Reden / Reden & Parlament

Rede von Antonios Antoniadis zur Eröffnung des Seminars „Inklusion als Querschnittsaufabe im REK II“


Rede von Antonios Antoniadis, Minister für Familie, Gesundheit und Soziales zur Eröffnung des Seminars „Inklusion als Querschnittsaufabe im REK II“

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, dass Sie heute an diesem 6. März so zahlreich erschienen sind. Einem Datum mit symbolischem Charakter für die Arbeit, die noch vor uns liegt.

Der Direktor der DPB könnte die Geschichte wahrscheinlich besser erzählen als ich, da er sich mit der Entwicklung Belgiens zum Föderalstaat und unserer Regionalgeschichte eingehend befasst hat. Heute vor genau 90 Jahren wurden die belgischen Ostkantone nach einer mehrjährigen Übergangszeit endgültig ein Teil Belgiens.

Aber was hat das mit der Inklusion zu tun? Eine ganze Menge. Denn ähnlich wie bei der Entwicklung unserer Autonomie liegt ein beschwerlicher Weg vor uns, wenn wir von einer inklusiven Gesellschaft sprechen.

Wenn ich mir anschaue, was im Behindertenbereich bisher erreicht wurde, dann stimmt mich das zunächst positiv. Bei meiner Runde durch die rund 180 Einrichtungen, die ich zu Beginn meiner Amtszeit absolvierte, habe ich auch etliche Organisationen aus dem Behindertenbereich getroffen. Manche von ihnen wurden nur deshalb gegründet, um Freizeitangebote für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Und das zu einer Zeit, als man die Behinderten zuhause versteckte, als man sich für sie schämte.

Die Zeiten haben sich jedoch sehr geändert. Auch die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Mit der Schaffung der Dienststelle und der Unterstützung zahlreicher Einrichtungen haben wir heute ein breites Angebot an Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung.

Sicherlich haben der politische Wille und die organisierte Zivilgesellschaft dazu beigetragen, die gesellschaftliche Akzeptanz zu erhöhen. Es wurde viel erreicht, aber am Ziel sind wir noch immer nicht angekommen.

Heute brauchen wir wieder den Willen, um einen Schritt weiterzugehen.

Die Inklusion von Menschen mit einer Behinderung ist kein rein politisches Thema. Vielmehr ist es ein gesellschaftliches, ein menschliches Anliegen, das uns ausnahmslos alle betrifft. Niemand kann sich dabei für nicht zuständig erklären. Inklusion kann nur mit der Unterstützung und dem Engagement aller Bürger gelingen.

Bei der Vorbereitung auf dieses Seminar bin ich auf 2 Zitate des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker gestoßen, die meines Erachtens toll zum heutigen Anlass passen.

Von Weizsäcker sagte einst: „Seiner eigenen Würde gibt Ausdruck, wer die Würde anderer respektiert.“

Die Würde aller Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft, ihres Geschlechts  oder einer möglichen Beeinträchtigung, ist unantastbar. So steht es nicht nur im deutschen Grundgesetz, sondern auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Ein würdevoller Umgang mit seinem Umfeld ist demnach die Pflicht eines jeden von uns.

Diesen Grundgedanken greift auch die UN-Behindertenrechtskonvention auf. Darin wird nämlich der Wandel von einer bedarfs- und pflegeorientierten Behindertenpolitik hin zu einem menschenrechtsbezogenen, individuellen und differenzierten Ansatz verdeutlicht.

Auch das zweite Zitat möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, das da lautet: „Man kann sich auch in Gesellschaft anderer einsam fühlen.“

Es reicht nicht, Menschen mit einer Behinderung bloß zu akzeptieren. Es reicht auch nicht, ihre Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu billigen. Wir müssen Möglichkeiten schaffen, dass sie aktiv am kulturellen, gesellschaftlichen und sozialen Alltag teilhaben können. Denn lediglich dabei sein, ist eben NICHT alles! Die Inklusion, das heißt nicht ich, das heißt nicht du, das heißt: WIR!

Auf politischer Ebene genießt die Inklusion zurecht einen sehr hohen Stellenwert. Die Inklusion betrifft alle Lebensbereiche und somit auch alle politischen Bereiche. Von Schule und Ausbildung über Kultur und Beschäftigung bis hin zur Gesundheit. Deshalb ist der Inklusion auch ein Querschnittsthema im Regionalen Entwicklungskonzept, unserem politischen Wegweiser, gewidmet.

Vor wenigen Tagen fand im Begleitzentrum Griesdeck ein Seminar statt. Zu diesem Anlass habe ich mich mit den Teilnehmern über die künftigen Vorhaben der Regierung im Behindertenbereich ausgetauscht.

Natürlich wäre die konkrete Ausführung dieser Maßnahmen ohne die zahlreichen Partner des Terrains nicht möglich. Hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang die „Dienststelle für Personen mit einer Behinderung“. Im Auftrag der Regierung nimmt sie im Gesamtprozess eine begleitende, koordinierende und motivierende Rolle ein.

Ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen und möchte zum Abschluss nur noch einige Worte des Dankes loswerden:

Danke an all jene, die sich beruflich oder privat für Inklusion einsetzen und dafür sorgen, dass auch Menschen mit Behinderung sich nicht als Randgruppe, sondern als Teil der Gesellschaft sehen.

Sie leisten eine ebenso schwere wie wichtige Arbeit, ohne die die DG nicht das wäre, was sie heute ist: eine solidarische Gemeinschaft, in der bereits vieles in die richtige Richtung geht. Diesen Weg möchte ich auch in Zukunft mit Ihnen allen gerne weiter beschreiten.

 

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Tags: ,
Schrift vergrößernSchrift verkleinernStandard