Reden / Reden & Parlament

Der demografische Wandel ist kein Schreckgespenst, sondern eine Herausforderung!


Rede von Antonios Antoniadis, Minister für Gesundheit, Familie und Soziales anlässlich des 2. Seniorenforums

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
zunächst einmal möchte ich mich recht herzlich für die Einladung zum diesjährigen Seniorenforum bedanken.

Das Alter spielt (k)eine Rolle – dies ist das Motto des heutigen Tages. Auch ich habe mir im Vorfeld dieser Veranstaltung einige Gedanken zum Thema gemacht. Im Leben eines jeden Menschen hat das Alter seinen eigenen Stellenwert. Jedes Alter bringt etwas ganz Besonderes mit sich. In der Jugend geht man mit einer gewissen Sorglosigkeit und Unbekümmertheit durchs Leben. Im mittleren Alter ist oftmals die Gründung der eigenen Familie DAS Ereignis schlechthin. Im fortgeschrittenen Alter kann man auf ein Leben voller Erfahrungen zurückblicken und eine beeindruckende Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen.

Der medizinische Fortschritt hat dazu geführt, dass einige früher unheilbare Krankheiten nun wirksam bekämpft werden können und die Menschen durchschnittlich länger leben. Nicht nur in Fachkreisen wird vom demografischen Wandel gesprochen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die den demografischen Wandel als Schreckgespenst sehen. Ich betrachte ihn als eine Herausforderung für die nächsten 30 bis 40 Jahre. Die Tatsache, dass wir länger und gesünder leben, ist ein Fortschritt, eine bemerkenswerte Errungenschaft, auf die niemand verzichten möchte. Oder kennen Sie jemanden, der nicht lange und gesund leben möchte?

Doch die Situation hat auch eine Kehrseite. Je älter wir werden, umso häufiger treten auch altersbedingte Krankheiten wie Demenz auf. Das Thema Demenz, das heute im Mittelpunkt des Geschehens stehen wird, löst nach wie vor bei manchen ein gewisses Unbehagen aus. Die Krankheit wird noch viel zu sehr tabuisiert in unserer Gesellschaft. Im vergangenen Jahr durfte ich einem hochinteressanten Vortrag von Frau Dr. Romero zum Thema Demenz beiwohnen. Und auch die heutige Veranstaltung zeigt, dass die gesellschaftliche Bereitschaft, sich auf dieses Thema einzulassen, immer größer wird. Ich bin sicher, Frau Backes wird in ihrem Referat „Ver-rückte Welt“ auch noch auf diesen Aspekt zu sprechen kommen!

Meine Damen und Herren,
Demenz verändert nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das Leben derjenigen, die sie pflegen und begleiten. Hier spielt das Alter in der Tat keine Rolle. Die Demenzerkrankung ist ein schleichender Prozess, an dessen Ende nichts mehr ist, wie es einmal war. Doch es gibt immer wieder ganz besondere und erfrischende Momente – so entfernt sie oft scheinen, und so kurz sie mit zunehmendem Krankheitsverlauf auch sein mögen.

Nichtsdestotrotz ist dieser ständige Wandel eine große Belastung – für beide Seiten. Jeden Tag kann eine neue Situation entstehen, eine neue Aufgabe auftreten. Freunde und Angehörige helfen, benötigen selbst aber auch Hilfe, Unterstützung und Freiräume. Das ist mir in den persönlichen Gesprächen, die ich mit Angehörigen geführt habe, nochmals klar geworden.
Unsere Seniorinnen und Senioren können ein umfangreiches Angebot an Hilfe in Anspruch nehmen. Am Nachmittag wird Eudomos die vielen verschiedenen Hilfsangebote näher beleuchten.

Ich denke hier jedoch ganz besonders an die Dienstleistungen der häuslichen Hilfe und der Alten- und Pflegeheime, die pflegebedürftige oder demenzerkrankte Senioren und ihre Familien unterstützen.  Bei der häuslichen Hilfe denke ich beispielsweise an die Familienhilfe oder die SOS-Hilfe. Ich denke aber auch an Dienste, wie den Josephine-Koch-Service und die Stundenblume. Außerdem möchte ich die Arbeit der AG Demenz in diesem Rahmen nochmals hervorheben. Die Arbeitsgruppe sensibilisiert die Menschen, klärt sie über die Krankheit auf und erteilt wertvolle Ratschläge. Das sind einige der Initiativen und Dienstleistungen, die von der DG finanziert werden.

Natürlich steht die Politik weiterhin in der Pflicht. Vor Kurzem hat die Regierung das 2. Umsetzungsprogramm des REK im Parlament vorgestellt. Dieses Konzept gilt als Wegweiser unserer Politik. Eine der Prioritäten ist der Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität all unserer Senioren, ob zuhause oder im Pflegeheim, in der Stadt oder auf dem Land. Mit dem ÖSHZ Eupen arbeiten wir zur Zeit zum Beispiel ein Pilotprojekt für eine Seniorenwohngemeinschaft aus, um den Wunsch möglichst vieler Menschen länger in den eigenen vier Wänden und in Gesellschaft zu leben, zu unterstützen. Andere Beispiele für alternative Wohnformen ist das intergenerationelle Wohnen. Zudem möchten wir uns auch verstärkt mit dem Wohnumfeld auseinandersetzen. Was muss wie angepasst sein, um seniorenfreundlich zu sein? Ich denke, dass gerade im Fall von Demenz auf ein angepasstes Umfeld geachtet werden muss.

Die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Senioren liegt uns sehr am Herzen. Aus aktuellem Anlass möchte ich Sie daher auf etwas aufmerksam machen. In den kommenden Tagen werden Sie sicherlich des Öfteren von PEB hören. Dabei handelt es sich natürlich nicht um den Fußballtrainer des FC Bayern München, sondern um das Programm für Ernährung und Bewegung. Am 11. Juni 2015 um 19 Uhr findet die Auftaktveranstaltung hier im Europasaal statt.  Unter dem Motto „Fit im Alter – Gesund essen, besser leben“  wird die Ernährungsberaterin Birgit Tollkühn-Prott, den Fragen nach der richtigen und angepassten Ernährung für Senioren auf den Grund gehen.

Denn eine gesunde und vor allem ausreichende Ernährung ist für eine gute Gesundheit unerlässlich. Schließlich ist wissenschaftlich erwiesen, dass Mangelernährung unter anderem auch zu Gedächtnisproblemen führen kann.  Womit wir wieder beim Thema der heutigen Veranstaltung sind.

Den beiden Veranstalter des heutigen Tages, dem Josephine-Koch-Service und der Stundenblume möchte ich an dieser Stelle ein ganz großes Kompliment für die erfolgreiche Organisation aussprechen. Es passiert nicht alle Tage, dass der Europasaal bis auf den letzten Stuhl gefüllt ist. Dieser Zuspruch spricht ganz eindeutig für Ihre hervorragende Arbeit! Er zeigt aber auch die Bereitschaft, als Gesellschaft die Demenzkranken und deren Angehörige zu unterstützen. Und das finde ich ganz toll!
Ich bin sicher, keiner der heute Anwesenden wird sein Kommen bereuen!

Ihnen allen wünsche ich ein interessantes, interaktives und vor allen Dingen informatives Seniorenforum.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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