Reden / Reden & Parlament

Trainingswohnungen eingeweiht


Rede von Antonios Antoniadis, Minister für Familie, Gesundheit und Soziales, anlässlich der Einweihung der Trainingswohnungen im Mosaik-Zentrum

28.08.2015

20150827 Redevorbereitung Mosaik (19.7 KiB)

„Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“ So lautet ein bekanntes neuseeländisches Sprichwort. Und auch wenn das im ersten Moment widersprüchlich klingt, so trifft es dennoch den Nagel auf den Kopf.

Kinder durchlaufen beim Heranwachsen mehrere Etappen. Jede einzelne davon ist wichtig und prägt die Kinder auf unterschiedliche Weise. Jede einzelne davon ist anders. Und jede einzelne erfordert vom direkten Umfeld eine Umstellung und ein „sich Anpassen“ an die jeweiligen Bedürfnisse des Kindes.

Zu Anfang brauchen die Kinder vor allem familiäre Geborgenheit und Schutz. Sie brauchen Sicherheit und Halt. Sie brauchen Vertrauen und Stabilität.

Wenn sie flügge werden und das elterliche Nest verlassen, sich zu jungen Erwachsenen entwickeln, müssen sie in ihrer Selbstständigkeit bestärkt und unterstützt werden. Sie brauchen das Vertrauen, dass sie den richtigen Weg einschlagen und ihn sicheren Schrittes gehen werden. Sie brauchen Freiheit und Selbstbestimmung. Und sie müssen vorbereitet werden. Auf ihr Entlassen in die große weite Welt und auf ihre Rolle und ihre Position in der Gesellschaft.

Nicht alle Kinder können im familiären Umfeld auf diesen Halt und diese Unterstützung bauen. Nicht alle haben Eltern, die ihnen sowohl die Wurzeln als auch die Flügel schenken können, die sie so dringend benötigen.

In einer solchen Situation werden die Kinder jedoch nicht alleine gelassen und sind nicht allein auf sich gestellt. Denn an dieser Stelle greift das Angebot des Mosaik.

Soziale Einrichtungen wie das Mosaik-Zentrum haben sich das Ziel gesetzt, denjenigen ein Zuhause zu geben, die kein familiäres Nest haben. Und sie bieten denjenigen eine Perspektive, die noch keinen Weg gefunden haben, ihre Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu festigen.

Um dieses ehrgeizige Ziel noch besser erreichen zu können, hat sich das Mosaik-Zentrum vor einigen Jahren zur Einrichtung der sogenannten Trainingswohnungen entschlossen. Dieses Wohnkonzept soll für junge Erwachsene eine Möglichkeit sein, sich auf das spätere Leben in den eigenen vier Wänden vorzubereiten. Es soll ihnen die Chance geben, im geregelten und sicheren Umfeld des Zentrums die Eigenständigkeit zu entwickeln, die für ein Leben in der großen weiten Welt notwendig ist. Damit sie, wenn sie schlussendlich flügge werden, bestens gerüstet sind, um ihren Weg zu beschreiten.

Kurz gesagt: Es gibt den Jugendlichen neben den Wurzeln auch die Flügel.

Die Trainingswohnungen ermöglichen den Heranwachsenden eine freie Persönlichkeitsentwicklung. Sie geben ihnen die Chance, Selbständigkeit in einem geschützten und gestützten Rahmen zu trainieren, sich auszuprobieren sowie die eigene Zukunft zu gestalten. Die jungen Erwachsenen erlangen die sozialen Kompetenzen, die für ein gesellschaftliches Zusammenleben unabdingbar sind. Denn Eigenständigkeit bedeutet nicht nur Freiheit. Es bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen.

Umso mehr, als dass dieser Rahmen der Trainingswohnungen auch für Eltern mit Kind angeboten wird. In dieser Situation werden Eltern befähigt, ihren Kindern Wurzeln zu geben und ihre Entwicklung verantwortlich und kompetent zu gestalten. Auch, wenn und weil sie selber in ihrem Erwachsensein sein noch „Training“ benötigen.

Um all dies zu erreichen, müssen zwei wichtige Faktoren stimmen:

Der erste betrifft die finanzielle Basis, dir für ein solches Projekt gegeben sein muss. Darunter fällt zum einen die Infrastruktur und zum anderen das Personal. An dieser Stelle hat die Deutschsprachige Gemeinschaft ihren Beitrag geleistet, indem sie die notwendigen Umbauarbeiten finanziert hat und für die Personalkosten aufkommt.

Der zweite betrifft die Vision der Verantwortlichen. Den unbedingten Willen, dieses Projekt auf die Beine zu stellen. Und das Engagement und der Einsatz der Erzieher und Betreuer, die Tag für Tag alles tun, um den jungen Mensch den Weg zu weisen und ihnen ein sicheres und fürsorgliches Zuhause zu geben.

An dieser Stelle möchte ich mein großes Lob und meinen Dank an all jene richten, die sich dem Schutz und der Betreuung jener verschrieben haben, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind.

Denn Sie geben so vielen Menschen Wurzeln und Flügel.

Vielen Dank.

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