonios Antoniadis, Minister für Familie, Gesundheit und Soziales, anlässlich des Königlichen Boxrings

Eupen, 06.09.2015

20150828 Rede Boxring (51.6 KiB)

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn im Gespräch mit Freunden und Bekannten das Thema „Boxen“ aufkommt, sind Vorurteile über die Sportart garantiert. „Das ist total gefährlich!“, „Die verhalten sich wie Tiere!“ oder „Das ist kein Sport, das ist Brutalität und Aggression!“. Mit diesen Parolen sieht man sich konfrontiert. Ich bin sicher, dass der eine oder andere unter Ihnen dieselben Erfahrungen gemacht hat, wie ich.

Sicherlich Boxen ist kein ungefährlicher Sport. Doch das Boxen nur auf Vorurteile zu beschränken, wird der Sache nicht gerecht. Denn Boxen ist viel mehr als das. Boxen ist mehr als eine Disziplin. Boxen ist mehr als eine Sportart.

„Du und ich – und auch sonst keiner – kann so hart zuschlagen wie das Leben! Aber der Punkt ist nicht der, wie hart einer zuschlagen kann … Es zählt bloß, wie viele Schläge man einstecken kann und ob man trotzdem weitermacht.“

Diese Worte stammen nicht von mir. Und sie stammen auch nicht von einem großen Philosophen. Nein, diese Worte stammen von niemand anderem als Rocky Balboa. Dem von Silvester Stallone verkörperten Helden der wohl berühmtesten Boxfilmreihe der Welt.

Zwar mögen einige diese Zeilen als Hollywood-Illusion abtun, aber wenn man genauer darüber nachdenkt, trifft der Filmheld mit seiner Metapher den Nagel auf den Kopf.

Denn der Boxsport und das Alltagsleben weisen weitaus mehr Parallelen auf, als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag.

Der Boxsport lebt von der Energie, der Leidenschaft der Sportler und deren unbändigen Willen, den Kampf zu gewinnen. Sie brauchen Selbstbewusstsein, Stärke und Mut. Sie brauchen Tapferkeit. Aber vor allem brauchen sie Durchhaltevermögen. Sie dürfen sich nicht von dem ein oder anderen Treffer aus der Ruhe bringen lassen. Sie müssen sich immer wieder aufs Neue aufrappeln, die Zähne zusammenbeißen und an sich glauben. Nur dann können sie am Ende des Kampfes den Ring als Sieger verlassen.

Und mit dem Leben verhält es sich ganz ähnlich. Jeder von uns hat schon mal den ein oder anderen Rückschlag hinnehmen müssen. Wir alle waren mit Sicherheit schon mal an dem Punkt, an dem wir aufgeben wollten. Und an dem wir uns mit unserer Niederlage abgefunden hatten. In solchen Situationen brauchen auch wir das Durchhaltevermögen, den Glauben und den Willen, doch noch zu bestehen. Wir müssen in uns und unsere Stärke vertrauen. Wir müssen uns, wie man so schön sagt, „durchboxen“.

Neben dem sportlichen Aspekt hat das Boxen also auch eine erzieherische Note. Boxen kann uns lehren, nicht den Kopf hängen zu lassen. Es kann uns lehren bis zum Schluss an einen positiven Ausgang zu glauben. Es kann uns aber auch gesunden Sportsgeist und Fairness lehren. Unsportlichkeit wird nicht geduldet. Schläge unter die Gürtellinie sind tabu und führen auch nicht zum Erfolg.

Das musste einst auch der amerikanische Boxer Jack Sharkey lernen, als während des Kampfes um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht gegen den Deutschen Max Schmeling wegen eines unerlaubten Tiefschlags disqualifiziert wurde. Bis heute ist das der einzige Weltmeistertitel, der aufgrund einer Disqualifikation vergeben wurde.

Wie es der Zufall so will, fand dieser legendäre Kampf im Jahre 1930 statt. Dem Gründungsjahr des Eupener Boxrings. Aber Tiefschläge werden hier trotzdem nicht gelehrt.

Hier in Eupen wird auf den pädagogischen und erzieherischen Effekt des Boxtrainings besonders großen Wert gelegt. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen trainieren zusammen als Gemeinschaft. Sie trainieren in einem Rahmen, der es ihnen erlaubt, ihre Emotionen geregelt und kontrolliert rauszulassen. Und sie lernen vom ersten Tag an, dass Sportlichkeit und Fairness wichtiger sind als Siege.

Der Eupener Boxring sieht sich selbst in der gesellschaftlichen Verantwortung, Jugendlichen mit sozialen und persönlichen Schwierigkeiten eine sinnvolle Beschäftigung in einem gemeinschaftlichen Rahmen zu bieten. In der Vergangenheit gab es auf diesem Gebiet bereits die eine oder andere sehr erfolgreiche Zusammenarbeit. So hat Heinz Plaire fünf Jahre lang jeden Morgen straffällige Jugendliche trainiert und betreut. Das Boxtraining war im Rahmen dieses Projektes eine alternative Maßnahme zur Untersuchungshaft. Die zuständige Untersuchungsrichterin Verena Reul hat dieses ehrenamtliche Engagement zurecht in den höchsten Tönen gelobt. Dem kann ich mich nur anschließen und als zuständiger Minister für die Jugendhilfe, das Justizhaus und Soziales ankündigen, dass die Deutschsprachige Gemeinschaft erneut die Zusammenarbeit mit dem Eupener Boxring anstreben wird.

Was der Boxring in den achteinhalb Jahrzehnten seines Bestehens sowohl auf sportlicher als auch auf sozialer und integrativer Ebene geleistet hat, ist absolut vorbildlich. Und ich wünsche ihm, dass er diese Arbeit auch in den nächsten Jahren genauso zielstrebig und erfolgreich weiterführen kann.

Jetzt habe ich allerdings genug geredet und gebe den Ring frei.

Vielen Dank.

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