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Rede anlässlich des Themennachmittags des Pflegefamiliendienstes „Bücher als Ressource im Leben mit Pflege- und Adoptivkindern


Rede von Antonios Antoniadis, Minister für Familie, Gesundheit und Soziales anlässlich des Themennachmittags des Pflegefamiliendienstes „Bücher als Ressource im Leben mit Pflege- und Adoptivkindern

20150320 Rede Themennachmittag (128.6 KiB)

Sehr geehrte Pflege- und Adoptiveltern,

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

es freut mich sehr, anlässlich des heutigen Themennachmittages ein paar einleitende Worte an Sie richten zu dürfen!

In gewisser Weise feiern wir heute eine Premiere. Denn zum ersten Mal wird dieser Themennachmittag von dem Pflegefamiliendienst und der Zentralen Behörde der Gemeinschaft für Adoption gemeinsam organisiert. In den letzten Monaten habe ich viele Gespräche mit Pflege- und Adoptiveltern geführt. Diese haben mir sehr geholfen, die verschiedenen Lebenswelten. Und auch wenn es große Unterschiede zwischen der Pflege und Adoption gibt, so gibt es auch Parallelen. Deshalb erscheint mir dieses neue Format als sinnvoll.

In den kommenden Stunden werden wir so einige Dinge zum Thema  „Bücher als Ressource im Leben mit Pflege- und Adoptivkindern“ in Erfahrung bringen. Dass wir in Frau Tatjana Neupert eine Expertin begrüßen dürfen, passt wirklich ins Bild.

Sehr geehrte Frau Neupert, an dieser Stelle bedanke ich mich im Namen der Deutschsprachigen Gemeinschaft für Ihr Kommen. Ich bin sicher, dass Ihre weite Anreise aus Dresden sich lohnt und Sie hier im schönen Eupen ein paar interessante Stunden verbringen werden!

Meine Damen und Herren, ich möchte Ihnen nun zum Einstieg in die Thematik einen kurzen Auszug aus einem Buch vorlesen. Ich bin überzeugt, dass mindestens einer Person diese Schilderungen sehr bekannt vorkommen werden:

„Der Kater Rufus hat es schwer, sich in seiner neuen Familie einzufinden. In seiner ersten Familie wurde viel geschrien. Er wurde manchmal unsanft behandelt und nicht gefüttert“.

Liebe Pflege- und Adoptiveltern,

in der Geschichte „Ein sicherer Ort für Rufus“ geht es um den Kater Rufus. In seiner neuen Familie ist er zuerst sehr misstrauisch, scheu, und hat ausgefallene Essensgewohnheiten. Die schlimmen Erinnerungen an seine erste Familie verfolgen ihn überall dorthin, wo er sich vor ihnen zu verstecken sucht. Doch eines Tages entdeckt er in einem ruhigen Winkel des Hauses ein Plätzchen, das zu seinem geheimen, sicheren Rückzugsort wird. Hier fühlt er sich so sicher und so wohl, dass Platz ist für schöne Gedanken und Empfindungen. Allmählich fasst Rufus Vertrauen in seine neue Familie, doch sein sicherer Ort bleibt ihm immer erhalten.

Das Buch erzählt von einem Thema, das einige von Ihnen nur zu gut aus eigener Erfahrung kennen. Es ist nicht immer einfach darüber zu sprechen. Oft stellt sich die Frage, wie man am einfachsten  mit einem Pflege- oder Adoptivkind über die besondere Situation sprechen kann.

Und an dieser Stelle erweisen sich Kinderbücher als eine echte Hilfe. Für Eltern, Pädagogen, Erzieher und Therapeuten. Ganz besonders aber für die Kinder. Denn die Bücher erlauben eine ungezwungene Herangehensweise an Themen wie Adoption, Trennung oder Pflegschaft.

Ein Kinderbuch lässt sich auf verschiedene Arten gemeinsam mit einem Kind entdecken und erleben. Man liest dem Kind die Geschichte vor, das Kind liest die Geschichte selbst vor, oder man schaut sich gemeinsam die Bilder und Dialoge an. Kinder und Eltern nehmen dabei am Leben der Protagonisten teil. Und je häufiger sie das Buch lesen, umso vertrauter wird ihnen die Situation. Für die Kinder ist dies sehr stimulierend. Und da ein Kind bekanntermaßen gerne viele Fragen stellt, wird es früher oder später wahrscheinlich selbst die Diskussion anstoßen.

Beim Lesen von „Ein sicherer Ort für Rufus“ kann es sich einfach mit Rufus  identifizieren. Ein Kind, das sich in seiner Pflege- oder Adoptivfamilie befindet, sehnt sich nach Sicherheit. Und das Kinderbuch zeigt ihm: „Du hast bei uns einen sicheren Ort“.

Auch dem Kater Rufus geht es so. Es gibt Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern sein dürfen und schlechte Erfahrungen gemacht haben. Und es gibt Menschen, die für sie da sind und ihnen helfen. Sie kümmern sich mit sehr viel Liebe und Zuneigung um sie, schenken ihnen einen sicheren Platz in ihrer Familie.

Meine Damen und Herren, die Geschichte „Ein sicherer Ort für Rufus“ hat unsere heutige Gastreferentin herausgegeben. Sie wird uns sicherlich in Kürze sehr viel ausführlicher durch dieses spannende Thema navigieren. Als Kinderärztin, Therapeutin, Übersetzerin und Mutter von insgesamt fünf sowohl leiblichen als auch adoptierten Kindern ist sie schließlich für diese Aufgabe prädestiniert.

Frau Neupert, es freut mich ganz besonders, dass Sie das Buch „Un nid pour Wazou“ ins Deutsche übersetzen und dann in der DG und in Deutschland herausgeben werden!

Uns allen wünsche ich an dieser Stelle einen interessanten und erkenntnisreichen Nachmittag.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Geschlossen.

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